Teilen leicht gemacht

31. Oktober 2008 0 Kommentare

Foto: mishare.com
Foto: mishare.com
Manche Strategien von Apple bleiben unverständlich: Warum ist es unmöglich seine Lieblingssongs auf dem iPod, mit Freunden auszutauschen? Wenn man nicht gerade ein Geek ist und keinen Computer zur Hand hat, ist dies schlicht unmöglich. Das dachte sich auch die Schöpfer des „MiShare“ (siehe Foto). Dieses Gerät verbindet leicht zwei iPods miteinander und ermöglicht den uneingeschränkten Datenaustausch. Noch funktioniert das Gerät nicht mit dem iPhone oder dem iPod Touch, doch ein Update der Software des, rund 100 US-Dollar teuren „MiShare.“ soll das schon bald ermöglichen.

Kommentar:
Erst das MiShare erfüllt die Verheißungen des iPods, Musik wirklich transportable zu machen. Damit korrigiert das kleine Unternehmen einen der größten Fehler des Lifestyleproduktes iPod und sichert sich damit eine goldene Zukunft.

Links:
chip.de
macwelt.de
Mishare.com
readster.de

90.000 Autoren

10. September 2008 0 Kommentare

Foto: juhansonin, flickr.com
Foto: juhansonin, flickr.com
Auf der Wikipedia Konferenz in Ägypten verkündeten die Betreiber der Online-Enzyklopädie ein historisches Ereignis: In Zusammenarbeit mit dem Bertelsmann Verlag wird bald eine einbändige, gedruckte Version mit den 25.000 populärsten Artikel der deutschen Version von Wikipedia im September erscheinen. Dieses Buch ist insofern historisch, da die Autorenliste 90.000 Personen umfasst. Die Liste aller umfasst 27 kleingedruckte Seiten, auf der die Namen nur mit einem Komma getrennt sind.

Kommentar:
Ein nettes Projekt, obgleich eher ein PR-Gag als eine nützliche Publikation. Schließlich ist die Enzyklopädie schon bei Druck nicht mehr aktuell und umfasst gegenwärtig, in ihrer deutschen Online-Version rund 786.000 Artikel.

Links:
bits.blogs.nytimes.com
ews.cnet.com

Missgeschicke zum Mitlesen

19. Mai 2008 0 Kommentare

Foto: Clearly Ambiguous, Flickr.com, CC-Lizenz
Foto: Clearly Ambiguous, Flickr.com, CC-Lizenz
Ein neuer Internettrend erreicht uns aus Frankreich. Auf der Internet Seite „Vie de Merde“ berichten tausende von Franzosen über ihre kleinen und großen Missgeschicke. Ein Beispiel, das auf Spiegel Online zu lesen ist: „Ich habe heute zwei SMS von meiner Freundin bekommen. In der ersten teilte sie mir mit, dass alles aus ist. In der zweiten, dass sie sich mit dem Adressaten vertan hat. Scheiß Leben.“
Schon über tausende solcher Anekdoten gibt es auf der Seite „Vie de Merde“ ungekürzt, unzensiert und in die Sparten wie „Liebe“, „Arbeit“ und „Sex“ unterteilt zu lesen. Maxime Valette, Mitgründer der Seite ist sich sicher, dass schon bald mehrere zehntausend solcher Geschichten eingestellt werden. Ähnliches gibt es auch schon in Deutschland. Unter der Rubrik “Dieses Geheimnis haben Sie!” kann man bei der Süddeutschen Zeitung seine kleinen Geheimnisse posten und auf der Seite Beichthaus können Sünder und Sünderinnen Zeugnis ablegen.

Kommentar:
Die Seiten erfüllen zwei Bedürfnisse: Zum einen bietet sie die Möglichkeit zur Erleichterung der Autoren ganz nach dem Motto: geteiltes Leid ist halbes Leid, zum anderen befriedigt es die Schadenfreude der Leser. Ein einfaches, aber erfolgreiches Prinzip.

Links
aixtrablatt.blogspot.com
eynes.blogspot.com

Ich sehe Dich!

