Das Design der User

3. August 2008 0 Kommentare

Foto: nikebiz.com
Foto: nikebiz.com
Der Begriff des „user-generated-content” ist in aller Munde. Jetzt setzt auch der Sportartikelhersteller Nike auf die Kreativität seiner Kunden. In Zusammenarbeit mit der Londoner Agentur „AKQA“ entstand die „PhotoID“-Kampagne, die den User befähigt eigene Designs für den Schuh Klassiker „Nike Dunk“ zu erstellen. Dabei muss nur ein Foto von der erwählten Designvorlage gemacht werden und per MMS an eine NikeiD-Adresse verschickt werden. Aus den zwei grundlegenden Farben generiert die Software dann das Schuhdesign. Innerhalb weniger Minuten erhält der Fotograf einen Link, unter dem er das Design-Ergebnis betrachten kann. Dann hat er die Möglichkeit den Schuh zu kaufen oder der gesamten Nike-Community zum Verkauf anzubieten. Schon bald will man neben dem Schuh andere Kleidungsstücke zum selbst gestalten anbieten.

Kommentar:
Nike hat die Zeichen der Zeit erkannt. Dank NikeiD bekommen die Nutzer Schuhe von ihrem favorisierten Hersteller samt einem personalisiertem Design. Dies gibt ihnen das Gefühl, selbst Teil der Nikefamilie zu sein. Und auch Nike hat was davon − durch die eingesandten Designs, weiß der Konzern immer um die aktuellen Design-Trends und Wünsche seiner Kunden.

Links:
akqa.com
hoopnation.de
nikeid.nike.com
store.nike.com

Der Volksverlag

7. Juli 2008 2 Kommentare

Foto: Books, -DarrenHester, -Flickr.com, CC-Lizenz 2.0
Foto: Books, -DarrenHester, -Flickr.com, CC-Lizenz 2.0
Gegründet vor einem Jahr in Maryland setzt der Verlag „WEbook“ auf die Weisheit der Massen. Die Internetplattform ermöglicht es Autoren, Illustratoren und Lektoren, Hand in Hand an Buchprojekten zu arbeiten. Ob Thriller, Science-Fiction, Kurzgeschichten oder Kinderbücher – jegliche Buchprojekte sind erwünscht und können hochgeladen werden. Dabei kann entschieden werden, ob Projekte allen Usern, oder nur einer ausgewählten Gruppe von Menschen zugänglich gemacht werden. Ziel ist es, die Arbeit an einem Buch, durch die Weisheit der Massen, erheblich zu vereinfachen. Liegt dann ein Buch in der Endfassung vor, kann es allen Usern zur Abstimmung vorlegt werden. Aus den Büchern mit den höchsten Bewertungen wählt dann ein Team von „WEbook“ diejenigen aus, die verlegt werden. Die Veröffentlichung ist für die Autoren umsonst, von jedem verkauften Buch, erhält er 50 Prozent vom Gewinn. Jährlich will der Verlag drei bis fünf Bücher veröffentlichen und hofft dabei unerkannte Talente zu entdecken.

Kommentar:
Ein gelungenes Crowdsourcing Projekt. Über die Intelligenz der Massen an Bücherwürmern läßt sich leicht bestimmen, ob ein Buch das Zeug zum Bestseller hat. Sicherlich dürfen wir von diesem Verlag einige spannende Werke erwarten. Und auch einige schon bekannte Autoren werden es sich sicherlich überlegen, ob sie in Zukunft nicht bei diesem Verlag veröffentlichen, den 50 Prozent vom Gewinn zahlt kaum ein anderer Verlag.

