Monatsarchiv für Februar 2008

Von Gourmets und gutem Gewissen

29. Februar 2008 0 Kommentare

Eine kulinarische Entwicklungshilfe macht in Vietnam Schule

Mit der Entwicklungshilfe ist es so eine Sache. Oftmals werden große Mengen an Geld gesammelt und in Hilfs-Projekte investiert, die anfangs erfolgversprechend scheinen - später zeigen sich dann aber die Schattenseiten: Kleiderspenden zerstören die einheimische Bekleidungsproduktion, gesponserte Nahrungsmittel führen dazu, das Bauer und Fischer ihre Arbeit quittieren und technische Einrichtungen verfallen, sobald die westliche Betreuung abgezogen ist.

Foto: sputnik, flickr.com
Foto: sputnik, flickr.com
Gegenwärtig ist es allgemeiner Konsens, dass bei zukünftigen Projekten besonders Wert auf die Nachhaltigkeit gelegt werden muss - Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto.

In Vietnam zeigt eine besonders gelungene und leckere Art der Entwicklungshilfe, wie es richtig gemacht werden kann. Ein Beispiel ist das „SOZO“: Das kleine Café in dem Backpacker-Viertel von Ho Chi Minh-Stadt - dem früheren Saigon - ist bekannt für seinen köstlichen Apple Pie, den Bagels, Cookies und Muffins. Die meisten Kunden wissen gar nicht, das sie mit einem Besuch in dem stylischen Bistro nicht nur sich, sondern auch den Straßenkindern von Vietnam Gutes tun - die Belegschaft der Lokalität besteht aus früheren heimatlosen Kindern, die erst hier das Gastronomiegewerbe erlernt haben.

Die private Initiative begann im Jahre 2004 mit dem Engagement zweier Deutscher. Sie kauften einen einfachen Karrenwagen auf dem sie, mit Hilfe von Straßenkindern gebackenen, Cookies an die wachsende Zahl von Touristen verkauften. Auch wenn die Rezepte ursprünglich aus Deutschland mitgebracht wurden, die amerikanischen Kekse wurden ein voller Erfolg.

Schnell sprach sich die Backkunst herum und es wurde genug Geld eingenommen um ein eigenes Café anmieten zu können. Mittlerweile arbeitet eine ganze Anzahl von Festangestellten in dem Café, das nun zu einem wahren Center der kulinarischen Entwicklungshilfe angewachsen ist. Hier lernen jetzt eine Vielzahl von vietnamesischen Kindern die Grundlagen des Backens und der Betriebswirtschaft sowie die englische Sprache. So wurden beispielsweise ein „English Corner“ eingerichtet, in dem sich zweimal wöchentlich vietnamesische Studenten mit Ausländer treffen, um ihre Sprachfähigkeit zu verbessern. Schon werden die Räumlichkeiten des „SOZO“ zu eng und man überlegt, weiter Räume anzumieten. Auch internationale Künstler sind dem Charme des Cafés erlegen – der amerikanische Künstler Hiep Nguyen, der durch seine Technik des „Circle Painting“ berühmt wurde, arbeitet seit langem mit dem SOZO zusammen und unterstützt das Projekt beispielsweise durch Verkauf von Bildern.

Das „Koto“ in Vietnams Hauptstadt Hanoi hat eine ähnliche Geschichte: Auf seine Frage an Straßenkinder, was sie sich in Zukunft wünschen würden erhielt der spätere Gründer des „Kotos“, Jimmy Pham, im Jahre 1996 eine einfache Antwort. „Wir brauchen eine Ausbildung, damit wir später einen Job haben.“

Diese klare Ansage nahm sich Jimmy Pham zu Herzen und gründete einen kleinen Sandwich-Shop, der ebenfalls auf die dickeren Geldbörsen der Touristen zielte. Ein voller Erfolg, aus dem kleinen Laden wurde in wenigen Jahren, eines des erfolgreichsten Restaurants der Stadt, dessen Küchenkreationen und perfekter Service den Vergleich mit internationalen Spitzenrestaurants nicht fürchten muss. So manche der hier servierten asiatisch-westlichen cross-over Gerichte haben schon bei Gastronomie-Kritiker blanke Begeisterung hervorgerufen.

