Archiv der Kategorie ‘Wirtschaft & Finanzen‘

Open Source goes Fashion

11. Juli 2008 0 Kommentare

Während der Begriff des Open Source in der IT-Welt bereits ein gängiger Begriff ist, dürfte er in der Modewelt noch recht unbekannt sein. Jetzt macht sich ein Berliner Modelabel daran, den Ausdruck auch Catwalk-fähig zu machen. Gegründet 2007 von den Designern Frans Prins und Cecilia Palmer, will das Unternehmen „Pamoyo“ umweltgerechte und stylische Klamotten kreieren. Die Baumwolle ist umweltfreundlich angebaut und für jedes verkaufte Bekleidungsstück fließen zwei Euro in soziale Projekte.
Aber damit nicht genug – ökologisches Bewusstsein zeigen bereits auch andere Modelabels, das Besondere an „Pamoyo“ ist, dass alle Designs unter der „Creative Commons“ Lizenz veröffentlicht werden. Das heißt, dass jeder der sie nutzen will, dazu die Erlaubnis hat. Dies soll zum einen dafür sorgen, dass sich die Pamoyo Designs auch außerhalb des eigenen Labels verbreiten – schnell kann man beispielsweise die Muster und Grafiken downloaden und auf eigene T-Shirts drucken – zum anderen soll das Lizenzmodel Designer und Grafiker animieren eigene Entwürfe Pamoyo zur Verfügung zu stellen.

Kommentar:
Es bleibt abzuwarten, wie viel Designs von Pamoyo bald bei Spreadshirt zu finden sind. Das Unternehmen setzt mit seiner Ausrichtung auf zwei Schwarmtrends, dem der LOHAS und der Open Source Bewegung. Damit beweist Pamoyo, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Es wird sich zeigen, ob sich damit auch Gewinne generieren lassen.

Links:
berlindesignblog.de
karmakonsum.de
konsumguerilla.net
pamoyo.com

Das Party-Diplom

14. Juni 2008 0 Kommentare

Foto: Mark Whatmough, flickr.com, CC-Lizenz
Foto: Mark Whatmough, flickr.com, CC-Lizenz
Manchmal gehen Studien und die Anforderungen des Berufsalltages auseinander. So müssen viele Akademiker, nach dem Abschluss, oft erneut ein paar Lehrjahre in den Betrieben absolvieren, bevor sie voll einsatzfähig sind. Die Universität von Nevada, Las Vegas geht dagegen einen anderen Weg. Sie bietet seit kurzem Kurse in alltagstauglichem Wissen an. So zum Beispiel in Nightclub Management. Hier lernen die Studenten, wie man professionelle und gewinnbringende Partys schmeißt. Eine gelungene Idee, gibt es doch bisher kaum eine vernünftige Ausbildung in diese Richtung. Vielleicht sollten sich einigen deutsche Universitäten daran ein Beispiel nehmen.

Kommentar:
Besonders mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge soll das Studieren berufsnäher gestaltet werden. Noch ist dies in Deutschland oftmals nicht der Fall. Dennoch bleibt es sicherlich nur eine Frage der Zeit, wann die ersten Universitäten umdenken werden und solche speziellen Ausbildungs-Angebote anbieten werden.

Links:
lasvegassun.com
unlv.edu

Investments für Erwachsene

6. Juni 2008 0 Kommentare

Foto: Ben Scicluna, flickr.com, CC-Lizenz
Foto: Ben Scicluna, flickr.com, CC-Lizenz
Über Investments in die Schwäche der Menschheit haben wir bereits berichtet (siehe „Sündig in die Zukunft“, Future Research 01/2007). Jetzt hat sich eine Bank in Beverly Hills ganz auf Geldanlagen in Unterhaltung für Erwachsene spezialisiert – eine Branche, die wohl niemals aussterben wird. Gegründet wurde die, in Beverly Hills angesiedelt, Investment Bank von Frank Koenig. Der ehemalige Angestellte von Merril Lynch und Hedge Fond-Spezialist sieht in dieser Branche ein riesiges Potenzial.
Anscheinend wird er Recht behalten, seine Online Investment Company verzeichnete einen Zuwachs an Investitionen von bis zu 300 Millionen US-Dollar pro Woche. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen über 8,2 Milliarden US-Dollar. Schon gehen der Bank geeignete Investitionsprojekte aus und man macht sich daran auch selbst Firmen aufzubauen.

Kommentar:
Die Rotlicht-Industrie wird wohl nie vergehen. Somit scheinen Investition und Gewinn sicher. Dennoch wird schon jetzt verzweifelt nach Projekten gefahndet, in die investiert werden kann. Schließlich will man Renditen sichern. Dennoch ist gewiss, dass das Geschäft mit der Lust krisensicher ist.

Links:
adultvest.com
business.timesonline.co.uk
money.cnn.com
mydigitallife.info

Geldanlage Web-Adresse

4. Juni 2008 5 Kommentare

Foto: Kanko, flickr.com, CC-Lizenz
Foto: Kanko, flickr.com, CC-Lizenz
Vor kurzem machte der Verkauf der Domain „Pizza.com“ Schlagzeile. Der Webdesigner Chris Clark kaufte 1994 für einen potenziellen Kunden die Web-Adresse für 20 US-Dollar. Der Kunde sprang ab, Clark behielt die Domain. Als er 2006 hörte, dass ein Wodka-Produzent für die Adresse „vodka.com“, tief in die Tasche griff, beschloss er auch seine Domain zu versteigern. Im April 2008 war es dann soweit und der erzielte Betrag raubte ihm den Atem. Für Pizza.com erhielt er 2,65 Millionen US-Dollar.
Eine Geschichte, wie aus den Anfängen des Internets. Aber auch für Investoren lohnt die Investition in Domains. Als die Amerikaner Jake Winebaum und Sky Dayton 1999 die Domain „business.com“ für 7,5 Millionen US-Dollar kauften wurden sie belächelt. Als sie sie 2007 an das Unternehmen RR Donnelly für geschätzte 350 Millionen US-Dollar verkauften, wich dem Lachen ein atemlosen Staunen.
So wird sich in Zukunft wahrscheinlich eine neue Berufsgruppe herausbilden, die sich ganz und gar auf den Handel mit Domains spezialisiert – die Domain-Broker. Und vielleicht sollte man bei den Turblenzen auf den Aktienmärkten, die Altersvorsorge mit einer namenhaften Domain ergänzen.