Links:
coolbusinessideas.com
crunchbase.com
jwikert.typepad.com
webook.com
teleread.org

Missgeschicke zum Mitlesen

19. Mai 2008 0 Kommentare

Foto: Clearly Ambiguous, Flickr.com, CC-Lizenz
Foto: Clearly Ambiguous, Flickr.com, CC-Lizenz
Ein neuer Internettrend erreicht uns aus Frankreich. Auf der Internet Seite „Vie de Merde“ berichten tausende von Franzosen über ihre kleinen und großen Missgeschicke. Ein Beispiel, das auf Spiegel Online zu lesen ist: „Ich habe heute zwei SMS von meiner Freundin bekommen. In der ersten teilte sie mir mit, dass alles aus ist. In der zweiten, dass sie sich mit dem Adressaten vertan hat. Scheiß Leben.“
Schon über tausende solcher Anekdoten gibt es auf der Seite „Vie de Merde“ ungekürzt, unzensiert und in die Sparten wie „Liebe“, „Arbeit“ und „Sex“ unterteilt zu lesen. Maxime Valette, Mitgründer der Seite ist sich sicher, dass schon bald mehrere zehntausend solcher Geschichten eingestellt werden. Ähnliches gibt es auch schon in Deutschland. Unter der Rubrik “Dieses Geheimnis haben Sie!” kann man bei der Süddeutschen Zeitung seine kleinen Geheimnisse posten und auf der Seite Beichthaus können Sünder und Sünderinnen Zeugnis ablegen.

Kommentar:
Die Seiten erfüllen zwei Bedürfnisse: Zum einen bietet sie die Möglichkeit zur Erleichterung der Autoren ganz nach dem Motto: geteiltes Leid ist halbes Leid, zum anderen befriedigt es die Schadenfreude der Leser. Ein einfaches, aber erfolgreiches Prinzip.

Links
aixtrablatt.blogspot.com
eynes.blogspot.com

Das Top Secret Portal

29. April 2008 0 Kommentare

Foto: Wiileaks
Foto: Wiileaks
Wikileaks ist wieder online. Die Website, die sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Plattform für unzensierte und geheime Informationen zu bieten und damit den Kampf von politischen Aktivisten und Korruptionsgegnern – die aufgrund des Regimes in ihrem Lande mundtot gemacht werden – zu unterstützen, ist wieder unter der Adresse „wikileaks.com“ zu erreichen.
Die anonymen Betreiber der Internetseite haben die Hoffnung, dass, mit dem Anprangern von Korruption und Ungerechtigkeiten, diese reduziert werden können.
Die Identität derjenigen, die Informationen auf der Seite einstellen, wird dabei durch eine ganze Reihe von Verschlüsselungstechniken,wie „Tor“, „PGP“ und „Freenet“, geschützt. So will man die Anonymität und Unauffindbarkeit garantieren – schließlich spielen manche Autoren mit ihrem Leben, wenn sie zensiertes oder geheimes Material veröffentlichen.
Laut Angaben der Betreiber – eine anonymen Gruppe, die sich aus chinesischen Dissidenten, sowie Journalisten, Technikern und Mathematikern aus Amerika, Australien, Südafrika, Taiwan und Europa zusammensetzt – wurden schon über 1,2 Millionen, zum Teil, sehr brisante Dokumente eingesandt.
Zur vorübergehenden Sperrung kam es durch einen Gerichtsverfahren das die Privatbank „Julius Bär“ angestrebt hatte. Auf Wikileaks wurden Dokumente veröffentlicht, die die Bank, sowie manche ihrer Kunden, beschuldigte in Steuerhinterziehung und Geldwäscher verstrickt zu sein. Ein kalifornisches Gericht ließ darauf wikileaks.com aus dem Internet-Namensregister entfernen. Ohne Erfolg, da die Wikileaks Server in der ganzen Welt verteilt stehen und die Domain unter anderen Namen immer noch erreichbar war. So hob der zuständige Richter die Sperrung am 29. Februar auf, da mit der Sperrung eh nichts erreicht werden konnte.

Kommentar:
Noch steckt Wikileaks in der Betaphase, die meisten der eingesandten Dateien sind noch nicht zugänglich. Dennoch werden täglich immer mehr Dokumente freigeschaltet. Aber es gibt auch einige gute Kritikpunkte an der Seite. Selten sind die anonym eingestellten Dokumente und Behauptungen überprüfbar. Es kann kaum verhindert werden, dass die Seite auch für Denunziation und Rufmord benutzt werden wird. Wie man dieser Problematik Herr werden will, ist noch nicht geklärt.