Der Erfolg schafft Gutes: Mittlerweile arbeiten in dem Restaurant 26 ehemalige Straßenkinder in Festanstellung, alle sechs Monate werden 25 Straßenkinder im Alter von 16 bis 22 Jahre, in dem hauseigenen Ausbildungscenter, welches mit Schul- und Schlafräumen ausgestattet ist, für die Gastronomiebranche nach australischen Standards ausgebildet.

Es sind heißbegehrte Schulplätze, schließlich beträgt die Erfolgsrate 100 Prozent - alle Absolventen fanden nach absolviertem Abschluss eine Stelle und konnten das Leben auf der Straße aufgeben.

Kommentar:
Das Essen für einen guten Grund sollte Schule machen. Schließlich lässt sich die Idee leicht adaptieren und bringt im Gegensatz zu vielen anderen sozialen Projekten guten Umsatz und Gewinn. So könnte die soziale Geschäftsidee in jedem Land mit Touristenpotential für volle Restaurants und weniger Armut sorgen. Aber auch in Deutschland könnten viele soziale Einrichtungen, die mit einer eigenen Gastronomie aufwarten können, von den Beispielen lernen und sich kundenorientierter verhalten. Denn mit einem zufriedenen Magen spendet es sich gerne.

Links:
www.circlepainting.com
www.streetvoices.com.au
www.sozocentre.com
www.friends-international.org
www.visithoian.com

Hasta la vista Grippe!

28. Februar 2008 0 Kommentare

Wieder ein gelungener Durchbruch in der Medizin: Forschern der Universität Cambridge ist es gelungen einen Grippeimpfstoff zu kreieren, der anscheinend gegen alle Influenza-A-Viren schützt. Gerade hat das Wundermittel eine der nötigen klinischen Testreihe bestanden und schon bald soll es erhältlich sein. Laut des Herstellers Acambis, sorgt die Spritze bei neun von zehn Geimpften für einen permanenten Schutz. Bisher mussten ständig neue Impfstoffe erstellt werden, die Influenza-A-Viren veränderten sich schnell. Daher gab es jedes Jahr einen neuen Impfstoff.
Hält das Mittel, was es verspricht, so würde der Stoff einen medizinischem Durchbruch gleichkommen. Zum einen sind die Influenza-A-Viren die Verursacher aller schweren Grippe-Pandemien, zum anderen, kann der Impfstoff gentechnisch hergestellt und muss nicht aus befruchteten Hühnereiern gewonnen werden.

Kommentar:
Nie mehr mit einer Grippe im Bett – ein Traum würde war. Noch gibt es einige Hürden, bis das Medikament zugelassen wird. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass der Stoff hält, was er verspricht: die Forscher gehen davon aus, dass das Medikament nicht nur Menschen effektiv vor der Influenza-A schützen würde, sondern auch Tiere vor der tödlichen Vogelgrippe. In einer Testreihe zeigten sich rund 70 Prozent der Versuchstiere gegen den Virus resistent.

Links:
acambis.com
aerztestellen.de
antigenics.com
scinexx.de
welt.de

Ressourcenknappheit IPv4

27. Februar 2008 1 Kommentar

“You could almost see it as a dry run for global warming and peak oil, if you were sufficiently apocalyptic.”
- Rupert Goodwins

Während alle Welt von der kommenden Knappheit fossiler Brennstoffe redet und diverse Interessengruppen diesem Szenario mehr oder weniger zustimmen, steuert das digitale Abbild auf ein ähnliches Problem zu: die Web-Adressen werden knapp.

Foto: flickr
Foto: flickr
Das verwendete Protokoll “IPv4” aus dem Jahre 1981 erlaubt ca. 4 Milliarden IP-Adressen - eine anscheinend genügende Zahl, jedoch wird sie bereits um das Jahr 2010 erreicht werden. Bereits seit über einem Jahrzehnt gibt es einen neuen Standard “IPv6” zur Behebung des zu engen Adressraums, allerdings konnte er sich bis heute nicht durchsetzen. Vor allem für die Entwicklungsländer könnte sich dadurch ein Problem ergeben.