22. April 2008 4 Kommentare

Foto: Mimi Limi, Flickr.com, CC-Lizenz
Foto: Mimi Limi, Flickr.com, CC-Lizenz
Das Ehepaar Michael und Barbara Novak hatten genug von der Anonymität im Netz – schließlich sei der Mensch ein soziales Wesen das den echten persönlichen Kontakt zu den Mitmenschen benötigt und keine Maskeraden a la „Second Life“. So gründeten sie die neue Community-Plattform „Seamee.com“. Ziel ist es, dem Phänomen der kollektiven Vereinsamung im Internet entgegenzuwirken und die digitalen Möglichkeiten dazu zu nutzen um Menschen wieder in ein reales Miteinander zu bringen. Ganz ohne Maskerade und falschen Angaben sollen Menschen durch „Seamee” für berufsmäßige, gesellschaftliche sowie freizeitliche Aktivitäten zusammengeführt werden.
So findet man hier nicht nur Gleichgesinnte zum Jogging oder Schach, auch den perfekte Mitarbeiter oder Liebhaber soll man über die Plattform schnell finden. Und das nicht nur im Netz. Auch für das Handy steht ein Widget bereit, das per Bluetooth andere Community-Mitglieder in der Umgebung aufspürt und einen Handy-Chat ermöglicht.

Kommentar:
Die angewendeten Techniken sind keine Innovation, der Ansatz schon. In Zukunft werden wir erleben, wie sich das Internet nicht nur auf der Makroebene, sonder auch im nahen Umfeld mit Erfolg die Menschen zusammenbringt (siehe „Die virtuelle Nachbarschaft“, Future Research 03.2007) Es ist nur eine Frage der Zeit und Unternehmergeist.

Links:
derstandard.at
horizont.at
seamee.com

Web 2.0 – der Film

18. April 2008 0 Kommentare

Was verbirgt sich wirklich hinter dem Web 2.0? Kaum einer kann darauf eine knappe und verständliche Antwort geben. Drei Studenten der Hochschule für Medien haben jetzt in einem Film versucht, diese Frage zu klären. Diesen gibt es jetzt im Internet zu bestaunen. Reinschauen lohnt!

Kommentar:
Die Studenten Heiko Brandsch, Felix Kolb und Anne Arndt blicken hinter die Kulissen des „neuen“ Internets und machen die zugrundeliegenden Strategien und Entwicklung sichtbar. Das wurde auch Zeit, wird doch jetzt schon das Web 3.0 angekündigt.

Was man über Twitter wissen sollte…

11. April 2008 0 Kommentare

Gezwitscher” von Kiki auf E13.DE.

Der digitale Selbstmord. (Abschied von studiVZ und XING)

11. April 2008 3 Kommentare

“Es wird gegruschelt, genetzwerkt, gelästert - Facebook, Xing und StudiVZ gehören zum Studentenleben. Doch was passiert, wenn man aussteigt? Hat man dann keine Freunde mehr? Frauke Lüpke-Narberhaus will es wissen: Sie hat ihr digitales Leben beendet.”

Interessant, überlegenswert, machbar?

Horizonterweiterung durch und kompletter Artikel auf spiegel.de.

Sozial 2.0 - Ein kritischer Blick auf Soziale Netzwerke

4. April 2008 1 Kommentar

Meine zweite Lieblingszeitschrift, die DE:BUG (Magazin für elektronische Lebensaspekte), äußert sich in einem exzellent geschriebenem Artikel kritisch zu Sozialen Netzwerken.

Ein kleiner Ausschnitt:

Eines ist klar: Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder MySpace haben keinen guten Ruf. Über sie kommunizieren zwar Millionen, aber ihr Image ist grausig. Sie sind der Mainstream des Internets, der Ort, an dem die Massen sich herumtreiben, und Masse, wissen wir ja, ist kein guter Begriff. Masse ist dumm, schwerfällig und dumpf. Folglich hat man sie auf dem Kieker. Dabei nutzen junge Menschen diese von allen möglichen Widgets aufgepimpten Dienste nicht nur weitaus lieber als die üblichen Applikationen, Email oder so. Was alleine schon ein Grund wäre, da genau hinzugucken. An sozialen Netzwerken lässt sich auch mehr sehen als nur die üblichen Probleme. Aber beginnen wir mit denen.

Horizonterweiterung durch und kompletter Artikel auf de-bug.de.

Bin ich drin?