Links:
88.80.13.160
ai-ger.blogspot.com
de.wikipedia.org
futurezone.orf.at
infowars.wordpress.com
taz.de
theinquirer.de
wikileaks.org

Die YouTube Revolution

9. April 2008 25 Kommentare

Foto: Jonsson, Flickr.com CC-Lizenz
Foto: Jonsson, Flickr.com CC-Lizenz
Ein Geschenk von Google: künftig darf sich jeder seine eigene YouTube-Seite basteln – die dafür nötige Software stellt Google bald gratis zu Verfügung. Und auch die Videoinhalte sämtlicher YouTube-Kanäle dürfen eingebunden werden. Kurz gesagt: Jeder kann das Videoportal, samt Inhalte auf seiner eigenen Seite nachbauen, ohne das die Nutzer noch die originale YouTube-Seite aufsuchen müssen. Auch das Einbinden von Werbung ist gestattet. In Zukunft darf man sich also auf monothematische, personalisierte YouTubes für jeden Geschmack freuen.

Kommentar:
Es ist fraglich warum das Unternehmen diesen Schritt wagt. Es ist ja nicht nur so, dass hier Software verschenkt wird. YouTube wird auch User und Werbeeinnahmen verlieren, wenn sich das Filmangebot in Nischen aufspaltet. Darüber hinaus verbleiben die Filmchen auf den eigenen YouTube-Servern, was den Datendurchsatz erhöhen wird – ein besonders kostspieliger Posten. Doch Google geht es um mehr, als Werbeeinnahmen. Mit dem Angebot möchte sich das Unternehmen nicht weniger als die Vorherrschaft im Netz sichern. So hofft man in der Firmenzentrale, dass sich mit diesem gewagten Schritt, YouTube von einer Videoplattform in den vorherrschenden, universellen Videodienst des Internets wandelt und somit alle Konkurrenz, wie MyVideo, Clipfish, VideoEgg und Sevenload den Garaus macht.

Links:
abakus-internet-marketing.de
berndroethlingshoefer.typepad.com
blog.firstmedia.de
galaxymachine.de
golem.de
lernen2null.de
ralfschwartz.typepad.com
saubereingeschenkt.blogspot.com
spiegel.de
thomasmiesen.de

Sozial 2.0 - Ein kritischer Blick auf Soziale Netzwerke

4. April 2008 1 Kommentar

Meine zweite Lieblingszeitschrift, die DE:BUG (Magazin für elektronische Lebensaspekte), äußert sich in einem exzellent geschriebenem Artikel kritisch zu Sozialen Netzwerken.

Ein kleiner Ausschnitt:

Eines ist klar: Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder MySpace haben keinen guten Ruf. Über sie kommunizieren zwar Millionen, aber ihr Image ist grausig. Sie sind der Mainstream des Internets, der Ort, an dem die Massen sich herumtreiben, und Masse, wissen wir ja, ist kein guter Begriff. Masse ist dumm, schwerfällig und dumpf. Folglich hat man sie auf dem Kieker. Dabei nutzen junge Menschen diese von allen möglichen Widgets aufgepimpten Dienste nicht nur weitaus lieber als die üblichen Applikationen, Email oder so. Was alleine schon ein Grund wäre, da genau hinzugucken. An sozialen Netzwerken lässt sich auch mehr sehen als nur die üblichen Probleme. Aber beginnen wir mit denen.

Horizonterweiterung durch und kompletter Artikel auf de-bug.de.

Der neue Kommunismus

25. Februar 2008 0 Kommentare

Creative Commons setzen Maßstabe für das kreative Arbeiten von morgen

Das digitale Zeitalter lässt sich auch durch die Erschließung ungeheurer kreativer Möglichkeiten definieren. Niemals war der Zugriff auf geistige Produkte, wie Fotografien, Filme und Musik einfacher und schneller. Auch hat die neue Technik die kreative Arbeit an Bild, Ton und Text, erheblich erleichtert. Dank digitaler Kameras, Sound- und Grafikkarten haben heute ein Heer an Menschen Zugriff auf günstige kreative Werkzeuge, die noch vor ein paar Jahrzehnten unerschwinglich waren.

