Versilberte Kliniken

24. September 2008 1 Kommentar

Foto: kevindooley, flickr.com
Foto: kevindooley, flickr.com
Forscher der ETH Zürich haben eine Folie entwickelt, die mit Nanopartikel aus Silber und Caliumphosphat beschichtet ist. Das Silber Bakterien abtötet ist schon seit rund 3000 Jahren bekannt. Daher nutzten reiche Haushalte seit Jahrhunderten Silbergeschirr. Auch die berühmte Silbermünze in der Milchkanne geht auf diese Erkenntnis zurück. Dank dem Fortschritt in der Nanotechnologie hält nun Silber wieder Eingang in die Medizin. Chirurgischres Werkzeug wird mit Silber ummantelt, Prothesen und Krankenhausmobiliar werden mit dem edlen Metall beschichtet und angereichert.
Die neue Folie der Forscher, die mit Unterstützung der Schweizer Firma Perlen Converting AG entwickelt wurde, soll nun auch Einzug in die Krankenhäuser halten. Auf Türklinken, Bettgestellen und Sanitäranlagen aufgeklebt, soll sie helfen, Patienten und Personal vor den gefürchteten Krankenhauskeimen zu beschützen.

Kommentar:
Den Krankenhauskeimen muss in kürzester Zeit ein Ende gesetzt werden. Jährlich sterben hunderte Menschen an dem Befall, obwohl sie eigentlich nur für kleine Eingriffe die Hospitäler besuchten. Somit kann der Einsatz der Silberfolie nicht früh genug beginnen.

Links:
de.perlenconverting.ch
idw-online.de
medica.de

Die Zukunft der Geburt

17. September 2008 0 Kommentare

Foto: Down Town Pictures, Flickr.com
Foto: Down Town Pictures, Flickr.com
In einer Sonderausgabe hat das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature Forscher befragt, wie die Zukunft der Fortpflanzung aussehen wird. Hier die wichtigsten Visionen der Forscher in Kürze: Innerhalb der nächsten 30 Jahre werden künstliche Gebärmütter, Eizellen, Spermien und Plazentas Realität. Menschliche Embryonen können durch Samen und Eizellen, die aus Stammzellen erzeugt werden, geschaffen werden. Dies alles bedeutet, dass unter Umständen, die Mütter ihre Kinder nicht mehr selbst austragen müssten. Eltern könnten im Krankenhaus ihren lieben Kleinen beim Wachsen zusehen, bevor sie geboren werden.
Auch genetische Manipulationen am Embryo − um Krankheiten zu verhindern − gehören zur Tagesordnung. Der Preis für In vitro-Befruchtung wird auf 100 US-Dollar fallen und somit auch für Frauen mit Kinderwunsch in Entwicklungsländern zur Verfügung stehen.

Kommentar:
Trotz der phantastischen Möglichkeiten, die die Wissenschaft und Technik in Zukunft für den geplanten Nachwuchs zur Verfügung stellen kann, sind sich die Forscher sicher, das diese Art der Reproduktion, die klassische Art und Weise der Zeugung sicherlich nicht verdrängen wird. Die traditionelle Art mache einfach mehr Spaß und ist um vieles billiger, so Susannah Baruch, Direktorin des “Genetics and Public Policy Center” der Johns Hopkins University in Washington. Dennoch kann diese Forschung den Kinderwunsch vieler Eltern ermöglichen und so manchen Sprössling vor vererbten Krankheiten bewahren.

Links:
dnapolicy.org
dnapolicy.org
nature.com

Diamantenreines Wasser

12. September 2008 0 Kommentare

Foto: jurvetson, flickr.com
Foto: jurvetson, flickr.com
Das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) präsentierte kürzlich eine innovative Art, Wasser ganz ohne den Einsatz von Chemie zu desinfizieren. Der Trick dabei – diamantbeschichtete Elektroden. Diese bilden im Wasser freie Radikale, die durch Oxidation organische Giftstoffe, wie Bakterien oder Pestizide vernichten. Zurück bleiben nur Salze und Kohlendioxid. Schon ist aus der Forschung ein Start-up hervorgegangen, die CONDIAS GmbH will das Verfahren zur Marktreife bringen. Zu sehen ist die Technologie auf der EXPO in dem deutschen Pavillon bis zum 14.9.2008 in der nordspanischen Stadt Zaragoza.

