Archiv der Kategorie ‘Future Research‘

Future Research 07.2008

4. Juli 2008 0 Kommentare

Der Future Research 07.2008 steht zum Download bereit. Einfach kostenlos anmelden und downloaden.

Inhalte dieser Ausgabe:

  • Eine Klasse für sich
    Drei Ts für die kreative Wirtschaft.
  • Das Beste aus dem Blog

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Future Research 06.2008

2. Juni 2008 0 Kommentare

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Inhalte dieser Ausgabe:

  • Das Open-Source Internet-TV
    Der Kampf um die Kanäle im Netz beginnt.
  • Das Beste aus dem Blog

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Future Research 05.2008

1. Mai 2008 0 Kommentare

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Inhalte dieser Ausgabe:

  • „Pay what you want!“
    Funktioniert die totale Kundendemokratie?
  • Eine neue Art der Software
    Beginnt das Zeitalter der synthetischen Biologie?
  • Das Internet der Anwendungen
    Über kundenfreundliche Beschränkungen des Netzes
  • Über die Grenzen des guten Willens
    Von Trend und Gegentrend
  • Das Beste aus dem Blog

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Bin ich drin?

3. April 2008 0 Kommentare

Der gute Ruf im Web 2.0

Foto: Freeday, Pixelio.de
Foto: Freeday, Pixelio.de
Das hätte sich George Orwell nicht träumen lassen. 1949 verfasst der britische Autor sein berühmtes Buch „1984“, in dem er das erschreckende Bild eines totalitären Überwachungs- und Präventionsstaates, an dessen Spitze die allwissende Institution des „Großen Bruders“ steht, beschreibt.

Diesem Zustand der Überwachung scheinen wir heutzutage näher als jemals zuvor – nur kommen die Beobachter aus einer anderen Richtung als sich Orwell erdacht hat – es ist nicht der Staat, der uns überwacht – wir, die Bürger selbst, sind es, die unseren Mitmenschen ausspitzeln.

Das Web 2.0 macht es möglich. Wer hat noch nicht seinen Namen oder den eines Freundes oder Kollegen gegoogelt? Facebook, Flickr, Xing & Co. – die schönen neuen Anwendungen des Webs 2.0 bauen darauf, Persönliches an die gesamte Internet-Gemeinde preiszugeben. Aber man ist nicht nur selbst verantwortlich für das, was über die eigene Person im Netz veröffentlicht wird, auch Arbeitgeber, Freunde und Feinde können persönliche Informationen über einen selbst ins Netz stellen.

Manchmal mit fatalen Folgen. So musste, wie die Sendung „Frontal 21“ des Senders ZDF erst kürzlich berichtete, eine deutsche Muslima die Flucht in den Untergrund antreten. Im Netz war ein Video aufgetaucht, das die junge Frau beim Geschlechtsakt zeigte. Darauf beschlossen die männlichen Familienmitglieder, die sündige Tochter in ihre Heimat zu bringen, um sie dort zu töten. Zum Glück erfuhr die Frau von dem Plan ihrer Familie und tauchte unter. Heute lebt sie mit Angst und unter falschem Namen.

Welchen Einfluss Informationen aus dem Netz auf die reale Welt haben, musste auch die Handelskette Wal-Mart erfahren. Im Auftrag des Unternehmens hatte die PR Firma Edelman einen Fake-Blog mit dem Namen „Wal-Marting Across America“ ins Netz gestellt. Dort berichtete ein Pärchen, das angeblich mit einem Caravan von Wal-Mart zu Wal-Mart zog, dort nächtigte und mit den freundlichen Mitarbeiter plauderte, von den tollen Erfahrungen ihrer Supermarkt-Tour. Als herauskam, dass es sich bei den Berichten um gefälschte Tatsachenberichte handelte, mussten Wal-Mart und Edelman den Preis für ihre Lügen zahlen – ihr Ruf war ruiniert.

Auch Coca Cola bekam 1999 die Auswirkungen einer schlechten Reputation zu spüren. Ein Kind hatte über Kopfschmerzen und Übelkeit nach dem Verzehr des Erfrischungsgetränkes berichtet – das Gerücht verbreitete sich schnell und immer weniger Menschen kauften die braune Brause. In Zahlen beziffern Experten die wirtschaftlichen Einbußen für den Konzern auf rund 60 Millionen US-Dollar.

Die Beispiele verdeutlichen, dass die digitale Reputation mit der zunehmenden „Internetsierung“ der Menschen immer wichtiger wird. Diese digitale Reputation setzt sich aus allen Informationen zusammen, die im Internet über eine Person oder ein Unternehmen gefunden werden können. Dies kann gut oder schlecht sein – je nachdem, welche Informationsschnipsel sich im Netz finden lassen.

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten haben dafür gesorgt, dass Nachrichten und Gerüchte schneller reisen als jemals zuvor und dank Blogs sowie Informationsportalen sind Informationsdichte und -austausch höher und einfacher den je. Das Netz ist zu einer Börse der Aufklärung geworden. Doch wessen Mitteilungen soll man bei all den Angeboten trauen?
Entscheidend ist das Renommee: Hat eine Internetseite in der Vergangenheit viel Wahres berichtet und kann dies durch User-Kommentare und viele Besucher belegen, steigt die Glaubwürdigkeit der Seite und ihrer Betreiber. Eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Ipsos aus dem Jahre 2006 besagt, das rund 30 Prozent der Internetnutzer in Deutschland ein Produkt nicht gekauft haben, da sie im Internet etwas negatives über das Objekt ihrer Begierde gelesen hatten. Werden hingegen Produkte in diversen Blog gelobt, schnellen auch die Verkaufszahlen in die Höhe.