Kommentar:
Ein guter Name ist immer viel Wert. Das gilt auch im Internet. So ist es nicht verwunderlich, das heute schon für Domains Rekordpreise gezahlt werden. Und dieser Trend wird weiterhin andauern. So lohnt die frühzeitige Investition.

Links:
business.com
digital-world.de
domainbroker.de
domster.com
gulli.com
pizza.com
vodka.com
zdnet.de

Musik zum Mieten

31. Mai 2008 0 Kommentare

Foto: RossinaBossoB, Flickr.com, CC-Lizenz
Foto: RossinaBossoB, Flickr.com, CC-Lizenz
Es kriselt in der Musikindustrie. Seit es kinderleicht ist, alle aktuellen Alben und Evergreens kostenlos im Internet herunterzuladen und Künstler vermehrt das Netz für den eigenen Vertrieb (siehe „Pay what you want“ Future Research 05/2008) nutzen, rotieren die Manager der Musikkonzerne – händeringend suchen sie nach neuen Vertriebswegen um den Umsatz zu erhalten. Die Versuche der Internetpiraterie durch juristische Maßnahmen einzudämmen, kann man getrost als gescheitert betrachten.
Jetzt macht man sich auf, neue Vertriebswege zu erschließen und alte neu zu beleben. Gewinnbringende Ansätze gibt es genug. Da ist zum einen das gute alte Konzert: Während Tonträger zunehmend zu Ladenhütern werden, boomt das Schaubühnen-Geschäft. Dies bewiesen zuletzt die Wiedervereinigungen von Led Zeppelin oder X-Japan. Für die Fans ist dabei sein alles, dafür zahlen sie auch gerne Rekordpreise für die Eintrittskarten.
Ein weiterer, gesunder Markt ist und bleibt das Geschäft mit Vinyl: Seit der Einführung der CD tot gesagt, erfreut sich dieser Nischenmarkt zunehmender Beliebtheit – es ist und bleibt etwas Besonderes, die Plattensammlung eines Freundes zu durchforsten, als in einer Ipod-Playlist herumzuscrollen.

Ein weiterer Ansatz für die Musikindustrie ist das Crossmarketing. War die Musikindustrie, vor Jahren noch streng von anderen Unternehmungen abgetrennt, verschwimmt heute alles zu einem Lifestyle-Segment. So werden heute Starbuck-Shops oder Automobilhersteller wie Mercedes selbst zu Labels, die, auf ihre Kundschaft zugeschnitten, Musik produziert und über ihrer Vertriebswege an den Mann bringt.

Besonders intensiv wird auch über Abomodelle nachgedacht. Gegen eine monatliche Gebühr würde denn Nutzern dann das gesamte Archiv des abonnierten Labels offen stehen. So möchte Sony BMG, die zweitgrößte Plattenfirma der Welt, noch dieses Jahr eine solche Flatrate anbieten. Auch denkt man über Kombi-Pakete nach. Beim Kauf eines neuen MP3-Players wäre dann der Musikdownload inklusive. Bei diesem Geschäftsmodell wäre man nicht der erste. Schon haben Nokia und Universal Music eine Zusammenarbeit beschlossen.

Kommentar:
Auch wenn die Konzerne klagen, noch lohnt das Geschäft mit Musik. Aber auch in dieser Branche muss man mit der Zeit gehen und auf das weltweite Trendgeschehen reagieren. So müssen neue Konzepte her, die auf die Bedürfnisse einer digitalen Gesellschaft reagieren, anstatt sich mit Rechtsanwälten gegen die neue Zeit zu wehren.

Links:
m4gic.net
appleview.de
faz.net
futurezone.orf.at
gallien.org
mac-tv.de
nerdcore.de
neuemedienblog.de
ultrakompakt.de
werbeartikel-hildesheim.de

Das Geld der Massen

14. März 2008 0 Kommentare

Von der neuen Kultur des Crowd Funding

Es ist der Lauf der Geschichte - passen sich alte Institutionen nicht den Anforderungen der Gegenwart an, verlieren sie an Bedeutung und setzten damit ihre eigene Zukunft aufs Spiel. Dies mussten unlängst auch Gewerkschaften und das Bankwesen (siehe „Von Mensch zu Mensch“) erfahren. Beide Institutionen haben aus Gründen der Tradition und althergebrachten Geschäftsverfahren die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden solange aus den Augen gelassen, bis die Konsumenten begannen sich selbst zu organisieren. Der Vertrauens- und Kapitalverlust für beide Institutionen war enorm.

Foto: Mshades, flickr.com
Foto: Mshades, flickr.com
Aber auch neben den bekannten Organisationsformen wie Bankenwesen und Gewerkschaften beginnen die Endverbraucher die digitalen Möglichkeiten für den Finanzsektor zu nutzen.