Foto: Cantabrigensis, flickr.com
Foto: Cantabrigensis, flickr.com
Doch die tollen, neuen Mittel kann man nur nutzen, wenn man genug frei verfügbares Material zur Verfügung hat. Aber die Masse an Mediendaten des Internets lassen sich bisweilen nur selten nutzen – Dank dem bestehenden Urheberrecht.

Bis vor kurzem hatte der Schöpfer eines geistigen Werkes - sei es ein Bild, Foto oder Text - nur zwei Alternativen: Entweder er behielt sich alle Rechte an seinem Werk vor (all rights reserved) oder aber er gab alle Rechte auf (no rights reserved) - was bedeutete, das ein Werk zum Allgemeingut wurde. Viele Künstler, die diesen Weg einschlugen, fanden dann oft ihre Arbeit unter fremden Namen veröffentlicht – den Ärger denn sie darüber empfanden, ist leicht verständlich.

Auf der anderen Seite ist das Label „all rights reserved“ ebenfalls ein Problem: Will man eine Arbeit eines anderen, oder einen Auszug daraus, für seine eigene Zwecke nutzen, braucht man dessen Genehmigung - um ganz sicher zugehen ein ausgereiftes Vertragswerk. Die Mühen, dies über Länder- und Sprach- und Gesetzesgrenzen hinweg zu bewerkstelligen sind oftmals zeit- und kostenintensiv.

Das Problem erkannte auch Lawrence Lessing, Rechtsprofessor an der Stanford Law School. Daher entwickelte er im Jahre 2001 die „ Creative Commons“, ein neues Urheberrecht, dass sich den Grundwerten der Offenheit und Teilhabe orientiert: Er will damit allen Kreativen, wie Medienschaffenden, Künstlern und Wissenschaftlern ein Werkzeug zur Verfügung stellen, dass ihnen ermöglicht selbst entscheiden zu können, wie viel und welche Rechte sie anderen Menschen an ihrer geistigen Arbeit einräumen.

Sein neues Urheberrecht ist ein wahrer Erfolg - immer mehr Menschen nutzen die, von Lessing entwickelten Lizenz-Typen, um ihre Werke zum „kreativen Allgemeingut“ zu erklären, ohne das sie dabei alle ihre Rechte aufgeben müssen. Allein bei dem Fotoportal „Flickr“ sind Millionen von Bildern unter den Creative Commons-Lizenzen veröffentlicht.

Dem Nutzer dieses neuen Urheberrechtes stehen dabei sechs verschiedenen Lizenztypen zur Wahl: Der Künstler kann bestimmen, ob sein Werk bearbeitet und verändert werden darf, ob die Verwendung nur für nicht-kommerzielle oder auch für kommerzielle Zwecke gestattet ist und ob der Lizenznehmer sein Folgeprodukt unter gleicher Creative Commons-Lizenz veröffentlichen muss. Die Namensnennung des Urhebers ist bei allen Lizenzen Pflicht.

Mittlerweile haben 41 Länder, darunter auch Deutschland und die USA, dieses alternative Urheberrecht akzeptiert, in neun Ländern läuft der juristische Bearbeitungsprozess um die Creative Commons in den bestehenden Rechtsapparat zu integrieren.

Waren anfangs hauptsächlich Hobby- und Kleinkünstler die Hauptnutzer der neuen Lizenzen, entdecken jetzt auch große Institutionen, wie die BBC oder der NDR die Creative Commons: Der englische Sender entwickelte das „Creative Archiv“ ein riesiges Filmarchiv, das mit Hilfe eines, an die „ Creative Commons“ angelehnten Lizenzsystems, den britischen Fernsehgebührzahlern jede Menge an Beiträgen und Filme online zugänglich macht.

Der NDR zog nach: Ab November stellt der deutsche Sender, zwei seiner Sendungen – das Medien-Magazin Zapp und die Satire-Sendung Extra 3 – den Zuschauern unter der Creative Commons-Lizenz zur nicht-kommerziellen Verfügung bereit.