Kommentar:
Ein “voll besetztes” Internet ist ein ungewohnter Gedanke, aber eine Welt ohne fossile Brennstoffe kann sich auch kaum jemand wirklich vorstellen.
Falls man sich einmal - sozusagen als Perspektivenwechsel - über die Entwicklung der Menschheit in der Vergangenheit genauer informieren möchte, sei an dieser Stelle das Buch “Guns, germs and steel” empfohlen. Es ist eine nicht unumstrittene Darstellung der letzten 13.000 Jahre, aber auf jeden Fall einen Blick wert.

Wahre Visionäre: Steve Paul Jobs

26. Februar 2008 0 Kommentare

Foto:Jurvetson, Flickr.com, CC-Lizenz
Foto:Jurvetson, Flickr.com, CC-Lizenz
Steve Paul Jobs
(24. Februar 1955)
Design-Nerd & Apple Gründer

„Eure Zeit ist begrenzt. Also verschwendet sie nicht, indem ihr das Leben anderer lebt. Lasst euch nicht von Dogmen beherrschen, die das Ergebnis der Gedanken anderer sind. Lasst nicht den Lärm der anderen eure eigene innere Stimme überdecken.“

Der schlechtbezahlteste Geschäftsführer der Welt – seit 1999 arbeitet er für ein Jahresgehalt von einem US-Dollar pro Jahr; aber keine Sorge, der Mann besitzt selbstverständlich eine Menge Apple-Aktien – sorgte für die Popularität der Heimcomputer und half, Dank der Liebe zu Detail und Design, nicht nur Apple aus der Krise, sondern kreierte auch einen formschönen und stets innovativen digitalen Lebensstil.

Links:
blog.hna.de
capital.de
cyberbloc.de
damiangawenda.com
heise.de
justapple.wordpress.com
saubereingeschenkt.blogspot.com
welt.de
whoswho.de
wikipedia.org
vanityfair.de

Der neue Kommunismus

25. Februar 2008 0 Kommentare

Creative Commons setzen Maßstabe für das kreative Arbeiten von morgen

Das digitale Zeitalter lässt sich auch durch die Erschließung ungeheurer kreativer Möglichkeiten definieren. Niemals war der Zugriff auf geistige Produkte, wie Fotografien, Filme und Musik einfacher und schneller. Auch hat die neue Technik die kreative Arbeit an Bild, Ton und Text, erheblich erleichtert. Dank digitaler Kameras, Sound- und Grafikkarten haben heute ein Heer an Menschen Zugriff auf günstige kreative Werkzeuge, die noch vor ein paar Jahrzehnten unerschwinglich waren.

Foto: Cantabrigensis, flickr.com
Foto: Cantabrigensis, flickr.com
Doch die tollen, neuen Mittel kann man nur nutzen, wenn man genug frei verfügbares Material zur Verfügung hat. Aber die Masse an Mediendaten des Internets lassen sich bisweilen nur selten nutzen – Dank dem bestehenden Urheberrecht.

Bis vor kurzem hatte der Schöpfer eines geistigen Werkes - sei es ein Bild, Foto oder Text - nur zwei Alternativen: Entweder er behielt sich alle Rechte an seinem Werk vor (all rights reserved) oder aber er gab alle Rechte auf (no rights reserved) - was bedeutete, das ein Werk zum Allgemeingut wurde. Viele Künstler, die diesen Weg einschlugen, fanden dann oft ihre Arbeit unter fremden Namen veröffentlicht – den Ärger denn sie darüber empfanden, ist leicht verständlich.