Das neue Schlagwort lautet „Crowdfunding“: Durch das Internet organisiert, kann so eine Gruppe von Menschen leicht Gelder zusammentragen, ohne das ein selbstbestimmter Schatzmeister die beschwerliche Aufgabe hat die Gelder zu verwalten. Dank den neuen „Crowdfunding-Seiten“ gehört das Kontrollieren der Kontoauszüge, sowie die lästige Benachrichtigung über um säumige Geldern der Vergangenheit an. Bei den neuen Internetportalen sind für alle Gruppenmitglieder sämtliche Daten der Kollekte einsehbar, Benachrichtigungen und Zahlungsaufforderungen werden automatisch per eMail verschickt.

Die Zwecke für die Geld gesammelt wird unterscheiden sich dabei durch die Anbieter: Bei „Fundable“ gibt es so gut wie keine Vorgaben: Jeder Nutzer kann eine Gruppe eröffnen, er muss lediglich beschreiben wofür und wie viel Geld er sammeln will. So kaufte sich vor kurzem eine spontan gebildete Gruppe einen HP Server, dessen Arbeitskraft sich die Mitglieder der Kaufgemeinschaft fortan untereinander teilten.

„ChipIn“ zielt dagegen auf Menschen, die sich bereits kennen. Hier sammeln Freundeskreise für den nächsten gemeinsamen Ausflug und Familien das Geld für Großvaters Geburtstagsgeschenk.

Die im amerikanischen Boulder ansässige Plattform „CrowdFunder“ arbeitet ausschließlich lokal: Hier wird vor allem für gemeinnützige und soziale Projekte gesammelt, wie beispielsweise den Ausbau von Schulgebäuden oder die Instandsetzung von Parkanlagen.

Das Auszahlungssystem ist bei allen drei Anbietern ähnlich: bei „ChipIn“ hat man die Wahl die gesammelten Gelder erst auszahlen zu lassen, wenn die gesamte Summe erreicht worden ist. Passiert dies nicht, gehen alle Spenden zurück an die Geber. Bei „Fundable“ und „CrowdFunder“ ist diese Auszahlungsverfahren Pflicht.

„ChipIn“ hat einen weiteres nützliches Werkzeug, Dank einem „Widget“ - einem kleinen Programm für das Internet - lässt sich die „ChipIn“-Kollekte auch in eigene Webseite einbinden.

So wird es nicht lange Dauern, das Millionen von „MySpace“-Seiten auch zum digitalen Aushängeschild für die Projekt-Akquise werden. Dies kann dem hawaiianischem Unternehmen ganz recht sein, schließlich will „ChipIn“ in Zukunft zum Standard für alle finanzielle Gruppentransaktionen werden.

Bis jetzt ist der Service aller drei vorgestellten Crowdfunding-Seiten kostenlos, Einnahmen werden nur durch Werbung erzielt. Dennoch planen alle drei Anbieter, sobald das Interesse zunimmt, eine kleine Gebühr für den Finanzdienst zu verlangen. Bei der Masse der zu erwartenden Transaktionen kann dies zu einem äußerst lukrativen Geschäftmodel werden.

Kommentar:
Ein Schwarm von Menschen kann immer mehr erreichen als ein einzelner. Die Beispiele zeigen, dass die Menschen immer mehr die Möglichkeiten, die das Internet bereithält, für ihre Ziele und Zwecke entdecken. Was mit humorvollen Aktionen (siehe „Demokratisches Fußballmanagement”) begann, wird in Zukunft einen festen Bestandteil in der Organisation der globalen Ökonomie werden. Dabei könnte auch einst ein guter Teil des Kapitals aus den Systemen der herkömmlichen Institutionen wie Banken herausgezogen werden. Wie diese „schwärmenden“ Gelder die Gesellschaft verändern werden, wird die Zukunft zeigen.

Links:
www.chipin.com
www.crowdfunder.com
www.fundable.org
www.myspace.com

Made in …

10. Februar 2008 0 Kommentare

Die Wirksamkeit von „Country Branding“

Französischer Champagner, kubanische Zigarren, irischer Whiskey und deutsches Bier – bei vielen Produkten ist das Herkunftsland ein Qualitätsmerkmal. Ein „Made in Germany“ wird gern gekauft, ein „Made in China“ gilt immer noch als Indikator für eine billige Produktionsweise – die Nationalität kann für viele Waren zum wichtigen Markenzeichen werden.

Foto: Burj al Arab
Foto: Burj al Arab
Deutlich ist dies in der Automobilindustrie. Um ihre Verkäufe in den USA zu erhöhen, launchte Volkswagen 2006 drei Werbespots die unter dem Motto „German Engineering in da House“ die Herkunft der Fahrzeuge betonten. Neben dem werberischen Lob für die deutsche Automobilbaukunst, werden auch weitere Klischees in den Spots bedient: stets kommt ein verrückter Wissenschaftler samt langbeiniger, blonder Gehilfin vor, die früher sicherlich Leni Riefenstahl als Verkörperung arischer Ästhetik Modell gestanden hätte.

In den Spots verbreitet der Wissenschaftler in einem Englisch, das durch einen harten Akzent gebrochen wird, die Botschaft: „VW represent Deutschland!“ Mit diesem Slogan verschmelzen Country und Product Branding zu einer selbsterhaltenden Einheit: Der Autobauer nutzt das Prestige des Herkunftslandes, um die Reputation seiner Wagen zu steigern, während die Qualität der Automobile ihrerseits den Wert des nationalen Guts „Made in Germany“ steigert.