Kommentar:
Die Technik ist vielversprechend. Besonders, weil wir es im 21. Jahrhundert immer noch nicht geschafft haben, allen Menschen den Zugang zu sauberem Wasser gewährleisten zu können.

Links:
idw-online.de
wasserwirtschaft-wassertechnik.de
weltausstellung.com

Auf der Suche nach den Langlebigkeits-Genen

3. September 2008 0 Kommentare

Foto: net efekt, flickr.com
Foto: net efekt, flickr.com
Die rapide fallenden Kosten für das Genscreening ermöglichen Wissenschaftler neue Möglichkeiten in der Life Extension Forschung. Ein vielversprechendes Projekt ist das “Genomic Medicine Program” des amerikanischen „Scripps Translational Science Institute“ in Kalifornien. Das Projekt sieht vor, bei 1000 gesunden alten Menschen 100 spezifische Gene, die für die Gesundheit von Herz und Immunsystem zuständig sind, miteinander zu vergleichen. Interessanterweise haben die Forscher im Vorfeld festgestellt, das viele alte und gesunde Menschen, in ihrem Gencode die Dispositionen für viele Krankheiten haben. So ist es verwunderlich, das diese Leiden dennoch bei diesen Menschen nicht ausbrechen, so Eric Topol, der Leiter des Projekts. Eine Möglichkeit wäre dabei eine Form von Langlebigkeits-Genen, die dies verhindern, so Nir Barzilai, Leiter des „Longevity Genes Project at Albert Einstein College of Medicine” in New York. Mit dem geplanten Vergleich der Gene erhoffen sich die Forscher solche Genpaare auszumachen, die für eine solche Langlebigkeit zuständig sind.

Kommentar:
Das Projekt zeigt, dass mittlerweile viele Mühen und Gelder in sogenannte “Life Extensions” fließen. Sind die Forschungen erfolgreich, können wir uns alle auf ein langes Leben gefasst machen.

Links:
aecom.yu.edu
healthtech.com
technologyreview.com
ornl.gov
plausiblefutures.wordpress.com
scripps.edu

Die Zehn-Minuten-Entziehung

28. Juli 2008 0 Kommentare

Foto: asplosh, Flickr.com CC-Lizenz 2.0
Foto: asplosh, Flickr.com CC-Lizenz 2.0
Eine kleine Sensation aus den USA. Forschern der University of California ist es gelungen alkoholsüchtige Ratten mit körpereigenen Substanzen innerhalb von Minuten von ihrer Sucht zu befreien. Selbst nachdem die Forscher den Ratten, nach ihrer Entziehung, erneut Alkohol verabreichten, wurden diese nicht sofort rückfällig. Ein besonderer Erfolg – die hohe Rückfallquote ist eines der Hauptprobleme bei Alkoholismus.
Schlüssel für die schnelle Entziehungskur ist die Substanz GDNF (glial cell line-derived neurothropic factor). Der Stoff spielt bei der Entwicklung von Nieren, Motoneuronen im Rückenmark und Nervenzellen des Nervensystems eine entscheidende Rolle. Diese Substanz spritzten die Forscher den Ratten in einen Bereich des Hirns der eine zentrale Rolle bei Alkoholsucht spielt: das ventrale tegmentale Areal (VTA), einem Gebiet im Teil des Mittelhirns. Dort angelangt entfaltet GDNF seine ausnüchternde Wirkung. Aufgrund dieser Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher, eine erfolgreiche Therapie für alkoholkranke Menschen entwickeln zu können.

Kommentar:
Unter Alkoholproblemen leiden Millionen von Menschen. Eine Therapie, wie sie die Forschungsergebnisse versprechen, könnte enormes Leid ausmerzen und vielen Menschen das Leben retten. Hoffen wir, dass sich die Erkenntnisse schnell auf den Menschen übertragen lassen.

Links:
news.bbc.co.uk
pnas.org
spiegel.de
welt.de

Das Tier-Kloning geht weiter…

23. Mai 2008 0 Kommentare

Foto: el bosco, Flickr.com, CC-Lizenz
Foto: el bosco, Flickr.com, CC-Lizenz
In Sache Kloning ist die südkoreanische Forschergruppe um Lee Byung Chun weltweit führend (siehe “Der erste Klonervice der Welt”). Gerade ist es den Forschern geglückt, den besten Drogenspürhund des südkoreanischen Grenzschutzes gleich siebenmal zu kopieren. Der Grund für diese biotechnologischen Bemühungen: Kein anderer Hund hat so ein feines Näschen beim Erschnüffeln von illegalen Substanzen, wie der Golden Retriever „Chase“ – sein Riechorgan ist mittlerweile unersetzlich für die Grenzfahnder geworden. Daher beauftragte der südkoreanische Grenzschutz die Forscher aus den Körperzellen ihres Lieblingshundes Klone zu zeugen - mit vollem Erfolg: Drei Hunde-Leihmütter brachten insgesamt sieben Klone zu Welt. Im Juni 2009 sollen die Hunde bereits ihren Dienst bei der Zollbehörde antreten.