Auf der anderen Seite ist das Label „all rights reserved“ ebenfalls ein Problem: Will man eine Arbeit eines anderen, oder einen Auszug daraus, für seine eigene Zwecke nutzen, braucht man dessen Genehmigung - um ganz sicher zugehen ein ausgereiftes Vertragswerk. Die Mühen, dies über Länder- und Sprach- und Gesetzesgrenzen hinweg zu bewerkstelligen sind oftmals zeit- und kostenintensiv.

Das Problem erkannte auch Lawrence Lessing, Rechtsprofessor an der Stanford Law School. Daher entwickelte er im Jahre 2001 die „ Creative Commons“, ein neues Urheberrecht, dass sich den Grundwerten der Offenheit und Teilhabe orientiert: Er will damit allen Kreativen, wie Medienschaffenden, Künstlern und Wissenschaftlern ein Werkzeug zur Verfügung stellen, dass ihnen ermöglicht selbst entscheiden zu können, wie viel und welche Rechte sie anderen Menschen an ihrer geistigen Arbeit einräumen.

Sein neues Urheberrecht ist ein wahrer Erfolg - immer mehr Menschen nutzen die, von Lessing entwickelten Lizenz-Typen, um ihre Werke zum „kreativen Allgemeingut“ zu erklären, ohne das sie dabei alle ihre Rechte aufgeben müssen. Allein bei dem Fotoportal „Flickr“ sind Millionen von Bildern unter den Creative Commons-Lizenzen veröffentlicht.

Dem Nutzer dieses neuen Urheberrechtes stehen dabei sechs verschiedenen Lizenztypen zur Wahl: Der Künstler kann bestimmen, ob sein Werk bearbeitet und verändert werden darf, ob die Verwendung nur für nicht-kommerzielle oder auch für kommerzielle Zwecke gestattet ist und ob der Lizenznehmer sein Folgeprodukt unter gleicher Creative Commons-Lizenz veröffentlichen muss. Die Namensnennung des Urhebers ist bei allen Lizenzen Pflicht.

Mittlerweile haben 41 Länder, darunter auch Deutschland und die USA, dieses alternative Urheberrecht akzeptiert, in neun Ländern läuft der juristische Bearbeitungsprozess um die Creative Commons in den bestehenden Rechtsapparat zu integrieren.

Waren anfangs hauptsächlich Hobby- und Kleinkünstler die Hauptnutzer der neuen Lizenzen, entdecken jetzt auch große Institutionen, wie die BBC oder der NDR die Creative Commons: Der englische Sender entwickelte das „Creative Archiv“ ein riesiges Filmarchiv, das mit Hilfe eines, an die „ Creative Commons“ angelehnten Lizenzsystems, den britischen Fernsehgebührzahlern jede Menge an Beiträgen und Filme online zugänglich macht.

Der NDR zog nach: Ab November stellt der deutsche Sender, zwei seiner Sendungen – das Medien-Magazin Zapp und die Satire-Sendung Extra 3 – den Zuschauern unter der Creative Commons-Lizenz zur nicht-kommerziellen Verfügung bereit.

Kommentar:
Der Begriff Kommunismus bezeichnet das Ideal einer klassenlose Gesellschaft, in der alles Erwirtschaftete unter allen Menschen aufgeteilt wird und somit die sozialen Unterschiede aufgehoben werden sollen. Als Gesellschaftsmodell scheint dieses Model gescheitert, für das kreative Arbeiten im digitalen Zeitalter aber bestens geeignet. Am Beispiel der „Creative Commons“ zeigt sich, dass der Trend zur „Open Source“-Gesellschaft (siehe „Agalmics!“) weiter besteht - schließlich will die Intelligenz der Massen gefüttert werden. Und wer hungrig ist, wird alles Nötige unternehmen um Kopf oder Bauch zu füllen.