3. April 2008 0 Kommentare

Der gute Ruf im Web 2.0

Foto: Freeday, Pixelio.de
Foto: Freeday, Pixelio.de
Das hätte sich George Orwell nicht träumen lassen. 1949 verfasst der britische Autor sein berühmtes Buch „1984“, in dem er das erschreckende Bild eines totalitären Überwachungs- und Präventionsstaates, an dessen Spitze die allwissende Institution des „Großen Bruders“ steht, beschreibt.

Diesem Zustand der Überwachung scheinen wir heutzutage näher als jemals zuvor – nur kommen die Beobachter aus einer anderen Richtung als sich Orwell erdacht hat – es ist nicht der Staat, der uns überwacht – wir, die Bürger selbst, sind es, die unseren Mitmenschen ausspitzeln.

Das Web 2.0 macht es möglich. Wer hat noch nicht seinen Namen oder den eines Freundes oder Kollegen gegoogelt? Facebook, Flickr, Xing & Co. – die schönen neuen Anwendungen des Webs 2.0 bauen darauf, Persönliches an die gesamte Internet-Gemeinde preiszugeben. Aber man ist nicht nur selbst verantwortlich für das, was über die eigene Person im Netz veröffentlicht wird, auch Arbeitgeber, Freunde und Feinde können persönliche Informationen über einen selbst ins Netz stellen.

Manchmal mit fatalen Folgen. So musste, wie die Sendung „Frontal 21“ des Senders ZDF erst kürzlich berichtete, eine deutsche Muslima die Flucht in den Untergrund antreten. Im Netz war ein Video aufgetaucht, das die junge Frau beim Geschlechtsakt zeigte. Darauf beschlossen die männlichen Familienmitglieder, die sündige Tochter in ihre Heimat zu bringen, um sie dort zu töten. Zum Glück erfuhr die Frau von dem Plan ihrer Familie und tauchte unter. Heute lebt sie mit Angst und unter falschem Namen.

Welchen Einfluss Informationen aus dem Netz auf die reale Welt haben, musste auch die Handelskette Wal-Mart erfahren. Im Auftrag des Unternehmens hatte die PR Firma Edelman einen Fake-Blog mit dem Namen „Wal-Marting Across America“ ins Netz gestellt. Dort berichtete ein Pärchen, das angeblich mit einem Caravan von Wal-Mart zu Wal-Mart zog, dort nächtigte und mit den freundlichen Mitarbeiter plauderte, von den tollen Erfahrungen ihrer Supermarkt-Tour. Als herauskam, dass es sich bei den Berichten um gefälschte Tatsachenberichte handelte, mussten Wal-Mart und Edelman den Preis für ihre Lügen zahlen – ihr Ruf war ruiniert.

Auch Coca Cola bekam 1999 die Auswirkungen einer schlechten Reputation zu spüren. Ein Kind hatte über Kopfschmerzen und Übelkeit nach dem Verzehr des Erfrischungsgetränkes berichtet – das Gerücht verbreitete sich schnell und immer weniger Menschen kauften die braune Brause. In Zahlen beziffern Experten die wirtschaftlichen Einbußen für den Konzern auf rund 60 Millionen US-Dollar.

Die Beispiele verdeutlichen, dass die digitale Reputation mit der zunehmenden „Internetsierung“ der Menschen immer wichtiger wird. Diese digitale Reputation setzt sich aus allen Informationen zusammen, die im Internet über eine Person oder ein Unternehmen gefunden werden können. Dies kann gut oder schlecht sein – je nachdem, welche Informationsschnipsel sich im Netz finden lassen.

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten haben dafür gesorgt, dass Nachrichten und Gerüchte schneller reisen als jemals zuvor und dank Blogs sowie Informationsportalen sind Informationsdichte und -austausch höher und einfacher den je. Das Netz ist zu einer Börse der Aufklärung geworden. Doch wessen Mitteilungen soll man bei all den Angeboten trauen?
Entscheidend ist das Renommee: Hat eine Internetseite in der Vergangenheit viel Wahres berichtet und kann dies durch User-Kommentare und viele Besucher belegen, steigt die Glaubwürdigkeit der Seite und ihrer Betreiber. Eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Ipsos aus dem Jahre 2006 besagt, das rund 30 Prozent der Internetnutzer in Deutschland ein Produkt nicht gekauft haben, da sie im Internet etwas negatives über das Objekt ihrer Begierde gelesen hatten. Werden hingegen Produkte in diversen Blog gelobt, schnellen auch die Verkaufszahlen in die Höhe.