So macht sich ein guter Ruf auch bei Ebay bezahlt: Verkäufer mit einem guten Image – das bei Ebay auf den Bewertungen der Transaktions-Partner beruht – erreichen im Schnitt einen 7,6 Prozent höheren Preis für ihre verkauften Produkte, als diejenigen Verkäufer, die sich von Zeit zu Zeit schlechte Bewertungen eingehandelt haben.

Aber nicht nur bei kommerziellen Transaktionen ist digitales Renommee von Bedeutung – das Internet ist mehr als ein elektronischer Marktplatz. Besonders für viele junge Menschen ist das Web mittlerweile zum sozialen Raum geworden. Spätestens mit dem Erfolg von virtuellen Gemeinschaften, wie Second Life, Studi- oder SchülerVZ ist das Bild des Internets als globales Dorf passend: wie in jedem Dorf verbreiten sich Gerüchte rasend schnell. Wer gegen die Regeln verstößt, wird aus der Gemeinschaft ausgegrenzt. So schreibt der Online Experte Jochen Mai in seinem Blog: „Wir leben im Zeitalter der Inszenierungen und der medialen Selbstdarstellung. Unsere öffentliche Reputation ist ein entscheidender Teil unserer Persönlichkeit, kurz: Ich bin, wer ich in den Augen der anderen bin.“

Im virtuellen Raum überschneiden sich private und öffentliche Interessen. Wer das Netz als Mittel zur Werbung in der eigenen Sache nutzen will, sollte daher möglichst vermeiden, Privates über sich einzustellen, das nicht tageslichttauglich ist. Schnell finden nicht nur Freunde und Bekannte diese Informationen, sondern auch Personalmanager und Geschäftspartner. Schon wurden Bewerbungen oder Handelsabkommen abgelehnt, da sich im Netz fragwürdige Fotos oder Äußerungen der Kandidaten finden ließen.

Denn digitales Stalking ist heute leichter den je: Mittlerweile gibt es Suchmaschinen, die sich auf das Aufspüren von Informationen über Personen spezialisiert haben, wie „Stalkerati“, „Spock“ oder „Yasni“. Hier gibt man nur den Namen der gesuchten Person ein und die Dienste spucken alles aus, was sich im Netz finden lässt. So weiß beispielsweise der Personalmanager schnell, ob der eingesandte Lebenslauf hält, was er verspricht.

Den Trend zum digitalen Ausspionieren kennt auch Mario Grobholz: „Privatpersonen stehen im Internet zum ersten Mal vor der Aufgabe, Public Relations in eigener Sache zu betreiben“, so der Geschäftsführer und Gründer der „MyON-ID GmbH“. Sein Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, die digitale Reputation ihrer Kunden zu stärken und zu verbessern. Gezielt durchsucht seine Firma das Netz nach unschönen Äußerungen, Bildern und Profilen der Kundschaft und korrigiert die kleinen Makel. So gehören Unternehmen wie „MyOn-ID“, „iKarma“ oder „Reputation Defender“ zu den First-Movern einer neuen PR-Sparte – das Netz wird zu einer erweiterten Visitenkarte, die es zu pflegen gilt. Schon stellen einige große Unternehmen, wie Coca-Cola oder GlaxoSmithKline „Reputation Officers“ ein, die für den guten Ruf ihres Unternehmens Sorge tragen – denn das Netz vergisst nichts.

Kommentar:
Was früher als Privat galt, steht heute im Netz – viele Experten warnen davor. Die eingestellten Daten sind unmöglich zu löschen, besonders dann nicht, wenn sie bereits von einer Vielzahl von Nutzern auf den heimischen Rechner geladen worden sind. So wird das Nackedei-Filmchen der Hotelerbin Paris Hilton bis zum Ende aller Zeiten im Netz verfügbar sein. Schon fordern Medienrechtler und Wissenschaftler ein Verfallsdatum für Meldungen im Internet. Wie das allerdings technisch möglich gemacht werden soll, weiß keiner. So wird in Zukunft die digitale Reputation genauso wertvoll und schützenswert sein, wie der reale Ruf. Laut einer Publikation des PR Experten Weber Shandwick dauert es im Durchschnitt 3,5 Jahre um den ruinierten Ruf eines Unternehmens wieder herzustellen, von den Kosten ganz zu schweigen. Daher wird sich wohl in Zukunft eine Vielzahl von PR-Experten verstärkt auf den Bereich der digitalen Reputation konzentrieren.

Links:
faz.net
karrierebibel.de
iKarma.de
imgriff.com
myonid.de
reputationdefender.com
rolotec.chl
spiegel.de
spock.com
webershandwick.com
yasni.de
zdf.de
zuender.zeit.de

Future Research 04.2008

2. April 2008 0 Kommentare

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Inhalte dieser Ausgabe:

  • Der Kampf um Energie
    Über die möglichen Kosten einer schwindenden Ressource
  • Die Zukunft liegt unter Tage
    Ein Tunnelsystem für den Warenverkehr
  • Leihen statt kaufen!
    Das Luxus Lending macht Schule
  • Alles gratis!
    Über den Beginn einer Umsonst-Kultur
  • Das Beste aus dem Blog

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Der Erfolg der Utopisten

1. April 2008 3 Kommentare

Ein neuer Lebensstil setzt sich durch

Foto: Eperales, Flickr.com
Foto: Eperales, Flickr.com
Bio ist schick, nachhaltiges Handel ein soziales Statussymbol - der Lebensstil der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) ist mittlerweile globaler Trend. Die Mitglieder dieser neuen Weltanschauung gelten als gebildet und zahlungskräftig. Gerade hat die deutsche LOHAS-Gemeinschaft eine ständige Vertretung im Web 2.0 erhalten. Gleich zwei Internetportale buhlen um die neue Konsumentengruppe. „Utopia.de“ – das „Internetportal für strategischen Konsum und nachhaltigen Lebensstil“, bietet dem bewussten User Produktbewertungen, Informationen und Unterhaltung rund um das ethisch und ökologisch korrekte Leben. Ins Leben gerufen wurde die Plattform von Claudia Langer, Mitgründerin der erfolgreichen Kommunikations-Agentur „.start AG“.