Links:
creativearchive.bbc.co.uk
de.creativecommons.org
www.flickr.com

Fernsehen adé

24. Februar 2008 0 Kommentare

Foto: Zappowbang, CC-Lizenz
Foto: Zappowbang, CC-Lizenz
Die wohl spektakulärste Präsentation auf der Elektronik Messe CES lieferte das kleine Gadget „TV-B-Gone“. Das günstige Hightech-Spielzeug von der Größe eines Schlüsselanhänger ist in der Lage, auf Knopfdruck, sämtliche Fernseher abzuschalten. Ein großer Spaß, wenn man sich auf der größten Fachmesse für Unterhaltungselektronik befindet – nirgends ist die TV-Dichte größer. Das dachten sich auch die Gadget-Experten von „Gizmodo“, die auf der Messe das Gerät „auf Teufel komm raus“ erprobten. Zum Schrecken der zahlreichen Aussteller, die von den Undercover-Versuch nichts wussten und sich – peinlich berührt, über den Ausfall ihrer Ausstellungsstücke – den Kopf rauften. Als es aufflog, dass die Ausfälle der Experimentierfreude der Gizmodo-Gang zu verdanken waren, erhielten diese ein lebenslanges CES-Verbot.

Links:
gizmodo.com/confessions-the-meanest-thing-gizmodo-did-at-ces
portfolio.com

Videos:
polylog.tv/wildpark/videocast/11297/

Wahre Visionäre: Hugh Marston Hefner

23. Februar 2008 0 Kommentare

Foto: Alan Light, CC-Lizenz
Foto: Alan Light, CC-Lizenz
Hugh Marston Hefner
(9. April 1926)
Playboy

„Sex ohne Liebe ist besser als gar kein Sex.“

Der Erfinder des „Centerfold“ – dem aufklappbaren Pin-Up in der Magazinmitte – verkaufte seine Möbel um das Startkapital für den „Playboy“ zusammenzukratzen. Der Erfolg des Heftes, mit seiner Mischung aus Erotik, Lifestyle und intellektuellen Beiträgen, schrieb Geschichte.

Links:
bunnystore.de
heise.de
playboy.de
playboy.com
playboyenterprises.com
tagesspiegel.de
web.ard.de
wikipedia.org/Hugh_Marston_Hefner

Ausgeflimmert!

22. Februar 2008 0 Kommentare

Broadband Internet killed the TV-Star

Schlechtwetterlaune im Fernsehland – der Ansturm der digitalen Medien verändert zunehmend die einst so ertragreichen Sendelandschaften. Die Veränderung kommt aber nicht so rasant wie ein “digitaler Tsunami” über uns, wie einige Trendforscher prognostizierten. Vielmehr unterspülen sie die alten Medien langsam aber stetig. Dies belegt auch die neue Studie “Allensbacher Computer- und Technik-Analyse” des bekannten Meinungsforschungseinrichtung Institut für Demoskopie Allensbach (IfD). Hiernach lässt besonders die Jugend den Flimmerkasten in der Ecke verstauben. Ob Nachrichten oder Unterhaltung, das Universalmedium deckt, dank YouTube & Co, sowie den Internetauftritten von Nachrichtenagenturen wie beispielweise Reuters oder LiveLeak, jedes mediale Verlangen. Aber nicht nur die Sender spüren den neuen Trend, auch Videotheken leiden unter den praktischen und oft günstigeren video-on-demand Diensten. Dank Hochgeschwindigkeits-Internet, kommt der gewünschte Film oder die Lieblingsserie in Minuten auf die heimische Festplatte. Oftmals stehen die Blockbuster und Serien-Staffeln hier auch noch eher zur Verfügung als in den Regalen der Verleiher.

Foto: Pixelio.de: knuti
Foto: Pixelio.de: knuti
Ein weiteres Problem sind natürlich auch die nicht ganz legalen Internet-Tauschbörsen. Auch hier bekommt man alles, was man sehen will. Ohne störende Werbung und jederzeit verfügbar.

Aber nicht nur das Fernsehen ist betroffen, auch andere Medien, wie Zeitungen und Magazine, haben das Nachsehen. In der Studie geben rund 30 Prozent der 20 bis 29 jährigen Bürger an, auf gedruckte Information verzichten zu können – sie beziehen ihren Klatsch, Mode-Tipps und Nachrichten aus dem Netz.