Kommentar:
Entsteht in Zukunft eine Fließbandproduktion von besonders qualifizierten Lebewesen? Wird bald die produktivste Milchkuh in einer Herde von Doppelgängern grasen? Können wir Menschen bald lebenslang mit unserem Lieblingshamster verbringen und ihm zigmal beim Altern und Sterben zusehen?
Hier entsteht sicherlich ein neuer Trend, den es aber zu hinterfragen gilt. Ich bin gespannt wie sich das kommerzielle Klonen weiter entwickeln wird.

Links:
spiegel.de

Persönliche Biosensoren: Scan Dich selbst

9. Mai 2008 2 Kommentare

Foto: PIP, Courtesy VYRO Games
Foto: PIP, Courtesy VYRO Games
Es ist schon verwunderlich - wir leben im Informationszeitalter und dennoch wissen wir immer noch sehr wenig über unseren eigenen körperlichen Zustand. Doch dieser Zustand ändert sich langsam. Durch die fallenden Preise von Sensoren gefördert, erscheinen mittlerweile zahlreiche Geräte, die Blutdruck, Puls oder Kalorienverbrauch messen. Meistens sind diese Geräte aber nur für Sportler oder Senioren interessant.
Jetzt bringt die Firma „Vyro Games“ ein nützliches Gadget für den Berufsalltag heraus – den „Personal Input Pod“ – kurz „PIP“ genannt.
Dieser tragbare Biosensor misst den Stresslevel und sendet die ermittelten Daten, per Bluetooth, an das Handy oder PC. Diesen Level gilt es dann, durch das Spielen von verschiedenen Games, aktiv zu senken und so das schnelle Relaxen zu erlernen.
Beispielsweise bei dem Spiel „Stormchaser“. Hier sieht man auf dem Bildschirm des Rechners oder Handys, eine Wetterlage synonym zum persönlichen Stresslevel: ist dieser hoch, ziehen dunkle Gewitterwolken über den Bildschirm. Spielziel ist es - durch aktive Entspannung - Sonnenschein auf den Bildschirm zu zaubern.
Durch diese und ähnlich Anwendungen, sollen die Spieler geschult werden, aktiv den Stress zu bekämpfen und das kontrollierte Entspannen zu erlernen. Das Gerät soll Ende des Jahres erscheinen, der Preis steht noch nicht fest.

Kommentar:
Ein spannendes Gadget – oftmals bemerkt man den eigenen Stress kaum, während Gesundheit und Mitmenschen darunter leiden. Geräte wie der „PIP“ können hier die Aufmerksamkeit für das Wohlbefinden schulen und den Umgang mit dieser Gesellschaftskrankheit lehren. Die Gesundheit und das Umfeld wird es danken.

Links:
emaxhealth.com
engadget.com
gadgetmedicalinspector.blogspot.com

Eine medizinischer Mutant

12. April 2008 1 Kommentar

Foto: Michael Schmid, GNU Free Documentation Lizenz
Foto: Michael Schmid, GNU Free Documentation Lizenz
Forscher der Universität Newcastle ist es gelungen Hybrid-Embryonen mit menschlichem Erbgut und der Eizelle einer Kuh herzustellen. Dem Team rund um Lyle Armstrong gelang es menschliches Genmaterial in ausgehöhlte Eizellen von Kühen zu implementieren. Die dann wachsenden Embryonen sind zu 0,1 Prozent Kuh und zu 99,9 Prozent Mensch.
Vielleicht steht ein Durchbruch in der Stammzellenforschung an: Eigenen sich die so gewonnenen Chimären-Stammzellen genauso gut so wie die rein menschlichen zur Behandlung von Krankheiten, könnte der Mangel, der aufgrund der ethischen Probleme bei der Verwendung von menschlichen Eizellen besteht, bald der Vergangenheit angehören.