Mit dem neuen sozialen Projekt fühlt sich die Unternehmerin eng mit dem Gedanken des „Social Entrepreneurship“ verbunden. Utopia möchte zwar gemeinnützige und gesellschaftliche Ziele verwirklichen, ohne aber von Spendengeldern abhängig zu sein. So soll sich Utopia durch Werbeeinnahmen und den Vertrieb eigener Produkte schnell selber tragen können. Das Unternehmen scheint weitreichende Pläne zu verfolgen, im Markenregister wurden bereits zahlreiche Klassen für die Wortmarke UTOPIA reserviert. Unterstützt wird das Projekt von zahlreichen Prominenten wie dem Schauspieler Axel Milberg oder Heike Makatsch. Schon ein paar Wochen nach dem Start hat das Portal einen Platz unter den Top 100 der populärsten deutschen Webseiten eingenommen.

Nicht ganz so erfolgreich: Das LOHAS Magazin-Portal Ivyworld von Burda. Nach dem Launch der Beta-Seite blieb der Sturm aus, jetzt versucht man mit einer hochwertigen Print-Ausgabe die öko-begeisterte Leserschaft für das Portal und den neuen Lebensstil zu begeistern.

Besonders der unglaubliche Erfolg der Plattform UTOPIA, mit über einer Million Besucher in den ersten fünf Wochen, unterstreicht, dass eine große Anzahl von Menschen bereit ist, nachhaltiges Handeln in ihre persönliche Lebensweise zu integrieren – auch wenn sie dazu etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Und dieser Trend hat seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht. Viele werden sich diesem verantwortungsvollem Schwarm an bewussten Menschen anschließen. Dies wird Auswirkungen auf fast alle Bereiche der Wirtschaft haben – ob Automobilindustrie, Bekleidungsindustrie, IT-Branche oder Reiseunternehmen, wer in Zukunft keine Rücksicht auf Mitmenschen und Umwelt nimmt wird viele Kunden verlieren. Und dank der neuen, digitalen und sozialen Netze ist man immer schnell und gut informiert, welchem Unternehmen man sein Geld guten Gewissens anvertrauen kann.

Kommentar:
Der „Lifestyle of Health and Sustainability“ ist ein riesiges Geschäft. Allein in Deutschland schätzt man, dass gut ein Viertel der Bevölkerung Werte wie Nachhaltigkeit und Gesundheit schätzen und bereit sind, für eine neue, bessere Welt etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Dies bietet neue Chancen für Unternehmen. Wer in Zukunft auf Fairness, Nachhaltigkeit und Qualität setzt, wird viele zufriedene Kunden und eine sichere Zukunft finden. Und auch Mutter Natur wird es danken.

Links:
ashoka.org
blogs.ivyworld.de
de.blognation.com
medienlese.com
www.vital-genuss.de
www.ivyworld.de
www.mindsharing.de_Artikel-1
www.mindsharing.de_Artikel-2
www.utopia.de
www.utopia.de_pdf

Willkommen in der Zwischenwelt

30. März 2008 1 Kommentar

Der Aufbruch in eine erweiterte Realität beginnt

Foto: Leonard Low, Flickr.com
Foto: Leonard Low, Flickr.com
Das Jahr 2007 ist, neben vielem anderen, gekennzeichnet durch den Siegeszug der virtuellen Realitäten. Ob „Second Life“ oder „World of Warcraft“ – kaum einem Menschen sind diese Begriffe noch fremd. Was seit langem in unzähligen Science-Fiction Romanen beschrieben wurde, ist zum Massenphänomen geworden – die Menschen haben heute die Möglichkeit, sich in virtuelle Welten zurückzuziehen und dort ihre Abenteuerlust und Phantasie auszuleben. Die virtuellen Welten regen auch den Geschäftssinn an, wie das große Interesse der Unternehmen an den neuen Realitäten belegt. So entwickeln gegenwärtig zahlreiche Firmen ihre eigenen kleinen digitalen Welten, wie beispielsweise MTV oder IBM (siehe „Was kommt nach dem Zweiten Leben?“, Future Research 07.2007) und schon wird über Standards von Avataren und einem dreidimensionalen Internet angeregt diskutiert – der zukünftige Erfolg der virtuellen Realitäten ist gesichert.

Aber auch eine weitere computergenerierte Spielart von Realität macht sich bereit für den Sprung an die Spitze: die „Augmented Reality“. Der Begriff bezeichnet eine sich überlappende Chimäre aus Realität und digitaler Information. In der Industrie und dem Militär sind solche Systeme bereits im Einsatz: Soldaten oder Ingenieure erhalten über eine Datenbrille zusätzliche Informationen über Objekte in ihrem Sichtfeld. Das macht es beiden beispielsweise leichter den Überblick zu wahren – es wird möglich Freund von Feind zu unterscheiden oder komplizierte Mechaniken zu verstehen. Der Mix aus digitaler Information und Realität macht das Leben angenehmer.