Die Studie zeigt aber auch, dass das Internet noch immer nicht flächendeckend zur Verfügung steht, besonders die mobilen Zugänge für Handy und Laptop wachsen langsam. Dennoch ist sicher: die digitale Revolution schreitet voran und es wird Opfer geben. Aber wenn der Fernseher zugunsten einer Chatrunde schweigt, ist das ja nicht schade. Schließlich ist das kommunikativer als starres Glotzen.

Kommentar:
Der Vorteil der digitalen gegenüber den althergebrachten Medien ist deutlich auszumachen – der Computer, als Inbegriff der digitalen Kultur, ist eine zentrale Medieneinheit, die sämtliche Angebote in sich vereint und darüber hinaus weitere neue Arten der Freizeitgestaltung bietet (siehe “Viva Videogames!“). Dieses Leistungspotential ist durch die alten Medien nicht mehr zu toppen. Und mit dem zu erwartenden Siegeszug des elektronischen Papiers, werden auch Tageszeitungen und Magazine auf bedruckten Seiten bald rar werden. Auch wenn dies keine romantische Zukunft ist, so ist sie doch zumindest äußerst praktisch.

Links:
www.ifd-allensbach.de
www.liveleak.com
www.reuters.com
www.youtube.com

Wahre Visionäre: Jeff Bezos

21. Februar 2008 1 Kommentar

Foto: Etech, CC-Lizenz
Foto: Etech, CC-Lizenz
Jeff Bezos
(12. Januar 1964)
Amazon-Gründer

„Manchmal verrennt man sich in dunklen Gassen, aber ab und zu findet man dort auch eine Abkürzung.“

Der Bücherliebhaber folgte seiner eigenen Vision: der Bücherkauf – kompetent, schnell und einfach per Internet. Heute bringt seine Firma den Menschen nicht nur die Freude am gedruckten Wort näher, sonder ist auch das größte virtuelle Kaufhaus weltweit.

Links:
blognoctem.de
blog.firstmedia.de
de.wikipedia.org/Jeff_Bezos
esquire.com
fastcompany.com
faz.net
golem.de
mindsharing.de
stockpunkt.com
vanityfair.de

Die Zukunft ist städtisch!

20. Februar 2008 0 Kommentare

Die Innovationsmaschine der Zukunft sind die Megacitys von heute.

Foto: Pixelio.de: Gasse
Foto: Pixelio.de: Gasse
2007 – das erste Jahr in der Menschheitsgeschichte, in der mehr Menschen in Städten als auf dem Land leben. Und die Städte der Erde wachsen weiter: 2030 werden rund 60 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Räumen ansässig sein. Ziel dieser neuen Völkerwanderung – die Megacitys, Städte, wie das indische Delhi, das nigerianische Lagos oder das japanische Tokio. In diesen Ballungsräumen, wird die Anzahl der Menschen allein bis 2015 um gut ein Viertel ansteigen.

Der Grund für den kollektiven Verstädterungs-Boom: Die Metropolen sind die ökonomischen und kulturellen Wachstumsmotoren der Gegenwart und Zukunft –allein in Tokio werden 40 Prozent des Bruttosozialproduktes Japans erwirtschaftet. Da ist es nicht verwunderlich, dass jeder an dieser schönen, neuen Welt teilhaben will. Dies belegt auch ein Forschungsbericht der UN, der für die nächsten 25 Jahre ein globales Wachstum der Städte von 1,7 Prozent prognostiziert.

Die Studie sieht auch eine Korrelation zwischen der Verstädterung und dem Pro-Kopf-Einkommen: je ärmer die Bevölkerung, desto schneller der Ausbau der Megacitys. Das heißt aber nicht, dass die Baukräne in reicheren Städten generell still stehen – das Anwachsen der westlichen Metropolen ist bis heute ungebrochen, manche Städte, wie beispielsweise London, expandieren ebenfalls schneller als je zuvor.