So macht sich ein guter Ruf auch bei Ebay bezahlt: Verkäufer mit einem guten Image – das bei Ebay auf den Bewertungen der Transaktions-Partner beruht – erreichen im Schnitt einen 7,6 Prozent höheren Preis für ihre verkauften Produkte, als diejenigen Verkäufer, die sich von Zeit zu Zeit schlechte Bewertungen eingehandelt haben.

Aber nicht nur bei kommerziellen Transaktionen ist digitales Renommee von Bedeutung – das Internet ist mehr als ein elektronischer Marktplatz. Besonders für viele junge Menschen ist das Web mittlerweile zum sozialen Raum geworden. Spätestens mit dem Erfolg von virtuellen Gemeinschaften, wie Second Life, Studi- oder SchülerVZ ist das Bild des Internets als globales Dorf passend: wie in jedem Dorf verbreiten sich Gerüchte rasend schnell. Wer gegen die Regeln verstößt, wird aus der Gemeinschaft ausgegrenzt. So schreibt der Online Experte Jochen Mai in seinem Blog: „Wir leben im Zeitalter der Inszenierungen und der medialen Selbstdarstellung. Unsere öffentliche Reputation ist ein entscheidender Teil unserer Persönlichkeit, kurz: Ich bin, wer ich in den Augen der anderen bin.“

Im virtuellen Raum überschneiden sich private und öffentliche Interessen. Wer das Netz als Mittel zur Werbung in der eigenen Sache nutzen will, sollte daher möglichst vermeiden, Privates über sich einzustellen, das nicht tageslichttauglich ist. Schnell finden nicht nur Freunde und Bekannte diese Informationen, sondern auch Personalmanager und Geschäftspartner. Schon wurden Bewerbungen oder Handelsabkommen abgelehnt, da sich im Netz fragwürdige Fotos oder Äußerungen der Kandidaten finden ließen.

Denn digitales Stalking ist heute leichter den je: Mittlerweile gibt es Suchmaschinen, die sich auf das Aufspüren von Informationen über Personen spezialisiert haben, wie „Stalkerati“, „Spock“ oder „Yasni“. Hier gibt man nur den Namen der gesuchten Person ein und die Dienste spucken alles aus, was sich im Netz finden lässt. So weiß beispielsweise der Personalmanager schnell, ob der eingesandte Lebenslauf hält, was er verspricht.

Den Trend zum digitalen Ausspionieren kennt auch Mario Grobholz: „Privatpersonen stehen im Internet zum ersten Mal vor der Aufgabe, Public Relations in eigener Sache zu betreiben“, so der Geschäftsführer und Gründer der „MyON-ID GmbH“. Sein Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, die digitale Reputation ihrer Kunden zu stärken und zu verbessern. Gezielt durchsucht seine Firma das Netz nach unschönen Äußerungen, Bildern und Profilen der Kundschaft und korrigiert die kleinen Makel. So gehören Unternehmen wie „MyOn-ID“, „iKarma“ oder „Reputation Defender“ zu den First-Movern einer neuen PR-Sparte – das Netz wird zu einer erweiterten Visitenkarte, die es zu pflegen gilt. Schon stellen einige große Unternehmen, wie Coca-Cola oder GlaxoSmithKline „Reputation Officers“ ein, die für den guten Ruf ihres Unternehmens Sorge tragen – denn das Netz vergisst nichts.

Kommentar:
Was früher als Privat galt, steht heute im Netz – viele Experten warnen davor. Die eingestellten Daten sind unmöglich zu löschen, besonders dann nicht, wenn sie bereits von einer Vielzahl von Nutzern auf den heimischen Rechner geladen worden sind. So wird das Nackedei-Filmchen der Hotelerbin Paris Hilton bis zum Ende aller Zeiten im Netz verfügbar sein. Schon fordern Medienrechtler und Wissenschaftler ein Verfallsdatum für Meldungen im Internet. Wie das allerdings technisch möglich gemacht werden soll, weiß keiner. So wird in Zukunft die digitale Reputation genauso wertvoll und schützenswert sein, wie der reale Ruf. Laut einer Publikation des PR Experten Weber Shandwick dauert es im Durchschnitt 3,5 Jahre um den ruinierten Ruf eines Unternehmens wieder herzustellen, von den Kosten ganz zu schweigen. Daher wird sich wohl in Zukunft eine Vielzahl von PR-Experten verstärkt auf den Bereich der digitalen Reputation konzentrieren.