Schon bald könnten diese „Mobile Augmented Reality“ den Massenmarkt erreichen. Dies wurde auch durch den immensen technischen Fortschritt ermöglicht. Die Miniaturisierung und der Preisverfall von Rechenleistung hat dafür gesorgt, dass heute in jedem Handy ein leistungsfähiger Computer steckt – Anbindung an das Internet inklusive. Zahlreiche Unternehmen und Universitäten beginnen mit der Augmented Reality zu experimentieren. Die Anwendungsmöglichkeiten in Bildung, Forschung, Medizin, Tourismus und Unterhaltung scheinen enorm.

So arbeitet beispielsweise Nokia an einem System für das Handy. Ausgestattet mit einen GPS-Modul, einem dreiachsigen Schwingungssensor, einer Kamera und einem Kompass, sowie der in der Entwicklung stehenden Software „MARA“ soll der mobile Begleiter virtuelles Wissen mit dem realen Alltag verbinden. Richtet man die Linse der Kamera auf ein Objekt, sendet das Handy alle Daten von Kamera, Kompass, GPS & Co. an eine Datenbank. Knipst man ein Restaurant, könnten so dereinst Informationen über Öffnungszeiten, die Menükarte und ein Link zu der Homepage geliefert werden. Fotografiert man auf einem touristischen Erkundungsgang die geschichtlichen Schätze einer Stadt, könnte auf dem Handy- oder PDA-Display ein virtueller Reiseführer alles Wissenswerte berichten. Verfallene Ruinen und ihre historischen Hintergründe könnten auf dem Schirm in ihrer früheren Pracht gezeigt werden. So, wie es bereits der Science-Fiction Autor und Cyberspace-Erfinder William Gibson in seinem letzten Buch „Spook Country“ beschreibt: Hier können Menschen, ausgerüstet mit einem Virtual Reality-Helm, geschichtliche Erlebnisse in der realen Umgebung betrachten, wie beispielsweise den Tod des Schauspielers River Phoenix vor einem Nachtclub in Hollywood. Dass diese Fiktion nicht allzu weit entfernt ist, zeigen die „Magic Eye Googles“ des neuseeländischen Unternehmens „Hit Lab“. Betrachtet man mit diesen Linsen ein spezielles Buch, werden die Protagonisten auf den Seiten lebendig. Mitte dieses Jahres möchte man das System zur Marktreife bringen.

Auch das Fraunhofer Institut beschäftigt sich gleich mit mehreren Projekten zur Erschließung der erweiterten Realität. So wollen die Forscher bei dem Projekt „Integrated Project on Interaction and Presence in Urban Environments“, kurz IPCity, untersuchen, wie man mit Hilfe der Augmented Reality-Technik Stadtgeschichte spielerisch erzählen kann. Bei dem Spiel gilt es die guten Geister der Domstadt, die Heinzelmännchen, zu befreien. Dank der Technik werden so in historischen Bauten die Mythen und Fabelwesen auf spannende Art erfahrbar.

Auch David Murphy, Leiter des „MARA“-Projektes bei Nokia, ist sich sicher: „Es ist unmöglich zu wissen, was passiert, wenn das Internet in die reale Welt gebracht wird, die Möglichkeiten wären immens.“

Kommentar:
Das Informationszeitalter ist noch lange nicht vorbei. Zwar sind durch Wikipedia & Co. Informationen viel leichter zugänglich als jemals zuvor, doch der Wunsch nach sofortiger Information, jederzeit und überall ist noch lange nicht erfüllt. Dazu braucht es aber nicht nur neue Hardware, sondern auch neue Verfahren, um die Informationen zu verwalten, ein semantisches Web, das es ermöglicht Daten automatisch und einheitlich zu kennzeichnen, damit sich alle gewünschten Daten leicht finden lassen. Zwar sind noch nicht alle nötigen Technologien verfügbar, dennoch wird es nicht lange dauern bis die Augmented Reality den Alltag verändern wird. Es bleibt abzuwarten welche gesellschaftlichen Folgen dies mit sich bringen wird.

Links:
www.e-strategyblog.com
www.fit.fraunhofer.de
www.pervasive-gaming.org
research.nokia.com
www.schroeder-wendt.com
www.t-immersion.com
www.geovector.com
www.hitlabnz.org

Willentlich Willenlos

28. März 2008 1 Kommentar

Das Marketing entdeckt die Hirnforschung

Foto: Gaetan Lee, Flickr.com
Foto: Gaetan Lee, Flickr.com
Alles begann mit einem Experiment: im Jahre 2004 untersuchten Samuel McClure und Read Montague im Auftrag des Baylor College, Houston, die Wirkung von Werbelogos. Dazu verabreichten sie ihren Probanden zwei handelsübliche Cola-Getränke. Eine war „die“ berühmte Marke, die zweite war etwas weniger bekannt. Im Blindtest sollten sich die Probanden zuerst allein auf ihren Geschmackssinn verlassen – den meisten schmeckte die Brause des unbekannteren Herstellers besser. Anders verhielt es sich, wenn die Tester wussten, was sie tranken. Zeigte man ihnen die zugehörigen Produkt-Logos, empfanden sie das bekanntere Produkt als wohlschmeckender. Das Wissen um die Marke nahm also einen deutlichen Einfluss auf das persönliche Geschmackserlebnis.

Um herauszufinden, wie diese unterschiedlichen Ergebnisse zusammenpassen, steckten die Forscher die Probanden in einen Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT), der die Hirnaktivitäten beim Brausegenuss sichtbar machte. Das Ergebnis: bei der Bestimmung des persönlichen Favoriten wirken zwei Hirnregionen zusammen. Zum einen diejenige, die für den Geschmack zuständig ist und zum anderen eine, welche kulturelle Erinnerungen speichert. Anscheinend nahmen Logo und die damit verbundenen Erinnerungen Einfluss auf den Geschmack und damit auch auf das Konsumverhalten. Das Experiment setzte den Startschuss für einen neue, wissenschaftliche Disziplin, dem Neuromarketing. Das Ziel dieser Wissenschaft – die Erkenntnisse über das menschliche Hirn für Marketingstrategien nutzbar zu machen.

