Second what!?
2. November 2007 3 Kommentare
Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei
So heißt es wohl nicht nur im wahren Leben. Auch die virtuellen Welten werden stiller, stiller und stiller. Altersschwäche? Demenz? Graue Haare? All das bringt ein ausgeprägtes Alter so mit sich. Doch, nach nicht mal ganz 5 Jahren Lebensdauer ist es noch etwas früh für solche Erscheinungen, oder nicht? Doch wie so oft im Leben geht alles mal zu Ende. So auch der Hype um die virtuelle Welt “Second Life”. Nachdem der Produzent von Second Life, die Lindenlabs in San Francisco, meinte am 24. Juni 2003 mit einer virtuellen Welt das Internet zu stürmen, gab es kaum Interesse an dieser Welt. Erst Anfang 2007 war es dann soweit… . Das Web 2.0 kannte bereits jeder und etwas “neues” Altes musste her. Und so geschah es, das jemand “Second Life” aus der verstaubten Internetschublade rauskramte, einen Bericht verfasste und ihn veröffentlichte. Und, BOOM! Jeder sprach nur noch über dieses eine Thema. Sei es zu Marketingzwecken oder im Plausch mit den Kollegen. Jeder musste es einfach mal ausprobieren.
Hochmut kommt vor dem Fall
Und was waren sie alle mutig, die Firmen, die Konzerne und die Scharen von Nutzern, die durch die virtuelle Tür stolperten. Nicht umsonst haben sie alle viele Milliarden Linden Dollar, und somit auch richtiges Geld (1€ = ungefähr 395 Linden-Dollar) ausgegeben. Und wofür das alles? Für ein Stück virtuelle Erde. Wow! Ich kaufe und baue mir ein virtuelles Haus und muss dafür bares Geld bezahlen! Erstrebenswert oder nicht? Und wenn mein Haus fertig ist, kann ich mir einen virtuellen Sony Fernseher, einen Mercedes oder sonst irgendeine Marke kaufen. Wofür einen richtigen Fernseher kaufen, wenn man ihn doch aus Bits und Bytes haben kann? Hinzu kommt, dass man nur mit einem Premium Zugang auch Häuser und größere Dinge bauen kann. Dieser Account kostet dann pro Jahr ca. $72,00. Will man gar eine ganze Region erwerben, steigen die Kosten auf einmalig $1.650,00 und monatlich nochmal $295,00 Gebühr. Naja, wer’s hat…
Welch ein Augenschmaus, nicht!
Neuste Technik ist fehl am Platz bei diesem “Spiel”. Stattdessen ruckelige, unschöne und starre Grafik. Andauernde Clipping Fehler, ständige Verbindungsprobleme und und und… . So möchte man doch gerne seinen “zweiten” Alltag verbringen. Ich könnte mir auch nichts Schöneres vorstellen, als Abends nach Hause zu kommen, mich vor den PC zu klemmen und bis in die Nacht mit starren Figuren zu “reden” oder zu versuchen aus Klötzen, Prismen, Bällen usw. Sachen zu bauen. Warum nicht lieber Lego-Steine kaufen, oder eines der vielen kostenfreien 3D Programmen nutzen? Das wäre vermutlich zu einfach.
Für eine bessere Welt
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. So wundert es keinen, dass im zweiten Leben mehr und mehr reale Städte einfach nachgebaut werden. Aber eine bessere Welt ist es dadurch kaum. Wo Menschen sind, gibt es heutzutage auch immer Sex, Glücksspiel, Kriminalität und Rock&Roll. So auch in Second Life. Von ganzen “roten” Meilen, pädophilen Gestalten und Casinos die Geld kosten, bis hin zum virtuellen U2 Auftritt war und ist alles vertreten. Selbst vor kriminellen Machenschaften blieb es nicht verschont. So hat, wie das ARD Magazin Report Mainz herausfand, ein Deutscher Nutzer pornografische Aufnahmen von Kindern aus der richtigen Welt über Second Life verkauft. Da die Personen, die dieses zweite Leben führen, immer noch die selben realen Menschen sind, die wir tagtäglich auf der Straße sehen, wundert es mich nicht, dass solche Sachen auch in einer nicht realen Welt passieren. Zu verlockend ist das Unbekannt sein. Eine virtuelle Polizei gibt es, meines Wissens und seltsamerweise, noch nicht. Der Menschheit ist eben doch schlecht.
Positiv daran ist aber… ach ne doch nicht
Wo ist der Reiz bei der Sache? Neugier? Vielleicht ist es auch wieder dieses typische Medienphänomen. Wenn alle Medien darüber berichten und es für “toll” erklären, melden sich alle an und wollen das auch mal ausprobieren. Ja, ich war auch so einer (Immer dieser Gruppenzwang). Nach etwa 30 Minuten Installation und Konfiguration, ruckelte ich mit meinem Charakter, der einen der zig tausend unaussprechlich vorgegebenen Namen trug, ca. 10 Minuten durch die seltsame Welt, um erst über eine Art Wiedergeburts-Insel zu laufen und dann durch ein weißes Licht auf irgendeinem Planeten (?) zu landen.
Nachdem ich merkte wie schwer und hackelig sich die Steuerung gab, beschloss ich den weiteren Funktionen des Spiels eine Chance zu geben, scheiterte allerdings nach weiteren 5 Minuten am Versuch aus einem weißen Klotz mehr als einen weißen Klotz zu bauen (Der war aber auch eckig und weiß!). Nach ca. einer Stunde Augenfolter hatte ich weder Freunde, noch sprach irgendjemand von den starren Figuren mit mir. Mein weißer Klotz, den ich unterdessen noch liebevoll “Klotz” nannte, verlor dann auch seinen Reiz.
Es dauerte einen weiteren Moment, bis ich erkannte, dass diese ganzen “Menschen” in der Luft kein Fehler waren, sondern umher fliegende Charaktere waren. Ja, die fliegen! Spätestens jetzt war es komplett unecht! Selbst in den fantasievollsten und unrealistischsten Rollenspielen können normale Menschen nicht fliegen! Da Menschen nicht fliegen können, dauert es auch entsprechend lange diese Fähigkeit in “Second Life” zu beherrschen. Aber mal ehrlich, wer braucht denn sowas? Wofür gibt es Autos oder Flugzeuge? Mit virtuellen Autos könnten wir wenigstens gegen die virtuelle Klima Katastrophe kämpfen und nur noch Bio-Klötze basteln.
So schnell wie es angefangen hatte war es dann auch schon wieder vorbei. Das “Second Life”-Programm meldete einen Verbindungsabbruch. “Ein Zeichen!” dachte ich mir. Aber nun verstand ich endlich warum die Leute soviel Zeit mit diesem zweiten Leben verbrachten. Wenn ich schon 5 Minuten brauche um einen Klotz zu bauen, wie lange brauch man dann wohl um ein Haus zu bauen oder überhaupt einen entsprechenden Platz zu finden? Ein virtueller Teufelskreis.
Zerplatzt ist der Traum
Der Traum vom zweiten Leben… . Seit Mitte des Jahres ist der Hype um die virtuelle Welt vorbei. Die zuvor angemeldeten Millionen User melden sich nicht mehr an. Die Anmeldungen sind stark rückläufig. Nur ein harter Kern von Usern beschreitet noch immer dieses falsche Leben. Aber wie es halt so ist… Wenn man morgens aufwacht, ist der Traum vorbei. Und jetzt mein Schlussplädoyer: “Ich habe es doch gesagt!” Gute Nacht.
Es ist überall!