Links:
faz.net
karrierebibel.de
iKarma.de
imgriff.com
myonid.de
reputationdefender.com
rolotec.chl
spiegel.de
spock.com
webershandwick.com
yasni.de
zdf.de
zuender.zeit.de

Der neue Kommunismus

25. Februar 2008 0 Kommentare

Creative Commons setzen Maßstabe für das kreative Arbeiten von morgen

Das digitale Zeitalter lässt sich auch durch die Erschließung ungeheurer kreativer Möglichkeiten definieren. Niemals war der Zugriff auf geistige Produkte, wie Fotografien, Filme und Musik einfacher und schneller. Auch hat die neue Technik die kreative Arbeit an Bild, Ton und Text, erheblich erleichtert. Dank digitaler Kameras, Sound- und Grafikkarten haben heute ein Heer an Menschen Zugriff auf günstige kreative Werkzeuge, die noch vor ein paar Jahrzehnten unerschwinglich waren.

Foto: Cantabrigensis, flickr.com
Foto: Cantabrigensis, flickr.com
Doch die tollen, neuen Mittel kann man nur nutzen, wenn man genug frei verfügbares Material zur Verfügung hat. Aber die Masse an Mediendaten des Internets lassen sich bisweilen nur selten nutzen – Dank dem bestehenden Urheberrecht.

Bis vor kurzem hatte der Schöpfer eines geistigen Werkes - sei es ein Bild, Foto oder Text - nur zwei Alternativen: Entweder er behielt sich alle Rechte an seinem Werk vor (all rights reserved) oder aber er gab alle Rechte auf (no rights reserved) - was bedeutete, das ein Werk zum Allgemeingut wurde. Viele Künstler, die diesen Weg einschlugen, fanden dann oft ihre Arbeit unter fremden Namen veröffentlicht – den Ärger denn sie darüber empfanden, ist leicht verständlich.

Auf der anderen Seite ist das Label „all rights reserved“ ebenfalls ein Problem: Will man eine Arbeit eines anderen, oder einen Auszug daraus, für seine eigene Zwecke nutzen, braucht man dessen Genehmigung - um ganz sicher zugehen ein ausgereiftes Vertragswerk. Die Mühen, dies über Länder- und Sprach- und Gesetzesgrenzen hinweg zu bewerkstelligen sind oftmals zeit- und kostenintensiv.

Das Problem erkannte auch Lawrence Lessing, Rechtsprofessor an der Stanford Law School. Daher entwickelte er im Jahre 2001 die „ Creative Commons“, ein neues Urheberrecht, dass sich den Grundwerten der Offenheit und Teilhabe orientiert: Er will damit allen Kreativen, wie Medienschaffenden, Künstlern und Wissenschaftlern ein Werkzeug zur Verfügung stellen, dass ihnen ermöglicht selbst entscheiden zu können, wie viel und welche Rechte sie anderen Menschen an ihrer geistigen Arbeit einräumen.

Sein neues Urheberrecht ist ein wahrer Erfolg - immer mehr Menschen nutzen die, von Lessing entwickelten Lizenz-Typen, um ihre Werke zum „kreativen Allgemeingut“ zu erklären, ohne das sie dabei alle ihre Rechte aufgeben müssen. Allein bei dem Fotoportal „Flickr“ sind Millionen von Bildern unter den Creative Commons-Lizenzen veröffentlicht.

Dem Nutzer dieses neuen Urheberrechtes stehen dabei sechs verschiedenen Lizenztypen zur Wahl: Der Künstler kann bestimmen, ob sein Werk bearbeitet und verändert werden darf, ob die Verwendung nur für nicht-kommerzielle oder auch für kommerzielle Zwecke gestattet ist und ob der Lizenznehmer sein Folgeprodukt unter gleicher Creative Commons-Lizenz veröffentlichen muss. Die Namensnennung des Urhebers ist bei allen Lizenzen Pflicht.