Im Falle Deutschlands funktioniert dieses System seit Jahrzehnten: ob Automobile, Bier oder Maschinen oder Fußball – das Gütesiegel der „German“-Gründlichkeit macht die Produktpaletten aus dem Land der Dichter und Denker zu Exportschlagern und holt seit langem ausländische Investitionen ins Land.

Andere Nationen träumen von einer solchen Reputation. Ihre Produkte sind die Verlierer im globalen Markt, das eigene Land bleibt eine Investitionswüste. Um dies zu ändern, lohnt es, die Hilfe professioneller Marketing-Experten in Anspruch zu nehmen. Mit Hilfe von irischen Beratern gelang es beispielsweise Costa Rica, bei dem Rennen um Investitionen die Nachbarn Chile und Mexico hinter sich zu lassen. – Dank der Iren holte man das erste lateinamerikanische Intel-Werk ins Land.

In Europa gehört Spanien zu den Country-Branding-Gewinnern: Nach dem Ende der Diktatur Francos (1939-1975) gehörte der Sonnenstaat wirtschaftlich zu den Schlusslichtern Europas. Danach begann allerdings der Aufstieg: durch die erfolgreiche Kommunikation von nationalen Gütern, wie kilometerlangen Badestränden, Flamenco, Rioja und Tapas baute man bis heute den Tourismus aus. Und Dank ausländischen Geldes konnte man Infrastruktur und Industrie aufbauen und so die ökonomischen Gewinne weiter steigern.

Die Bedeutung von Country Blending haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate begriffen. Irgendwann wird die Haupteinnahmequelle, das Öl, versiegen. Für eine sichere Zukunft müssen andere Geldquellen gefunden werden. Daher erinnerte man sich an die eigene, weltweit bekannte Romantik von „Tausendundeiner Nacht“: die „Marke Arabien“ ist ein Sinnbild für unaussprechliche Pracht. So versucht man mit atemberaubenden Hotels, wie dem Burj al Arab (siehe Foto) und künstlich angelegten Inseln diesen Traum lukrativ an Luxustouristen zu vermarkten. Und unter den luxusum- und benebelten, finanzstarken Feriengästen lässt sich auch einfach Investorennachwuchs für neue Projekte akquirieren, die die Ökonomie des Landes auch ohne Öl am laufen halten sollen.

Kommentar:
Noch haben zu wenige Regierungen die Kraft des Country Brandings entdeckt. Und noch seltener arbeiten sie mit professionellen Marketing-Experten zusammen. Dabei könnte man gemeinsam mit den Wirtschaftsprofis viel gewinnen. Besonders in Zeiten der Globalisierung wird der Kampf um internationale Investitionen härter, andere Tigerstaaten bereiten sich auf den nächsten Sprung vor und selbst das oft als hoffnungslos gebranntmarkte Afrika wird irgendwann aus den Startlöchern kommen. Um sich gegen eine solche zukünftige Quantität behaupten zu können, hilft nur Qualität. Aber neben Country Branding wird in Zukunft auch das City- oder Bundesland-Branding an Relevanz gewinnen, denn auch innerhalb nationaler Grenzen buhlen Gemeinden und Verwaltungsbezirke um die Gunst der Investoren. Spannende Zeiten für Marketing-Experten bleiben garantiert.

Links:
Ozeanischer Lifestyle
www.burj-al-arab.com
www.brandchannel.com_1
www.brandchannel.com_2
www.placebrands.net
youtube.com

Endstation Orbit

4. Januar 2008 1 Kommentar

Forscher entwickeln den „Fallschirm“ für Raumfahrer.

Foto: Promo: Brown Bird Design, Nick Kaloterakis
Foto: Promo: Brown Bird Design, Nick Kaloterakis
Spätestens mit dem Erfolg des „SpaceshipOne“, das im September den mit zehn Millionen Dollar dotierten X-Prize für den ersten erfolgreichen, privaten Raumflug eingeheimst hat, beginnt die Ära des privaten Raumfluges. Die Pläne des „SpaceShip One“-Konstrukteurs Burt Rutan: In Zukunft sollen zahlungskräftige Touristen die Erde aus dem All beobachten können.

Anfangs wird der Trip zu den Sternen circa 200.000 Dollar kosten. Mit dem Bau weiterer Raumschiffe sollen dann die Kosten für das Ticket zu den Sternen auf 10.000 Dollar sinken. Schon bastelt man an Nachfolgemodellen der „Spaceship One“. Diese sollen einst nicht drei, sondern bis zu sieben Passagiere sicher in den Orbit bringen.

Finanzielle Schützenhilfe erhält Burt Rutan dabei von Sir Richard Branson, Gründer des britischen „Virgin“-Konzerns, der so um einen weiteren Geschäftszweig bereichert wurde: „Virgin Galactic“ – die erste kommerzielle „Spaceline“ der Welt. Noch in diesem Jahr will der Milliardär und passionierte Ballonfahrer mit Familienmitgliedern auf einen Kurztrip ins All starten.

Für den Ausbau der Weltraumlinie sucht das Unternehmen nach geeigneten Start- und Landeplätzen in Europa. Besonders interessiert ist Virgin an der nördlichsten schwedischen Stadt Kiruna. Von hier aus könnten Passagiere noch ein weiteres Schmankerl genießen: Zwischen August und April kann man schon vom Boden aus die Aurora Borealis beobachten – geladene Partikel, die mit Sonnenwinden reagieren und ein glitzerndes Band in den Himmel malen. Aus dem All betrachtet soll dieses Naturspektakel, das Nordlicht, für einen weiteren ultimativen Kick der privaten Virgin-Astronauten sorgen.