Dennoch sind diese Entwicklungen nicht mit den langjährigen Trends der Urbanisierung oder Landflucht zu deuten – die Megacitys bedeuten gleichzeitig das Ende anderer Städte und Gemeinden. Nicht jede größere Ansiedlung ist nämlich ein Bevölkerungsmagnet: In den nächsten zehn Jahren werden fünf Prozent aller Städte, vornehmlich in den USA und Europa, mit mehr als einer Millionen Einwohner, einen deutlichen Bevölkerungsverlust erleben, so die Studie der UN.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat den Trend erkannt: Megacitys beginnen zu “Zentren des nachhaltigen ökonomischen Handelns heranzureifen, in denen über die wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit, Lebensqualität und über die ökologische Tragfähigkeit der Weltgesellschaft entschieden wird.”

Aber solche Zentren bringen auch Probleme mit sich. In einer Studie hat Siemens diese herausgearbeitet. Die Forscher des Konzerns beschreiben Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung, Sicherheits- und Logistikprobleme als die großen Herausforderungen der Mega-Städte der Zukunft. Diese Probleme können nicht allein von der Regierung gemeistert werden, gefragt ist auch der private Sektor, um die Nachhaltigkeit und Prosperität der Städte sicherzustellen.

Diesen Herausforderungen gegenüber stehen die Vorteile der Ballungsräume in Innovationsstrategien, Infrastruktur, Lebensstile, Wirtschaft und enger Vernetzung. So bleibt zu hoffen, dass sich die geballte kollektive und kosmopolite Intelligenz, die sich in den Städten von morgen zusammenfindet, gemeinsam diesen Aufgaben stellt.

Kommentar:
Die Bedeutung der Megacitys als Knotenpunkt für Handel, Wissen, Kultur und Industrie steigt. Innovationsfähigkeit und -adaption werden immer mehr zu Kernkompetenzen. Auch die Vernetztheit in einer globalen Welt spielt eine entscheidende Rolle. So liegen heute Berlin und New York näher zusammen, als beispielsweise Berlin und manch gottverlassene Gemeinde im Umland von Brandenburg. Auch die Wirtschaft wird sich noch mehr auf die Metropolen konzentrieren als bisher – lediglich die Produktion wird ausgelagert. Dies wird auch Auswirkungen auf die Mikro-Ökonomie der Megacitys haben. Immobilien, sowie das Lifestyle-Segment, versprechen in den richtigen Städten saftige Gewinne.

Links:
w1.siemens.com
www.dbresearch.com
www.emerging-megacities.org

Wahre Visionäre: John Stuart Mill

19. Februar 2008 2 Kommentare

Foto: Public Domain
Foto: Public Domain
John Stuart Mill
(20. Mai 1806 – 8. Mai 1873)
Feminist & liberaler Vorreiter der Nationalökonomie

„Die verhängnisvolle Neigung der Menschen, über etwas, was nicht mehr zweifelhaft ist, nicht länger nachzudenken, ist die Ursache der Hälfte aller Irrtümer.“

Mills Gedanken zu Staats- und Bildungspolitik sowie zur Freiheit und Feminismus sind heute noch immer zukunftsweisend. Eine lohnende Lektüre, nicht nur für Ökonomen, von denen einige anscheinend gerne Mills humanistischen Überlegungen unter den Tisch kehren.

Links:
aboutit.de
asm-ev.de
wikipedia.org/John_Stuart_Mill
de.wikipedia.org/Utilitarismus
ethikfhbern.blogspot.com
whoswho.de
jsmill.com
philolex.de

Die neuen Shopping-Chimären

18. Februar 2008 0 Kommentare

Die Hybrid-Shops kommen

Foto: Pixelio.de: Gabib
Foto: Pixelio.de: Gabib
Eigentlich kann sich Chris Van Dyke einen erfolgreichen Internet-Unternehmer nennen. Zwar hat er keine Internetplattform, wie Ebay oder PayPal erfunden, dennoch gelang es ihm, allein durch den Internet-Vertrieb, seine amerikanischen Outdoor-Bekleidungsfirma “Nau” bekannt zu machen. Die nicht ganz billige Bekleidung kommt mit einem praktischen wie futuristischen Design aus den Nähstuben und wird ausschließlich aus umweltfreundlichen Materialien gefertigt. Darüber hinaus gehen fünf Prozent des Umsatzes der Firma an gemeinnützige und umweltschützende Organisationen. Doch jetzt beginnt der Unternehmer mit der Eröffnung von vier Ladenlokalen auch in der Offline-Welt Präsenz zu zeigen. Für 2008 sind weitere 20 Filialen geplant.