Mittlerweile haben 41 Länder, darunter auch Deutschland und die USA, dieses alternative Urheberrecht akzeptiert, in neun Ländern läuft der juristische Bearbeitungsprozess um die Creative Commons in den bestehenden Rechtsapparat zu integrieren.

Waren anfangs hauptsächlich Hobby- und Kleinkünstler die Hauptnutzer der neuen Lizenzen, entdecken jetzt auch große Institutionen, wie die BBC oder der NDR die Creative Commons: Der englische Sender entwickelte das „Creative Archiv“ ein riesiges Filmarchiv, das mit Hilfe eines, an die „ Creative Commons“ angelehnten Lizenzsystems, den britischen Fernsehgebührzahlern jede Menge an Beiträgen und Filme online zugänglich macht.

Der NDR zog nach: Ab November stellt der deutsche Sender, zwei seiner Sendungen – das Medien-Magazin Zapp und die Satire-Sendung Extra 3 – den Zuschauern unter der Creative Commons-Lizenz zur nicht-kommerziellen Verfügung bereit.

Kommentar:
Der Begriff Kommunismus bezeichnet das Ideal einer klassenlose Gesellschaft, in der alles Erwirtschaftete unter allen Menschen aufgeteilt wird und somit die sozialen Unterschiede aufgehoben werden sollen. Als Gesellschaftsmodell scheint dieses Model gescheitert, für das kreative Arbeiten im digitalen Zeitalter aber bestens geeignet. Am Beispiel der „Creative Commons“ zeigt sich, dass der Trend zur „Open Source“-Gesellschaft (siehe „Agalmics!“) weiter besteht - schließlich will die Intelligenz der Massen gefüttert werden. Und wer hungrig ist, wird alles Nötige unternehmen um Kopf oder Bauch zu füllen.

Links:
creativearchive.bbc.co.uk
de.creativecommons.org
www.flickr.com

Pornovation

15. Februar 2008 0 Kommentare

Von Technik und Liebesleben

Machen wir uns nichts vor, der Erfolg des Internets stützt sich zu einem guten Teil auf das Geschäft mit nackter Haut. Ein Begriff, der diese Entwicklung beschreibt, ist “Pornovation”. Geprägt wurde der Ausdruck maßgeblich von der “Arse Electronica” – einer Messe, die sich auf die Ausstellung der Verschmelzung von Sex und Technologie spezialisiert hat.

Ein Beispiel dafür, wie schnell die “Erwachsenen-Industrie” neue technologische Trends aufnimmt, zeigt das rasche Aufkommen von Wii-freundlichen Pornoseiten. Die Konsole hat aufgrund ihrer einzigartigen Controller einen eigenen Internet-Browser. Schnell konfigurierten die digitalen Erotik-Anbieter ihre schlüpfrigen Seiten, so dass auch Wii-Nutzer auf Bildchen und Filmchen mit viel nackter Haut zurückgreifen konnten. Auch machten sich ein paar Programmierer daran, den Wii-Controller und den PS2 “Trancevibrator” mit neuen Codezeilen zum Spielzeug für Erwachsene umzuschreiben. Jetzt vibriert es auf Kommando. Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis ein paar Videospiele für Erwachsene diese Fähigkeit auf pikante Art nutzen werden.

Foto: Naugthy American The Game
Foto: Naugthy American The Game
Auch die Möglichkeiten der digitalen Filmtauschbörsen werden von dem “Pornovation”-Trend genutzt. Ganz im Gegenteil zum Namensgeber YouTube bieten die zwei Namensvetter “YouPorn” und “PornoTube” ausschließlich nicht jugendfreie Inhalte. Mit großem Erfolg: “PornoTube” schaffte es in nur dreimonatiger Onlinezeit unter die Top 200 der Alexa-Liste. In Deutschland befindet sich die Seite mittlerweile sogar auf Platz 16 der Internet-Top Ten – gleich hinter “Amazon” und “Spiegel-Online”.

Zudem boomt der virtuelle Sex in 3D. Nicht nur, dass es allein bei Second-Life eine schier endlose Zahl an Sex-Clubs und virtuellen Prostituierten gibt, mittlerweile stehen Online-Welten bereit, die sich exklusiv der schönsten Nebensache der Welt widmen. Bei “Naughty America The Game” darf geflirtet, gefeiert und gesexelt werden – Tabus gibt es so gut wie keine, Animationen für fast alle Phantasien hingegen reichlich.