Aber was wäre passiert, wenn die Jungfernflüge der privaten Raumfähre nicht so erfolgreich gewesen wären? Was geschähe, wenn die Piloten im Orbit feststellten, dass eine wichtige Mechanik klemmt oder ein Stück Weltraumschrott ein Loch in die Kabine reißt? Der Wiedereintritt in die Atmosphäre mit einem defekten Raumfahrtzeug ist unmöglich –spätestens in der Atmosphäre verglüht das Gefährt – spektakulär, aber tödlich.

Während Firmen wie „Virgin“ oder „Xcor“ seit Jahren erproben, wie man Menschen kostengünstig ins All katapultiert, grübelten die zwei CEOs von „Orbital Outfitters“, wie man sie bei einem Unfall sicher zurück zu Mutter Erde bringen könnte. Den Raumfahrtveteranen Rick Tumlinson, einem der Gründer des X-Prize und Jonathan Clark, einem ehemaligen NASA-Mitarbeiter, der bei dem Unglück der Raumfähre Columbia im Jahr 2003 seine Frau verloren hatte, präsentieren jetzt eine mögliche Lösung – einen orbitalen Sprunganzug. Dieser Anzug, ausgerüstet mit Sauerstoffversorgung, einem System zum Druckausgleich, Fallschirm sowie kleinen Düsen zur orbitalen Kurskorrektur, hat nicht nur das Potenzial schiffbrüchige Astronauten zu retten, sondern könnte auch zum extremsten Sportgerät der Zukunft avancieren.

Bereits 2009 soll der erste Prototyp des „Space-Diving Suits“ mit Absprüngen aus der hohen Atmosphäre getestet werden. Den tollkühnen Testspringern steht dabei ein Fallerlebnis aus rund 36 Kilometer Höhe bevor. Zwei Jahre später soll dann der freie Fall aus rund 96 Kilometern gewagt werden. In wie viel Jahren der erste Orbitalsprung, aus einer Höhe von circa 180 Kilometern, bevorsteht, steht noch nicht fest.

Denn es gibt noch einige Probleme zu bewältigen: Das Material des Anzugs muss die Hitze beim Wiedereintritt in die Atmosphäre aushalten, sonst wird der Träger zum Brathähnchen, auch muss der Druckausgleich optimal funktionieren – sonst würde, durch Gasbildung, das Blut zu „kochen“ beginnen, was nicht nur unappetitlich, sondern auch tödlich ist. Darüber hinaus weiß man noch nicht genau, was einem menschlichen Körper droht, wenn er ohne eine schützende Karosserie die Schallmauer durchbricht. Man befürchtet, dass die Schockwellen innere Verletzungen hervorrufen könnten.

All diese Probleme lassen sich bei Sprüngen aus der hohen Stratosphäre noch in den Griff bekommen, bei einem Absprung aus dem Orbit sieht es allerdings ganz anders aus: Der klassische Fallschirmsprung beginnt mit rund 4.000 km/h, die vom zunehmenden Luftwiderstand auf circa 200 km/h abgebremst werden – der maximalen Fallgeschwindigkeit eines – überlebensfähigen – menschlichen Körpers. Der Wiedereintritt bei einem Sprung aus dem Orbit bringt es dagegen auf satte 28.800 km/h: Das erzeugt eine extreme Hitze von 1634 Grad Celsius. „Orbital Outfitters“ denken bereits über ein portables, konisches Hitzeschild aus Glasfaser nach.

Die Vorstellung, einen solchen Ausstieg im All zu wagen und zu überleben, scheint wahnwitzig. Doch Experten geben den „Orbital Outfitters“ Schützenhilfe. Darunter Rob Manniger, einer der wichtigsten Ingenieure der NASA: „ Ich habe das Konzept des ‘Space-Diving-Suits‘ geprüft und keine fundamentalen Fehler gefunden. Die Vorstellung ist dennoch furchterregend!“

Kommentar:
Wann Menschen, aus sportlichem Wahnwitz oder um des nackten Überlebens willen, aus dem Orbit der Mutter Erde entgegenstürzen, steht noch in den Sternen. Sicher ist, der private Sektor entdeckt die Raumfahrt: Virgin Galactic hat bereits der NASA ein Angebot unterbreitet, als Fuhrunternehmen Mensch und Material zwischen Erde und ISS-Station zu kutschieren. Auch der Transport von Satelliten verspricht äußerst lukrativ zu werden, ganz zu schweigen von der Touristik. Dass bei diesem privaten Aufbruch ins All, Sicherheit gefragt sein wird, steht ebenfalls außer Frage. Aber auch wenn wir nicht selbst in den Weltraum reisen möchten, lehren uns die Beispiele eines: Die meisten Träume der Menschheit können eines Tages durch Mühe und Investitionen wahr werden. Und realisierte Träume sind oft sehr lukrativ.

Links:
www.guardian.co.uk_1
www.guardian.co.uk_2
www.orbitaloutfitters.com
space.newscientist.com
www.virgingalactic.com
www.xcor.com
www.xprize.org

brand eins | “Was ist eigentlich… …ein Monopol?”

22. November 2007 0 Kommentare

Foto: brandeins.de
Foto: brandeins.de
Diesmal berichte ich nicht über den Schwerpunkt, wie ich es sonst immer getan habe. Diesmal hat mich der Inhalt der Rubrik “Was ist eigentlich… ” aus der Ausgabe brand eins 11/2007 angesprochen.

Insa Lienemann, Autorin des Textes, erklärt mir (behaupte Allgemeinbildung zu haben, zweifel aber manchmal dran) dort, was ein Monopol ist. Für mich als dumpen Endverbraucher hat das Wort Monopol immer etwas negativ bedrohliches, da Monopole es so an sich haben, mir als Konsumenten Geld aus der Tasche zu ziehen.