Auch in Bonn wird gegenwärtig an diesem Zweig der Neuroökonomie geforscht. Am „Life&Brain-Center“ der Universität Bonn versucht man, wie in den USA, mit Hilfe zweier Magnet-Resonanz-Tomographen der gedachten Wahrheit auf die Spur zu kommen. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Anstatt Brause wurden in der ehemaligen Hauptstadt die Probanden mit nackter Haut auf die Probe gestellt. Den Testpersonen wurden zwei Werbebilder für Kosmetikartikel vorgeführt. Auf dem ersten sah man ein Model mit Idealmaßen in lasziver Pose, auf dem zweiten eine durchschnittlich gebaute Frau in einer aufrechten, normalen Haltung. Die meisten Probanden sprachen sich für das zweite Bild aus, nutze es doch nicht die alten Klischees der Werbung, sondern bilde die Realität ab.

Doch der Blick in ihr Hirn, strafte diese Aussagen Lüge: unter dem Tomographen wurde deutlich, das beim Betrachten des Models, der Nucleus accumbens, das Belohungszentrum im Hirn angeregt wurde. Fazit der Forschung: Der Anblick von schönen Menschen wird durch ein Glücksgefühl belohnt. Neu ist diese Erkenntnis nicht, dafür von jetzt an aber wissenschaftlich belegbar. Aber auch eine andere Erkenntnis bestätigten die Forscher im wissenschaftlichen Experiment. Die Kraft von Logos und Symbolen: bei einem zweiten Experiment stellten die Bonner Forscher zwei Wühltische mit Socken in der Innenstadt auf. An dem einen gab es das Paar Strümpfe für drei Euro, an dem zweiten drei Paare für 15 Euro. Im Gegensatz zu dem ersten Stand bewarb man am zweiten das Angebot als einen besonderen Rabatt. Die Werbung wirkte: Die meisten Menschen entschieden sich gegen ihren rationalen Verstand und kauften das überteuerte Sonderangebot. Anscheinend schalten die Rabatt-Symbole interne Kontrollprozesse ab, um den gedanklichen Aufwand zu minimieren, so Bernd Weber, Leiter der Bonner Forschungsgruppe.

Schon erhebt sich in den USA Protest gegen diese Art der Forschung. Verbraucher fürchten durch das Neuromarketing zu willenlosen Konsumenten zu werden.

Kommentar:
Die Angst, dereinst als Konsum-Zombies der Markenhörigkeit zu verfallen, scheint überzogen. Bei Kaufentscheidungen spielen auch andere Bereiche im Hirn maßgebliche Rollen, wie das rationale Handlungszentrum, der präfrontale Kortex. Wer eine Art kommerzielle Gehirnwäsche fürchtet, sei daher beruhigt. Dennoch ist es Fakt, dass schon zweijährige Kinder Logos und Marken erkennen können und der Nucleus accumbens auch als Suchtzentrum dient, welches zur Befriedigung von Sehnsüchten antreibt. Schon bieten zahlreiche vermeintliche Experten ihr Wissen über Neuromarketing mit übertriebenen Versprechungen feil, dabei steckt das Neuromarketing in den Kinderschuhen. In Zukunft darf man allerdings interessante Ergebnisse von diesem Forschungszweig erwarten.

Links:
www.ekim.ch
www.implicit-marketing.det
www.brainguide.de
www.lifeandbrain.de
www.sciencedirect.com
www.viralmarketing.de
www.zeit.de

Von menschlichen Litfaßsäulen

26. März 2008 2 Kommentare

Der Körper als Werbeträger

Von Rennfahrern und anderen Sportlern ist man es bereits gewöhnt – ihre Sportoutfits sind meist plakativ mit einer Vielzahl von Logos und Werbesprüchen ihrer Sponsoren übersät.

Foto: www.design.philips.com
Foto: www.design.philips.com
Warum also nicht auch andere Menschen als Werbeträger nutzen, dachte sich Mike Brown, Gründer der amerikanischen Firma „Handvertising“. Seine Firma hat die Hände der Menschen als neue Werbefläche entdeckt: „ Wir alle gehen in Bars und Clubs und bekommen dort einen Eintrittsstempel aufgedruckt. Warum die Handfläche nicht anders nutzen?“, fragte sich der Amerikaner und gründete die erste „Handvertising“-Agentur der Welt. Seitdem bietet er seinen Kunden Stempel-Kampagnen an. Die neuen Werbeträger freut es, zwar locken keine großen Gelder, aber auch für Gratis-Drinks und kleine Rabatte sind viele Menschen bereit sich einen werbewirksamen Stempel aufdrücken zu lassen.

Aber warum nur die Handflächen nutzen? Schon vor zwei Jahren vermietete der findige Unternehmer Andrew Fischer seine Stirn – als Fläche für ein temporäres Werbetattoo. Für einen Monat, indem die Werbebotschaft sein Haupt schmückte, zahlte ihm ein amerikanisches Pharmaunternehmen rund 50 000 US-Dollar.
Kein schlechtes Geschäft.

Auch andere nutzen schöne Körper als auffallende Werbefläche. So heuerten die Betreiber der Online-Casinos „GoldenPalace.com“ seit Jahren die Rücken und Dekolletes von bekannten Sportlern und Sportlerinnen – ebenfalls für temporäre Werbetattoos.