Wer es etwas realer mag, nutzt die technische Errungenschaft der Webcams. Auf Seiten wie “MyDirtyHobby” spielen damit Millionen Menschen “Ich zeig Dir meins – Zeig Du mir deins.” – oft gegen Bezahlung, manchmal umsonst.

Aber auch andere Technologien als das Internet finden Eingang in das Intimleben. Ein Produkt des “The Aphrodite Project” ist die “001 Sandale”. Dieser Schuh für Prostituierte ist mit einem kleinen Computer samt GPS- System sowie einem Flüssigkristall-Display ausgestattet und bietet den Damen zahlreiche sinnvolle Möglichkeiten. So sind alle Trägerinnen der Hightech-Highheels Mitglied einer virtuellen Gemeinde, in denen sie wie bei anderen digitalen Netzwerken, wie Facebook oder StudiVZ, Profile von sich hinterlegen können. Im Gegensatz zu diesen enthalten sie aber nicht ganz jugendfreie Angebote und Vorlieben. Auch können auf Knopfdruck am Schuh Dateien, wie Filme oder Musik, aus dem Netz geladen werden, um sich die Wartezeit zu verkürzen. Eine der sinnvollsten Anwendungen ist aber der Notruf. Entpuppt sich der Freier als Dieb oder Gewaltverbrecher, verschickt der schicke Schuh ein Notsignal samt Koordinaten – eine hilfreiche Variante des “Pornovation”-Trends.

Kommentar:
Die sexuelle Revolution ist noch nicht vorbei. Gerade die immense Nutzung intimer Angebote im Internet beweist, dass in Sachen Erotik bei vielen Menschen Nachhol- oder Kommunikationsbedarf besteht. Es ist schon verwunderlich, dass über eine so wichtige Sache wie Sexualität offline so wenig gesprochen wird. So hilft das Netz auch aufzuklären. Zwar sind wir von dem voll taktilen Cybersex, wie manche Zukunftsforscher ihn schon lange imaginieren, noch weit entfernt, aber: niemand kann sagen, was die Zukunft bringt.

Links:
www.alexa.com
monochrom.at
sam.zoy.org
www.sexygpsshoes.com
www.theaphroditeproject.tv

Google versus Wikipedia

13. Januar 2008 0 Kommentare

Foto: restless, pixelio.de
Foto: restless, pixelio.de
Google hat ein neues Projekt gestartet. „Knol“ − eine digitale Enzyklopädie die, wie Wikipedia, auf das Expertenwissen und Mitmach-Mentalität der Internetgemeinschaft abzielt. Gegenüber dem großen Wissensanbieter bietet „Knol” aber einige neue, interessante Möglichkeiten: Das Wissensportal setzt auf den Wunsch nach digitaler Reputation der freiwilligen Autoren. So ist, im Gegensatz zu den Wiki-Beiträgen, bei „Knol“ nur ein einzelner Autor pro Artikel verantwortlich. Sind die Autoren bei Wikipedia beinahe unsichtbar, soll bei der Google-Enzyklopädie der Autor mit Bild vorgestellt werden. Auch ist es erwünscht, das die Knol-Mitglieder die eingestellten Beiträge gegenseitig bewerten um ein Ranking der besten und beliebtesten Artikel zu erstellen. Zudem will die Seite mit barer Münze locken – auf den einzelnen Expertenseiten soll Werbung geschaltet und die Einnahmen mit den betreffenden Autoren geteilt werden.

Kommentar:
Noch befindet sich „Knol“ in einer nicht-öffentlichen Betaphase. Ob das Portal bald eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Wikipedia darstellen wird, bleibt fraglich. Nutzt Wikipedia die kollektive Intelligenz der Nutzer um die Artikel kontinuierlich zu kommentieren und zu verbessern, zielt Knol auf das Wissen einzelner Experten um Fachartikel zu publizieren. So gibt es hier keine Editoren, die sich um eingestellte Inhalte kümmern. Daher droht „Knol“ zum Portal von übertriebener Lobhudelei oder Schmährufe zu werden. Positive oder negative Darstellungen werden hier nicht so schnell verschwinden wie auf Wikipedia. Mal schauen wie Google dieses Problem lösen will.

Links:
berndroethlingshoefer.typepad.com
futurezone.orf.at
www.techcrunch.com