Alleine die Subheadline des Artikles (”Monopole sind Preistreiber, Innovations- und Wettbewerbskiller. Und manchmal auch genau das Gegenteil.“) machte mich neugierig und am Ende des Artikels war ich um einiges schlauer und wie immer beim Lesen der brand eins dankbar wieder einmal eine Horizonterweiterung erfahren zu haben.
Aber lesen Sie doch den Artikel am besten selber.

Links:
brand eins | Schwerpunkt 20 Prozent Selbstständige
Brand eins | Schwerpunkt Fehler

Von Mensch zu Mensch

20. November 2007 1 Kommentar

Der Siegeszug von Social Lending

Auch wenn die Zinsen mal niedrig stehen, die Banken machen mit jedem vergebenen Krediten saftige Gewinne. Dies könnte sich nun ändern: durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten der digitalen Medien wird eine alte Tradition wiederbelebt. Die private Kreditvergabe erlebt eine digitale Renaissance.

Foto: Promo
Foto: Promo
Das Verfahren ist uralt. Schon vor der Erfindung des Bankenwesens war man auf die Unterstützung anderer angewiesen. Selbst Jäger und Sammler-Gesellschaften verfuhren schon nach ähnlichem Prinzip: War einem das Jagdglück nicht hold oder die Beeren schon abgegrast, lieh man sich von den Stammesmitgliedern, was man zum überleben brauchte. Zurückgezahlt wurde dann nach eigener erfolgreicher Jagd. Das private Leihsystem machte Sinn: Es sicherte alle vor dem Verhungern und steigerte somit die Überlebenschance der gesamten Gruppe gegen die Widrigkeiten der Natur.

Private Kreditanstalten, bei denen man sich Geld anstatt Fressalien borgen kann, sind seit vorchristlichen Zeiten bekannt: in China boomte schon 300 v. Chr. der Kreditverleih „Lun Hui“, in Mexiko ist das Prinzip seit Jahrhunderten unter dem Begriff „Tanda“, in Indien unter dem Namen „Kamet“ und in Japan als „Miyin“ bekannt. Die zwischenmenschliche Reziprozität scheint ein Erfolgsrezept: die meisten dieser Kulturen nutzen das System bis heute.

In Deutschland wurden private Kreditvereine in der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Die Landbevölkerung hatte die Wucherzinsen, die von den Banken verlangt wurden, satt. So gründete Friedrich Raiffeisen 1864 den ersten Darlehenskassenverein Heddesdorf, aus dem später die Volks- und Raiffeisenbanken hervorgingen. Aus der privaten Initiative wurde eine professionelle Bank.

Zeit für eine erneute Privatisierung des Geldverleihs – das Internet macht es möglich: vor zwei Jahren startete das englische Privatkreditsystem „Zopa“. Das Internetprojekt bringt einfach und schnell Kreditnehmer und private Geldgeber im Netz zusammen, die eingesparten Kosten kommen beiden Parteien zugute. Das Verfahren ist simpel: Kreditsuchende erstellen ein persönliches Profil, indem der Kreditwunsch sowie Rückzahlungsmodalitäten, sowie eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit enthalten sind. Anhand dieser Profile werden dann vier Kreditgruppen gebildet. Während die erste Gruppe über die höchste Kreditwürdigkeit verfügt und somit sichere und vor allem schnelle Rückzahlung verspricht, kann man bei längerfristigen Darlehen mehr Zinsen verlangen. Geldgeber können sich überlegen, in welche Gruppe sie ihr Geld investieren wollen und dann mit niedrigen Zinsen um ihre zukünftigen Schuldner werben. Derjenige Investor, der die günstigsten Zinsen bietet, gewinnt.

Um die gesamte Logistik, den Zahlungsverkehr, sowie falls nötig das Eintreiben von Schulden, kümmert sich „Zopa“. Wird eine Zahlung nicht fristgemäß geleistet, werden die üblichen rechtlichen Schritte eingeleitet und ein Inkasso-Unternehmen wird beauftragt.
„Zopas“ Service ist günstig: gerade mal ein Prozent der Kreditsumme verlangt das Online-Portal von den Kreditnehmern – Geldgeber zahlen gar nichts.

Anfangs wurde Zopas kritisch gesehen – zu risikoreich schien das Unternehmen. Doch die Zweifler irrten. Das „eBay für Geld“, wie es Jörg Rheinboldt, Mitgründer eBay-Deutschland, nennt, wurde bestens angenommen und machte schnell Schule. In den USA gründete sich „Prosper“, in den Niederlanden „Boober“, in Kanada „Communitylend“ und in Deutschland „Smava“ – amerikanische Experten gehen davon aus, dass 2011 rund 100.000 Kredite von Mensch zu Mensch mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Dollar allein in den USA vergeben werden. Der Erfolg dieser bankenlosen Kredite ist garantiert, so Guus Drijver, der Gründer von „Boober“ und weist auf die Vorteile seines Unternehmens hin: „Wir sind komplett transparent und haben keine hohen oder versteckten Kosten. Wir sponsern keine Yacht-Rennen oder Fußballvereine, haben keine teuren Firmensitze oder zahlen tausenden von Leuten hohe Gehälter.“ Das macht es möglich die eingesparten Gewinnspannen der Banken auf Kreditnehmer und –geber zu verteilen. Ein gelungenes System, von dem jeder profitieren kann.