Kommentar:
Der Begriff Kommunismus bezeichnet das Ideal einer klassenlose Gesellschaft, in der alles Erwirtschaftete unter allen Menschen aufgeteilt wird und somit die sozialen Unterschiede aufgehoben werden sollen. Als Gesellschaftsmodell scheint dieses Model gescheitert, für das kreative Arbeiten im digitalen Zeitalter aber bestens geeignet. Am Beispiel der „Creative Commons“ zeigt sich, dass der Trend zur „Open Source“-Gesellschaft (siehe „Agalmics!“) weiter besteht - schließlich will die Intelligenz der Massen gefüttert werden. Und wer hungrig ist, wird alles Nötige unternehmen um Kopf oder Bauch zu füllen.

Links:
creativearchive.bbc.co.uk
de.creativecommons.org
www.flickr.com

Wörterbuch der Jetztzeit

10. Januar 2008 0 Kommentare

Foto: sprachnudel.de
Foto: sprachnudel.de
Meines Erachtens wurde über folgende Plattform in der allgemeinen Blogberichterstattung noch nicht berichtet (kann mich natürlich auch irren). Nichtsdestotrotz will ich die werten Blogleser auf sprachnudel.de aufmerksam machen, da ich diese Plattform, die sich um sprachliche Trends außerhalb des Dudenkosmos kümmert, für sehr gelungen halte.

sprachnudel.de schreibt über sich:

Spar dein Geld für Sprachreisen, denn diese Seite richtet sich an alle Cracks, Geeks, Homies und Ikonen der verschiedenen Lifestyle-Szenen, indem Sie sprachliche Trends sammelt und Normalbürgern zugänglich macht. Was nicht im Duden steht soll zukünftig hier gefunden werden.
Welche Wörter sind also angesagt und machen in der Szene die Runde?
Du bist voll der Checker und hast ein neues Wort auf Lager? Worauf wartest Du noch? Schicke Deinen Teststreifen bitte inklusive Beschreibung am besten gleich über unser easy zu handelndes Eingabeformular direkt an uns, und trage Deinen Teil zur sprachlichen Vervollkommnung dieser Seite bei.

Ich empfehle die Seite intensiv abzusurfen und sich auch die gelungenen Funktionen zu Gemüte zu führen. Diese Plattform hat mehr Aufmerksamkeit verdient.

WikipediaVision

9. Januar 2008 0 Kommentare

Inspiriert von Flickrvision, gibt es jetzt auch WikipediaVision. Ab jetzt weiß man also auch, wo geographisch das WikiWissen der Welt entsteht.

Gefunden im DE:BUG Blog.

Folksonomy als “Übergangslösung” zum SemWeb

9. Januar 2008 4 Kommentare

Foto: FloydMcLloyd, „Tag am Strand mit Brillen“, CC-Lizenz (BY 2.0)
Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
Foto: FloydMcLloyd, „Tag am Strand mit Brillen“, CC-Lizenz (BY 2.0) Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
Das Thema semantisches Web (”Suche ist nur ein Ausdruck von mangelnder Organisation”) lässt mich nicht los, wie man hier, hier und hier sehen kann. Ich betrachte es als eines der wichtigsten Themen der jüngeren Zukunft.

Vorweg muss erklärt werden, dass ich unter dem Begriff “Semantik” die Lehre der Wortbedeutung verstehe (ich hoffe das ist wissenschaftlich richtig). Die Semantik, als Teilgebiet der Linguistik, beschäftigt sich also mit dem Sinn von Wörtern und Wortkombinationen (sprich Sätzen). Genau dies ist heute durch Computer nicht realisierbar, da diese Bedeutungsinterpretation (noch) nicht durch Algorithmen abzubilden ist. Eine derartige Leistung kann nur durch das menschliche Gehirn erbracht werden.

Eine Offenbarung zu diesem Thema ist für mich das Buch “The long tail” von Chris Anderson. Ein zusammenfassendes Fazit des Buches ist: “Mache alles verfügbar und hilf mir, es zu finden.“. Dabei bezieht sich das Mache alles verfügbar auf die grundlegende Nischentheorie des Buchs. Der Rest des Satzes (”und hilf mir es zu finden.“) aber hat es in sich, denn die heute verfügbaren Hilfen, etwas im Internet zu finden, sind noch ziemlich dürftig. Das Gros der Content- oder Produktanbieter verfährt immer noch nach dem Prinzip “Content is king”. Auch Google, Yahoo, Wikipedia und die üblichen Verdächtigen gehören mit zum Gros.