Noch ist diese Art der Werbung selten und der Aufwand groß. Ein temporäres Tattoo auf der Stirn lässt sich nicht einfach am Feierabend ablegen und viele Menschen haben verständlicherweise keine Lust beim Familienessen mit einem Spruch auf der Stirn zu erscheinen.

Doch dieses Problem könnte sich bald lösen: Bei dem „SKIN; Tattoo“ Projekt des Elektronik-Konzern Phillips, soll in Zukunft anstatt normaler, eine elektronische Tinte unter die Haut gebracht werden. Diese soll dann über die Fähigkeit verfügen, je nach Wunsch und Laune die Form wechseln zu können. So müsste man sich nicht für ein Motiv entscheiden, dass sich nur noch aufwendig mit einem Laser entfernen lässt, sondern hätte die Wahl welches Bild man zu welcher Gelegenheit tragen will. Selbst das komplette ausblenden des Körperschmuckes oder bewegte Tattoos sollen möglich werden. Eine kreative Erfindung, die auch für Marketing-Zwecke optimal wäre. Dann könnten auch leicht bekleidete Sportler, wie beispielsweise Schwimmer ihrer Körper leicht als digitale Litfaßsäulen vermarkten.

Kommentar:
Noch lange sind nicht alle Werbekanäle erschlossen. Viele neue und kreative Möglichkeiten harren noch darauf entdeckt zu werden. Und auch neue Technologien erschließen ständig neue Chancen. Man muss nur Auge und Geist offen halten.

Links:
crave.cnet.com
www.design.philips.com
www.handvertisingusa.com
www.humanadspace.com
www.trendhunter.com

Viva las Guerillas!

24. März 2008 0 Kommentare

Ein Begriff wird zum Trend

Foto: William Urlaub
Foto: William Urlaub
Guerilla Marketing, Guerilla-Gardening oder Guerilla-Partys – der Begriff „Guerilla“ ist in aller Munde. Das Wort kommt aus dem Spanischen und ist die Verkleinerungsform von guerra, welches nichts anderes als Krieg bedeute – guerilla ist ein kleiner Krieg. Die deutsche Schreibweise, bei der ein r wegfällt, entlehnt sich allerdings aus dem französischen Guérilla, die Bedeutung bleibt die gleiche.

T-Shirts mit dem Konterfei des prominentestem aller Guerilleros Che Guevara auf der Brust sind Kassenschlager, auch PLO-Schals, als Palästinensertuch bekannt, verkaufen sich gegenwärtig besser denn je. Was ist los in unserer Gesellschaft, in der sich plötzlich so viele Menschen als Guerilleros bezeichnen? Wer sind diese Neuzeit-Kämpfer?

Da wären zum Beispiel die Pariser Party Guerilleros „Jeudi-Noir“ – übersetzt „schwarzer Donnerstag“. Die Gruppe setzt sich aus Studenten zusammen, die gegen die abnorm hohen Mieten der französischen Hauptstadt auf eine charmante Art rebellieren: Auf ein Kommando hin versammeln sich die Mitglieder, bewaffnet mit Drinks, Ghettoblaster und Luftballons, schnell und spontan, um während eines Besichtigungstermins die annoncierte Wucher-Wohnung in eine Disko zu verwandeln. Dieses strategische Verhalten des „Flash Mobs“ trifft die Vermieter oft ohne Vorwarnung. Das nutzen die „Jeudi-Noir“, um mit ihnen über die Mietpreise ins Gespräch zu kommen, denn die Wohnungsnot unter den Pariser Studenten ist groß, Preise von 500 Euro für 25 Quadratmeter sind keine Seltenheit. Nur in den wenigsten Fällen ruft ein Vermieter die Polizei.

Auch in London werden Guerilla-Partys gefeiert – Ziel des spontanen Party-Mobs sind aber nicht überteuerte Wohnung, sondern öffentliche Plätze wie Toiletten von Fastfood-Ketten oder U-Bahn Stationen, die sie in Galerien oder Partys-Lokations verwandeln. Ziel der Guerilla-Partycrowd ist es, den öffentlichen Raum wieder neu zu beleben und ihn für gemeinnützige Zwecken zurück zu erobern.

Um die Beschlagnahmung von Lebensraum geht es auch beim Guerilla Gardening. Die Aktivisten mit dem grünen Daumen bepflanzen öffentliche Grünflächen mit schönen und nutzbaren Pflanzen. Sie protestieren mit ihren Bepflanzungsüberfällen gegen unmoralische Methoden in der Agrar-Industrie und wollen die Städte als lebenswerte, ökologische Umwelt erfahrbar machen.

Lebensraum haben die Besucher der Guerilla-Shops des japanischen Modelabels Comme des Garçons sehr wahrscheinlich reichlich – wer hier shoppt, braucht sich um Mietpreise keine Sorgen machen. Die Geschäfte sind gewollt nicht leicht zu finden, sie liegen abseits der bekannten Luxusmeilen der Metropolen. Oft wird die Adresse nur über Mundpropaganda verbreitet. Auch bleiben die Shops nicht für die Ewigkeit geöffnet, meist schließen sie nach einem festgesetzten Zeitrahmen. Im Falle von Comme des Garçons nach einem Jahr – trotz guter Geschäfte. Auch andere Labels, wie Gucci oder Prada haben sich der Idee bedient und Guerilla-Shops eröffnet.

Neben den vorgestellten Gruppen gibt es zahlreiche andere „G-Gruppen“. Ob Guerilla-Clubs, Guerilla-Yoga, Guerilla-Golf oder Guerilla-Kommunikation – die Neuzeit-Guerillas kommen aus allen Nischen. Gemeinsam haben die Gruppen, das sie bekannte Muster des Alltages in Frage stellen und versuchen kulturelle Muster aufzubrechen. So beginnt neben dem Asphalt Wildreis zu sprießen, der Fastfood-Kauf wird zum Kunstevent und Luxus-Shopper besuchen Abrisshäuser.