Kommentar:
Die Stammzellenforschung könnte die Behandlung von vielen Krankheiten revolutionieren. Doch bis jetzt wird dieser Forschungsdrang aufgrund des Stammzellenmangels getrübt. Ließen sich beliebig viele davon herstellen, könnte dies zu einem Boom der Stammzellenforschung führen.

Links:
aerzteblatt-international.de
derstandard.at
mbrpoints.com

Ein neuer Erfolg gegen den Brustkrebs

11. April 2008 0 Kommentare

Foto: Courtesy Berkeley Lab
Foto: Courtesy Berkeley Lab
Dank Studien an über 1300 Brustkrebs -Patientinnen fand ein US-amerikanisches Forschungsteam um Hye-Jung Han von der University of California Neues über die Rolle eines Gens, mit dem Namen SATB1 (SATB1 Proteine, siehe Foto) heraus. Diese kontrolliert die Aktivitäten von über 1000 anderen Genen und bringt unter anderem Tumore dazu Metastasen zu bilden. Beim Tierversuch mit Mäusen gelang es den Forschern bereits das Gen stumm zuschalten und so das Tumorwachstum zu stoppen. Das Gen findet sich nur in Tumoren, die Metastasen ausbilden. Jetzt hoffen die Forscher mit ihren Erkenntnissen einen Durchbruch bei der Bekämpfung des Brustkrebses gefunden zu haben. MindSharing wird weiter berichten.

Kommentar:
Es scheint als würden die immensen Gelder, die in die Erforschung von Krebs investiert wurden langsam Blüten treiben. Zwar wird es noch Jahre dauern, bis die Erkenntnisse von heute therapeutisch eingesetzt werden können, doch es scheint, als wäre man auf dem richtigen Weg, den unglaublich komplexen Erkrankungen, welche man alle unter dem umgangssprachlichen Terminus Krebs kennt, doch einst Herr zu werden. Wir wollen es alle hoffen.

Links:
3sat.de
lbl.gov
berlinonline.de
science.orf.at
solscape.blogspot.com
tagesspiegel.de

Der erste Klonservice der Welt

5. April 2008 1 Kommentar

Foto: by crossfirecw, Flickr.com,CC-Lizenz
Foto: by crossfirecw, Flickr.com,CC-Lizenz
Hoffnung für Hundeliebhaber? Die südkoreanische Firma “RNL Bio” bietet seit neustem die Möglichkeit verstorbene Hunde dank Klontechnik wiederauferstehen zu lassen. Für umgerechnet 100.000 Euro lässt eine Amerikanerin ihren toten Pitbull „Booger“ klonen – der Hund hatte ihr einst das Leben gerettet. In den nächsten Jahren rechnet man mit bis zu 500 Aufträgen, so Ra Jeong Chan, CEO von RNL Bio. Dann könnten auch die Preise für den geklonten Liebling weiter fallen.

Kommentar:
Gelingt die Auferstehung von Booger, ist der erste Schritt zu einer kommerziellen Anwendung getan – wohlhabende Menschen die ihre verstorbenen Lieblingstiere wieder in die Arme schließen wollen, gibt es sicherlich genug.

Links:
cbsnews.com
businessportal24.com
rnl.co.kr
sueddeutsche.de
welt.de
zebu.twoday.net

Willentlich Willenlos

28. März 2008 1 Kommentar

Das Marketing entdeckt die Hirnforschung

Foto: Gaetan Lee, Flickr.com
Foto: Gaetan Lee, Flickr.com
Alles begann mit einem Experiment: im Jahre 2004 untersuchten Samuel McClure und Read Montague im Auftrag des Baylor College, Houston, die Wirkung von Werbelogos. Dazu verabreichten sie ihren Probanden zwei handelsübliche Cola-Getränke. Eine war „die“ berühmte Marke, die zweite war etwas weniger bekannt. Im Blindtest sollten sich die Probanden zuerst allein auf ihren Geschmackssinn verlassen – den meisten schmeckte die Brause des unbekannteren Herstellers besser. Anders verhielt es sich, wenn die Tester wussten, was sie tranken. Zeigte man ihnen die zugehörigen Produkt-Logos, empfanden sie das bekanntere Produkt als wohlschmeckender. Das Wissen um die Marke nahm also einen deutlichen Einfluss auf das persönliche Geschmackserlebnis.