Kommentar:
Das älteste Finanzierungs-Modell der Welt wird digital. Das Beispiel verdeutlicht wie leicht es ist uralte Konzepte auf das Kommunikationszeitalter zu übertragen – wer behauptet man könne das Rad nicht neu erfinden irrt. Das peer-to-peer Business bietet hunderte von neuen Geschäftsmöglichkeiten: es ermöglicht großen Menschenmengen eine Plattform und bietet die Chance, Kosten, durch das Ausscheiden von Mittelsmänner, Service-Agenturen und Zwischenhändler, zu senken. Ein guter Plan.

Links:
www.boober.nl
www.communitylend.com
www.smava.de
www.prosper.com
www.wiseclerk.com
www.zopa.com

Der Tod des Drachens?

12. November 2007 0 Kommentare

Die Risiken der Wirtschaftswundermacht.

Die Chinesen sind ein Volk von Zockern. Obwohl das Glücksspiel in der Volksrepublik offiziell verboten ist, prägen illegale Spielcasinos zahlreiche Straßenzüge in jeder größeren Stadt. Darüber hinaus bietet ein ganzes Herr von mobilen Ständen Glücksspiele für zwischendurch. So mancher Würstchenstand bietet die Möglichkeit um das Grillgut zu spielen anstatt es einfach zu bezahlen. Jetzt stellt dieses Volksvergnügen vielleicht eine der größten Gefahren für den globalen Finanzmarkt dar: Finanzexperten beginnen vor einer möglichen Weltwirtschaftskrise zu warnen. Der Grund für diese herannahende Gefahr – in Chinas wachsender Volkswirtschaft grassiert das Börsenfieber.

Foto: Promo
Foto: Promo
Der stetige wirtschaftliche Aufschwung der letzten zwölf Jahre führte dazu, dass die Geldversorgung auch in den ärmeren Schichten spürbar stieg. Die Geldflut hat zur Folge, dass selbst Schuhputzer, Hausfrauen, Studenten und selbst buddhistische Mönche flüssig sind – und alle wollen am großen Börsenspiel teilnehmen. Schätzungen nach haben bereits 30 Millionen Chinesen in Aktien investiert. Allein im April wurden fast fünf Millionen neue Wertpapier-Depots in Shenzhen und Schanghai eröffnet. Die chinesische Volksbank schätzt, dass allein in den ersten vier Monaten 2007 in Schanghai mehr als 70 Milliarden Yuan (rund 6,8 Millionen Euro) auf Aktienkonten transferiert worden sind.
Das Problem bei dem Finanz-Boom: die Substanz der Unternehmen wird maßlos überschätzt – sie drohen unter dem Druck der Investitionen zusammenzubrechen. Auch den chinesischen Banken droht der Untergang: die Verlockung von satten Gewinnen führt dazu, das private Investoren Haus und Hof beleihen, um an der Börse einzusteigen. Das Geld der Chinesen liegt nicht mehr auf den Banken, sondern fließt, nach Schätzungen der chinesischen Volksbank, zu 90 Prozent in den Aktienmarkt.
Wenn diese Investitions-Blase einmal platzt, wie es Starökonomen wie Andy Xie befürchten, käme es zu Massenverkäufen von Aktien, was Banken wie Firmen ruinieren könnte.

Neben China würden davon vor allem die USA betroffen sein: kollabiert der chinesische Markt würden in wenigen Sekunden auch Milliarden von US-Dollars vernichtet werden. Experten gehen davon aus, dass die amerikanischen Indizes in wenigen Tagen um bis zu 30 Prozent abstürzen würden. Mit katastrophalen Folgen für die globale Wirtschaft, wie es schon die geschichtlichen Parallelen, wie die New Economy-Blase von 2000 und der schwarze Freitag von 1929 zeigten.

Noch hat die chinesische Regierung die Möglichkeit durch drastische Zinsanhebung den Volksinvestitionen Einhalt zu gebieten, ansonsten besteht die Möglichkeit, das sich Andy Xies Prognosen erfüllen: „Die Menschen werden überrascht sein. Die Blase wird bald platzen. Und wenn das Ende kommt, wird es richtig hässlich.”

Kommentar:
Die Entwicklung verdeutlicht drei Dinge: Zum ersten zeigt sie den stetigen Wunsch der Menschen nach schnellem Geld: Obwohl ähnliche Szenarien an den Finanzmärkten immer zu einem Zusammenbruch führten – zuletzt konnte man dies 2006 am Aktienmarkt in Dubai beobachten – versuchen Investoren ihr Glück. Wie bei jedem Gewinnspiel gehen dabei die meisten leer aus, während einzelne den ganzen Pott kassieren.
Zum zweiten lehrt es uns die Tugend der Substanz. Sie macht zwar selten riesige Gewinnsprünge, sorgt aber für ruhigen Schlaf, sichere Erträge und eine ruhige Zukunft. Und zum dritten: überprüfen sie ihr Portfolio auf chinesische Aktien. Vielleicht wird es bald Zeit über den Verkauf nachzudenken.

Links:
www.ariva.de
www.n-tv.de
www.reuters.com

Von Existenz und Revolution

26. Oktober 2007 0 Kommentare

Risiken und Chancen einer sozialen Utopie

Ein Milliardär tourt durch die Nation: Götz Werner, Gründer der Drogeriekette „dm“ ist Sprachrohr und selbst erklärter Verfechter eines neuen Gesellschaftsmodell – dem Existenzgeld.

Foto: Promo
Foto: Promo
Die Idee ist revolutionär: Jeder Bürger ob alt oder jung bekommt einen Betrag zwischen 800 und 1500 Euro vom Staat ausgezahlt – Bedingungen gibt es dafür keine. Finanziert werden soll das Ganze indem sämtliche Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Bafög, Kindergeld, Wohngeld, Elterngeld sowie die staatliche Rente wegfallen und je nach Modell die Mehrwertsteuer und/oder die Einkommenssteuer erhöht werden. Erwerbstätige würden dabei rund 50 Prozent Steuern auf ihr Gehalt zahlen, im Gegenzug aber das Existenzgeld erhalten.