Vielleicht sind all die Bewegungen Beweis dessen, was der Wired Chefredakteur Chris Anderson mit seiner Aussage: „Die Ameisen haben Megafone!“ in seinem Buch „The Long Tail“ (siehe „Vom gestutzten Schweif des Drachens“, Future Report East 01.2007) beschreibt: Der Mainstream dünnt sich aus und individualisierte Gruppen beginnen ihre Ansprüche am Markt durchzusetzen. Das bringt eine bunte Zukunft und neue geschäftliche Möglichkeiten. Es lebe die friedliche Revolution!

Kommentar:
Es herrscht eine zunehmende Emanzipation der Gesellschaft. Individualisierte Gruppen schrecken nicht mehr davor zurück, friedlich und oft humorvoll, bestehende Strukturen in Frage zu stellen. So wird früher oder später der Markt erkennen müssen, dass sich die Kundschaft nicht als gesichtlose Masse mit Mainstream-Produkten abspeisen lassen wird. Individualität wird zum Schwarmtrend.

Links:
freitag.de
guerrillagirls.com
guerillasports.de
gruenewelle.org
spacehijackers.co.uk
polylog.tv
spiegel.de
sutra.cc
welt.de
wired.com
youtube.com

Die Evolution der Minifabriken

22. März 2008 0 Kommentare

Die Technologie des Rapid Manufacturing

Foto: Ebuth, Pixelio.de
Foto: Ebuth, Pixelio.de
Wir leben im Zeitalter der Massenproduktion. Überall auf der Welt laufen über die Produktionsstraßen der Industrie hunderttausendfach die gleichen Artikel – zusammengebaut aus standardisierten Einzelteilen. Diese Art der Produktion hat die Endprodukte um ein Vielfaches billiger gemacht, wie es beispielsweise der gegenwärtige Preis eines DVD-Players verdeutlicht – die Hightech-Geräte sind heute meist billiger als ein nettes Abendessen zu zweit.

Dennoch hat diese Entwicklung auch seine Schattenseite. Der Kampf um die immer billigere Produktionsweise in einem globalen Markt hat zu einer stetig steigenden Automatisierung der Industrie geführt, menschliche Arbeitskraft wird durch kostengünstigere Roboter ersetzt und für die Tätigkeiten, die noch kein Roboter übernehmen kann, nutzt manche Industrie die Arbeitskraft in Billig-Lohnländern – Nokia ist da nur ein Beispiel.

Ein Zaubermittel gegen hohe Kosten ist das „Rapid Prototyping“. Der Begriff bezeichnet computergestütztes Design (CAD) in Kombination mit 3D-Druckern (siehe „Agalmics“, Future Report 08.2007). Die Paarung dieser zwei Technologien hat die Produktentwicklung erheblich erleichtert. Oftmals braucht es nur wenige Tage, um aus einer Idee einen Prototypen zu zeugen.

In Zukunft könnte sich die Produktion noch einmal erheblich beschleunigen: Aus dem Rapid Prototyping (RP) wird ein Rapid Manufacturing (RM) – statt anschauliche Prototypen fertigen schon heute industrielle RM-Maschinen auslieferungsfähige Endprodukte. Noch ist die Produktpalette, die 3D-Drucker ausspucken, recht schmal und die Anschaffungskosten der Hightech-Maschinen hoch, doch schon in naher Zukunft könnten diese Maschinen die gesamte Industrielandschaft verändern. Für einige Experten ist die Zukunftsvision einer post-industriellen, individualisierten RM-Gesellschaft nicht mehr fern. So schreibt der Technology Review-Journalist Niels Bohr: „ Ein weiter entwickeltes und erschwinglicheres Rapid Manufacturing könnte eines Tages im Prinzip eine regionale, dezentrale Produktion befördern.“ Es bräche das Zeitalter der Minifabriken an.

Dies sieht der renommierte Philosoph Frithjof Bergmann ebenso. Für ihn beginnt ein neues Zeitalter der industriellen Produktion. Der US-deutsche Wirtschaftsphilosoph ist überzeugt, dass mit der Evolution der technischen Möglichkeiten Maschinen schon bald in der Lage sein werden, sich selbst zu reproduzieren. Ist ein solcher Fabrikator einst auf dem Markt, würde es nicht lange dauern, bis jeder Mensch einen solchen Apparat zu Hause hat. Damit wäre man in der Lage beinahe jeden Gegenstand – vom Aschenbecher über Computer und Kleidung bis hin zum Zahnersatz –selber herzustellen, nur die benötigten Rohstoffe müsste man noch aufbringen.

Bergmanns Vision scheint näher denn je, gegenwärtig beginnen einige Unternehmen mit der personalisierten Produktion. Ausgerüstet mit 3D-Druckern produziert das deutsche Unternehmen „Fabidoo“ individualisierte Plastik-Figuren, ganz nach den Wünschen der Kundschaft. Bei den Plastikkameraden kann Form und Farbe selbst bestimmt werden, auch das eigene Gesicht kann man der Figur verpassen.

Das Unternehmen „Ponoko“ schöpft die Möglichkeiten der derzeitigen 3D-Drucker und schnellen Laser-Schneider noch weiter aus. Hier kann jeder Nutzer mit Hilfe eines Programms, das zum Download bereitsteht, seinen Wunschgegenstand selbst designen. Schickt man die erstellte Datei dann an „Ponoko“ wird der Gegenstand dort gefertigt und versandt. Auch bietet das Unternehmen die Möglichkeit, seine Designs direkt auf der Seite zum Verkauf anzubieten. Es beginnt die Zeit der serienmäßigen Unikatsanfertigung.