Um herauszufinden, wie diese unterschiedlichen Ergebnisse zusammenpassen, steckten die Forscher die Probanden in einen Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT), der die Hirnaktivitäten beim Brausegenuss sichtbar machte. Das Ergebnis: bei der Bestimmung des persönlichen Favoriten wirken zwei Hirnregionen zusammen. Zum einen diejenige, die für den Geschmack zuständig ist und zum anderen eine, welche kulturelle Erinnerungen speichert. Anscheinend nahmen Logo und die damit verbundenen Erinnerungen Einfluss auf den Geschmack und damit auch auf das Konsumverhalten. Das Experiment setzte den Startschuss für einen neue, wissenschaftliche Disziplin, dem Neuromarketing. Das Ziel dieser Wissenschaft – die Erkenntnisse über das menschliche Hirn für Marketingstrategien nutzbar zu machen.

Auch in Bonn wird gegenwärtig an diesem Zweig der Neuroökonomie geforscht. Am „Life&Brain-Center“ der Universität Bonn versucht man, wie in den USA, mit Hilfe zweier Magnet-Resonanz-Tomographen der gedachten Wahrheit auf die Spur zu kommen. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Anstatt Brause wurden in der ehemaligen Hauptstadt die Probanden mit nackter Haut auf die Probe gestellt. Den Testpersonen wurden zwei Werbebilder für Kosmetikartikel vorgeführt. Auf dem ersten sah man ein Model mit Idealmaßen in lasziver Pose, auf dem zweiten eine durchschnittlich gebaute Frau in einer aufrechten, normalen Haltung. Die meisten Probanden sprachen sich für das zweite Bild aus, nutze es doch nicht die alten Klischees der Werbung, sondern bilde die Realität ab.

Doch der Blick in ihr Hirn, strafte diese Aussagen Lüge: unter dem Tomographen wurde deutlich, das beim Betrachten des Models, der Nucleus accumbens, das Belohungszentrum im Hirn angeregt wurde. Fazit der Forschung: Der Anblick von schönen Menschen wird durch ein Glücksgefühl belohnt. Neu ist diese Erkenntnis nicht, dafür von jetzt an aber wissenschaftlich belegbar. Aber auch eine andere Erkenntnis bestätigten die Forscher im wissenschaftlichen Experiment. Die Kraft von Logos und Symbolen: bei einem zweiten Experiment stellten die Bonner Forscher zwei Wühltische mit Socken in der Innenstadt auf. An dem einen gab es das Paar Strümpfe für drei Euro, an dem zweiten drei Paare für 15 Euro. Im Gegensatz zu dem ersten Stand bewarb man am zweiten das Angebot als einen besonderen Rabatt. Die Werbung wirkte: Die meisten Menschen entschieden sich gegen ihren rationalen Verstand und kauften das überteuerte Sonderangebot. Anscheinend schalten die Rabatt-Symbole interne Kontrollprozesse ab, um den gedanklichen Aufwand zu minimieren, so Bernd Weber, Leiter der Bonner Forschungsgruppe.

Schon erhebt sich in den USA Protest gegen diese Art der Forschung. Verbraucher fürchten durch das Neuromarketing zu willenlosen Konsumenten zu werden.

Kommentar:
Die Angst, dereinst als Konsum-Zombies der Markenhörigkeit zu verfallen, scheint überzogen. Bei Kaufentscheidungen spielen auch andere Bereiche im Hirn maßgebliche Rollen, wie das rationale Handlungszentrum, der präfrontale Kortex. Wer eine Art kommerzielle Gehirnwäsche fürchtet, sei daher beruhigt. Dennoch ist es Fakt, dass schon zweijährige Kinder Logos und Marken erkennen können und der Nucleus accumbens auch als Suchtzentrum dient, welches zur Befriedigung von Sehnsüchten antreibt. Schon bieten zahlreiche vermeintliche Experten ihr Wissen über Neuromarketing mit übertriebenen Versprechungen feil, dabei steckt das Neuromarketing in den Kinderschuhen. In Zukunft darf man allerdings interessante Ergebnisse von diesem Forschungszweig erwarten.

Links:
www.ekim.ch
www.implicit-marketing.det
www.brainguide.de
www.lifeandbrain.de
www.sciencedirect.com
www.viralmarketing.de
www.zeit.de

Zehn Jahre Viagra…

27. März 2008 0 Kommentare

…ein Geburtstagsbriefchen der jetzt.de Redaktion.