Chris Anderson ist da aber schon viel weiter und ruft das Zeitalter des “Context is king” aus. In meinen Augen absolut richtig. Es gibt nur noch das Problem der technischen Realisierung zu lösen. Dazu gibt es diverse Ansätze.

Der erste und vermutlich Bekannteste wird schon seit geraumer Zeit von Tim Berners-Lee in Form des SemWebs propagiert. In diesem Videointerview erklärt er ausführlich seine Vision. Letztendlich wird angestrebt, die vorhandenen Spezifikationen des W3C um semantische Tags zu erweitern. Den aktuellen Stand kann man unter W3C Semantic Web Activity einsehen.

Ein weiterer Ansatz wird in Form der sogenannten “Mikroformate” verfolgt. Zu diesem Thema schreibt Benedikt Köhler, Autor des Blogs viralmythen:
Wer sich in Web2.0-Kreisen bewegt, ist sicher schon einmal auf den Begriff “microformat” gestoßen. Was verbirgt sich dahinter? Im wesentlichen geht es hier um einfache, offene Datenformate, die sowohl maschinen- als auch menschenlesbar sein wollen.” Die ausführliche Abhandlung des Themas findet sich hier.

Der nächste Ansatz geistert schon seit einiger Zeit als Neologismus durch die Webwelt: Taggen. Jeder kann mit diesem Begriff etwas anfangen, aber kann auch jeder damit umgehen? Eine hilfreiche Erklärung liefert Markus Tressl, der sich neben seiner Berufstätigkeit mit der Thematik Suchen und Finden auseinandersetzt.

Bleiben mir noch zwei Punkte zu erwähnen.
Erstens gibt es zahlreiche Portale, die sich mit der Thematik erfolgsversprechend auseinandersetzen. Eine Liste der 10 wichtigsten Aktivitäten findet sich hier.
Zweitens gibt es den Ansatz des Gemeinschaftlichen Indexieren (Folksonomy). So wie es auf Wikipedia definiert ist und durch Chris Anderson interpretiert wird (Artikel ist vom 04.07.2005, was man als visionär bezeichnen kann) ist es in meinen Augen der vielversprechendste Ansatz, bevor Maschinen in der Lage sein werden semantisch zu “denken”.

Kommentar:
Bei allen Ansätzen das Internet semantisch zu machen, kommt dieselbe Vorgehensweise zum Einsatz. Inhalte werden mittels Metaauszeichnungen verknüpft, um eine Contextrelevanz herzustellen. In meine Augen ist die Problematik dabei, dass die Inhalte der Metaauszeichnungen - wie immer die technische Umsetzung aussieht - von (wenigen) Menschen gefüllt werden. Und schon ist man wieder am Ausgangspunkt, denn ich bin sicher, das die Tags die ich einem Content geben würde, sich von den Tags anderer User stark unterscheiden würden. Das ist also keine Hilfe es zu finden.
Als Übergangslösung zum SemWeb wie ich es verstehe, käme daher nur eine Folksonomy mit Schwarmintelligenz in Frage. Dazu müssten möglichst viele User ein und denselben Inhalt taggen. Die Schnittmenge aller vergebenen Tags, würde dann den Content einer breiteren Userschaft suchtechnisch näher bringen und somit auffindbar machen.
Wir werden sehen und suchen.

Content is king

29. November 2007 2 Kommentare

Ebay hat die Marktplätze dieser Welt digitalisiert. Heute kann beinahe jedes Gut auf der Plattform ver- oder gekauft werden. Nur eine Produktgruppe ist von diesem Handel ausgeschlossen − geistige Inhalte. Dies fiel auch einer kleinen Gruppe von Leuten auf, die schnell unter dem Namen „Mochila“ eine Content-Börse gründeten. Seitdem stehen in dem neuem Online-Portale Bilder, Texte und Videos zum Kauf bereit.
Die Anbieter der geistigen Waren bestimmen selbst den Preis sowie die Nutzungsbeschränkungen der veröffentlichten Werke. Dennoch gibt es zwei Varianten der Bezahlung. Entweder der Käufer zahlt einfach den vorbestimmten Preis oder entscheidet sich für die „AdMatch“ Variante. Hierbei wird der gewünschte Inhalt inklusive einer Werbung geliefert, die ebenfalls online publiziert werden muss. Die Einnahmen werden dann zwischen, dem Käufer, Verkäufer und Mochila aufgeteilt.
Mittlerweile haben sich über 1000 Medien-Unternehmen auf der Seite registriert, darunter auch die Riesen der Branche, wie Reuters oder die „Hearst”-Magazine.