Kommentar:
Bahnt sich eine zweite industrielle Revolution an? Schon heute macht es die Technik möglich, eine ganze Reihe von Dingen jenseits der industriellen Fertigung zu produzieren. Man kann seine eigenen Bücher drucken, eigene CDs zusammenstellen oder Software programmieren. Gestützt wird dieser Trend durch die Schwarmbewegung hin zur Individualisierung und Open-Source Gesellschaft. Nach „print-on-demand“, „books-on-demand“ folgt nun das „product-on-demand“.

Links:
emachineshop.com
fabidoo.com
newwork-newculture.net
ponoko.com
reprap.org
zeit.de

Startschuss für einen grünen Globalismus

18. März 2008 0 Kommentare

Die Industrie steht vor einer lohnenden Umrüstung

Foto: Gloecken, Pixelio.de
Foto: Gloecken, Pixelio.de
Seit der Klimakonferenz auf Bali weiß es jeder – der Klimawandel ist menschgemacht. Spätestens mit dem Einlenken George Bushs und der Akzeptanz, dass der Menschheit Katastrophen drohen, wenn sie nicht der globalen Erwärmung entgegen arbeitet, ist das öffentliche Interesse an Umweltthematiken groß. Selbst Privatsender, die sonst nur mit großen Explosionen und knappen Bikinis um die Zuschauer werben, beginnen sich und ihr Publikum für die Umweltproblematiken zu interessieren.

Doch oft verfügen diese Alltags-Aktivisten nur über halbgares Wissen. Die Schuld für die immensen CO2-Emissonen der Menschheit sehen viele in den boomenden Industrien der Schwellenländer Asiens oder Lateinamerikas, deren wachsende Industrie sie für die steigende Umweltbelastung verantwortlich machen. Sie klagen über mögliche Steuererhöhungen im eigenen Land, auch wenn diese Gelder dafür eingesetzt werden sollen, die eigene Industrie umweltfreundlicher zu gestalten. Dass manche dieser Schwellenländer schon heute in Sachen Umweltschutz weiter sind als wir, und dass der Umschwung notwendig und auch gewinnbringend sein kann, wird selten gesehen.

So bezieht beispielsweise Brasilien rund 44 Prozent seines Energiebedarfes aus erneuerbaren Quellen, in Europa sind es gerade mal 6,1 Prozent. Dass solche Investitionen nicht nur die Umwelt schonen, sondern sich auch lohnen, sollte bei einem Ölpreis von circa 100 US-Dollar pro Barrel leicht verständlich sein.

Auch lohnt sich das genauere Betrachten Chinas, welches in der Öffentlichkeit, neben den USA, oft als Buhmann von Bali bezeichnet wurde. Beide Länder wollten sich auf der Klimakonferenz zu keinen festen Abmachungen verpflichten. Bald schon wird die Volksrepublik, noch vor Amerika, der größte Emittent von Treibhausgasen sein – kein Wunder also, dass die unkonkreten Umweltschutzpläne aus dem Reich der Mitte Umweltschützer auf die Palme brachten. Aber schauen wir genauer hin: Schon lange vor Bali und der Olympiade hat China begonnen, sich intensiv mit Umweltproblematiken auseinanderzusetzen. In Peking fahren schon heute wahrscheinlich mehr Elektroautos als in jeder anderen Metropole. 2008 will das Land rund 10 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investieren – nur Deutschland wendet noch mehr Gelder auf. So ist China schon heute eine der führenden Nationen in Sachen Sonnen- und Windenergie. Die Volksrepublik hat begriffen, dass der Umweltschutz keine Bremse für die Wirtschaft darstellt, sondern ganz im Gegenteil das Wachstum der Wirtschaft beschleunigt.

Dies sehen die Regierung der Bundesrepublik Deutschland sowie Forscher an der amerikanischen Universität Berkeley ähnlich: Die Wissenschaftler haben errechnet, dass, wenn die USA ihren Strombedarf zu 20 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen speisen würde, rund 300 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.

In Deutschland kann man davon ausgehen, dass bis Ende des nächsten Jahrzehntes mehr Menschen in der Umwelttechnologie als in der Automobilindustrie arbeiten werden. Experten der vereinten Nationen schätzen, dass die Investitionen in emissionsfreie Energielieferanten im Jahr 2020 1,9 Billionen US-Dollar erreichen werden.

Setzt man jetzt auf Umwelttechnologie, könnte man in wenigen Jahrzehnten der globalen Erwärmung wirksam entgegenwirken und zugleich das Zeitalter einer umweltfreundlichen Weltwirtschaft einläuten. Ein Umschwung, der sich für die Umwelt wie die Ökonomie gleichermaßen lohnen würde.

Kommentar:
Das Umrüsten auf eine grüne Industrie bietet enorm viele zukunftssichere Geschäftsoptionen – Möglichkeiten, die Innovation und Wachstum beflügeln können. Gerade in Deutschland, dem führenden Land für Umwelttechnologie, sollte man daher nicht klagen, sondern sich diesen Vorsprung sichern. So muss die Industrie mit gutem Beispiel vorangehen und den Umschwung wagen. Gerade jetzt lohnt dieser – dank staatlicher Zuschüsse und hoher Energiepreise bieten Investitionen, beispielweise in Wärmedämmung, langfristig gute Renditen, im privaten wie im geschäftlichen Rahmen.


Links:

www.aci-citizenresearch.org
www.bmu.de
www.metroactive.com
www.golem.de