Die Idee ist schon alt. Bereits der Philosoph Bertrand Russell und der Ökonom Milton Friedman forderten ähnliche Modelle, mit verschiedenen Finanzierungsstrategien. Götz Werners Plan sieht zur Finanzierung vor, alle Steuern bis auf eine extrem hohe Mehrwertsteuer abzuschaffen – vielleicht nicht der geeignete Weg der Finanzierung. Dennoch belegen wissenschaftliche Expertisen, dass sich vernünftige Modelle entwickeln ließen: umgerechnet zahlt der Staat schon jetzt rund 625 Euro monatlich an Sozialleistungen pro Kopf. Sieht man das Grundeinkommen auch als Schlankheitskur um alten Verwaltungsballast abzuwerfen, ließe sich sicherlich die von Werner geforderte Summe erreichen.

Den Grund für seine Anstrengungen sieht Werner in der marktwirtschaftlichen Gegenwart verankert: Das historische Ziel der Menschheit, die „Überwindung des Mangels“ ist realisiert. Die Technologisierung hat mit ihren Förderbändern und Robotern die Produktion erheblich erleichtert und kostengünstig gemacht, aber auch dafür gesorgt, dass immer weniger Arbeiter benötigt werden. Das Ziel der Vollbeschäftigung sei daher die wirkliche Utopie.

Jetzt werde es Zeit auch nach sozialen Gewinnen zu streben. Arbeitslose erleiden derzeit einen unmenschlichen und erniedrigenden Alltag. Gerät man heute in die Erwerbslosigkeit erlebt man Orwells Big Brother in all seiner Pracht. Sämtliche persönliche Daten und Konten müssen offen gelegt werden, selbst wie viel einem die liebe Tante zum Geburtstag vermacht hat. Lebt man nicht allein, darf auch der Partner den amtlichen Striptease vollführen. In Schleswig-Holstein kam es schon dazu, dass Beamte mit Videokameras das Schlafzimmer einer Frau stürmten, um zu beweisen, dass sie einen Lebenspartner hat, der für sie aufkommen muss. Es ist leicht vorzustellen, wie sich solche Situationen auf das Selbstbild der Beteiligten auswirken.

Mit Werners Model würden solche asozialen Situationen enden. Darüber hinaus spekuliert er, dass es zu einem sozialen, kulturellen und kreativen Schub in der Nation kommen würde. Seine Zuversicht basiert auf der Grundannahme, dass Menschen arbeiten wollen und sich nicht mit einem geistigen und finanziellen Existenzminimum zufrieden geben. Beweisen kann man diese These nicht: Zuverlässige Untersuchungen, wie sich ein solches Grundeinkommen auswirken würde, kann bis jetzt niemand vorlegen. Sicherlich würde so mancher Geringverdiener die Arbeit vorerst niederlegen, um sich zu entspannen. Und darin liegt die große Gefahr für das System. Reduzieren alle Bezieher des Grundeinkommens ihre Arbeit, vernichtet sich das System selber – wenn kein Mensch arbeitet, gibt es auch nichts umzuverteilen!

Was als schärfstes Argument gegen die Einführung aussieht, wird von den Freunden des Modells aus marktwirtschaftlichen Gründen befürwortet. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte würde den Arbeitern im Niedriglohnbereich Verhandlungsmacht gegeben, da sie den kleinen Lohn nicht mehr zum reinen Überleben benötigen. Es bliebe ihnen freigestellt, ob sie Arbeitsangebote an- oder ablehnen würden. Dieser „Arbeitsmarkt wäre dann ein richtiger Markt!“, so Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburger Weltwirtschaftsinstitutes und Anhänger des Modells. Er fügt hinzu: „Das Gute am Grundeinkommen ist seine völlige Neutralität, niemanden vorschreiben zu wollen, wie er zu leben hat.“ Und ist es nicht gerade die Marktwirtschaft, die stetig eine solche Freiheit fordert?

Kommentar:
Die Befreiung vom Stress des Existenzkampfes ist ein alter Menschheitstraum. Ein Traum, der Menschen zu Innovationen, wie dem Fließband und der Robotik, inspiriert hat. Oftmals haben diese Technologien aber eine schlechte Nebenwirkung – sie kommen nur Wenigen zu Gute und verdrängen Viele. Auch um diesen Prozessen entgegenzuwirken wurde das soziale Netz entwickelt. Aber diese Hilfesysteme scheinen die Auswirkungen der Technologisierung nicht ewig tragen zu können – die Zeichen der sozialpolitischen Ohnmacht werden deutlich. So braucht es neben den technischen auch soziale Innovationen. Ein Modell des Existenzgeldes würde mehr soziale Arbeit zulassen sowie Zeit bieten, um Ideen und Visionen zu realisieren. Es würde armen Familien ermöglichen ihre Kinder, trotz Studiengebühren, auf die Universitäten zu schicken und sicherlich würde es das emotionale Verhältnis von Staat und Bürger neu definieren. In einer Zeit in der Bildung und Kreativität zum wichtigsten Kapital werden wird (siehe „Das Personal der Zukunft“), braucht es Mut zu neuen Modellen.

Links:
www.archiv-grundeinkommen.de
www.bagshi.de
www.brandeins.de
www.spiegel.de
www.unternimm-die-zukunft.de
zeus.zeit.de