Kommentar:
Dieses Content-Outsourcing Prinzip könnte Schule machen. Das in New York ansässige Mochila deckt bisher „nur“ den amerikanischen Markt ab. So bleibt es nur eine Frage der Zeit, wann ein findiger Unternehmer denn deutschen oder europäischen Markt für diesen praktischen Content-Handel entdecken.

Links:
Digitaler Lesezirkel
Erklärung für das Versagen von paid-content-Angeboten
Freie Inhalte im Netz

Digitaler Lesezirkel

1. November 2007 2 Kommentare

Dank Online-Foren zur gelungenen Kaufentscheidung

Haben Sie in letzter Zeit ein gutes Buch gelesen? Oftmals hält man sich an die Bestseller-Listen und wird enttäuscht. Solche Hitlisten repräsentieren nur den Mainstream, der in Zeiten digitaler Individualisierung weniger für Qualität als Quantität steht.

Foto: Promo
Foto: Promo
Auf dem Weg zur richtigen Wahl hilft nun das Angebot von Goodreads. Auf der Online-Plattform erteilen Bücherwürmer ihre Empfehlungen und warnen vor manchen textlichen Desastern und geben ausführliche Inhaltsbeschreibungen – alles in einem persönlichen Ton. Bewertet werden die Bücher mit einen fünf Sterne-System und jeder ist angehalten, seine Bewertung zu begründen. Der Vorteil dieses Systems liegt auf der Hand: was einem gefällt, kann der andere hassen: nur durch viele Meinungen kann man sich ein objektives Bild verschaffen.

Darüber hinaus können sich Mitglieder ein digitales Bücherregal einrichten, indem diese ihre Lieblingsbücher auflisten und kategorisieren können. Als Voreinstellung gibt es die drei Sparten „gelesen“, „ungelesen und „lese ich gerade“ Auch lassen sich dem Bücherregal personalisierte Kategorien hinzufügen. Damit verschafft das System einen guten Überblick über die Lesegewohnheiten und regt zur Kommunikation über die persönlichen Sammlungen an. Selbstverständlich kann man auch Chatten, Blogs einrichten und sein Profil mit den persönlichen MySpace- und YouTube- Seiten verlinken – das Web 2.0 macht’s möglich. Schnell macht man sich so beim Stöbern auf der Seite neue Freunde und findet schnell zum richtigen Buch.

Das Businessmodell von Goodreads ist einfach und leicht übertragbar: Man schafft virtuellen Raum für eine spezielle Community und gibt ihr die Möglichkeit sich auszutauschen. Dieser „User-generated Content“ wird dann zum wichtigsten Kapital. Ist das Netzwerk groß genug, lässt sich gut verdienen: Hat man Dank gutem Rat aus dem Netzwerk seinen zukünftigen Lesestoff gefunden, kann man ihn schnell online über Goodreads ordern – Dank Handelspartnerschaften mit Amazon und Barnes & Noble. Und noch einen Vorteil bietet ein solches Netzwerk. Ist es aktiv genug lässt es sich über Jahre hinweg ausbauen. Für die Betreiber ist somit eine goldene Zukunft sicher.

Kommentar:
Der Aufbau digitaler Interessengemeinschaften lohnt. Gelungen und clever gestaltet, lässt sich nicht nur dank der Informationen bei Marketing, Produktentwicklung und Verbraucherforschung, jede Menge Geld sparen und gleichzeitig ein treuer und aktiver Kundenstamm akquirieren – und das alles mit sehr wenig Aufwand.

Links:
www.goodreads.com
www.getabstract.com
www.shelfari.com
www.buchpfade.de