Chris Van Dyke merkte schnell, dass auch die beste Internetseite Probleme mit sich bringt. Die Kunden können die Kleidungsstücke nicht anfassen, nicht Probe tragen. Daher schwebt Van Dyke ein Hybrid-Konzept vor: Mit seiner Internet-Präsenz möchte er die Neugier der Kunden wecken. Auf den Seiten sollen sie sich mit der Geschichte, den verwendeten Materialien und der Philosophie von “Nau” vertraut machen. Ist das Interesse geweckt, sollen die Kunden den Weg in den Shop finden. Ein gänzlich neues Konzept – wurden doch bisher die Internet-Auftritte oftmals nur als netter Zusatz zu den Angeboten in den Läden verstanden – was verständlich ist, wenn man die Produkte in Billiglohnländern von Minderjährigen zusammennähen lässt. So wurden die Internetseiten meist nur als Showcase für aktuelle Kollektionen verwendet.

Auch das Shop-Konzept unterscheidet sich von der Konkurrenz. In Van Dykes Geschäften sollen sich die Kunden so verhalten können, wie sie es vom Computer gewöhnt sind: Am Bildschirm können die Konsumenten eine Auswahl der Kleidungstücke treffen, für die sie sich interessieren. Diese wird in Minutenschnelle im Lager zusammengestellt und in den Laden zur Anprobe geliefert. Finden sie Gefallen, werden sie nach dem Kauf und auf Kundenwunsch direkt und kostenlos ins Heim geliefert. Das mühselige Tragen der Taschen gehört der Vergangenheit an.

In Japan macht sich neben der Offline/Online-Melange eine andere Form von Hybrid-Shops bemerkbar. Hier verschmelzen die klassisch-rigiden Produktklassen-Shops zu Kundengruppen-spezifischen Läden, beispielsweise Cafés, die auf Mütter mit Kleinkindern spezialisiert sind. Während die Kleinen spielen können, genießen die Mütter einen Tee und können alle Waren erstehen, die junge Mütter benötigen. Ob Windel, Nahrungsmittel, Kosmetika – selbst neue Handys können gekauft werden.

Ein ähnliches Konzept zielt auf die älteren Menschen in Japan. Die neuen Cafés haben das Ziel, dass einziges Ladenlokal zu sein, das die rüstigen Rentner am Tag ansteuern müssen, um ihren Alltag zu meistern. Hier können sie Freunde treffen, tratschen und verweilen. Alle Produkte und Dienstleistungen, die sie für das alltägliche Leben benötigen, stehen bereit.

Die neuen Ladentypen machen sich auf, eine neue Ära der Kundenspezialisierung einzuleiten: Man spezialisiert sich nicht mehr auf die Produkte, sondern auf den Kunden. Das Motto: Für jede Lebenslage einen Shop! Und so kann es schon bald passieren, dass Teeny-Kaufhäuser eröffnen, in denen Erwachsene keinen Zutritt haben.

Kommentar:
Was unter der weiten Bezeichnung der “Hybrid-Shops” von sich reden macht, ist nichts weiter als die konsequente Weiterentwicklung der Idee von Ladengeschäften. Auch die “Tante Emma”-Läden mussten einst zeitgemäßeren Laden-Konzepten weichen. Besonders der Einsatz von Computerterminals zur Warenbegutachtung kann Zukunft haben: Mittlerweile sind die Warenbestände der Shops so unübersichtlich, dass eine digitale Suche Sinn macht. Zukunftsträchtig sind aber auch die kundenspezifischen Shops mit einem an Lebensstil und -lage angepassten Warenangebot: der Erfolg eines Warenhauses, das allein auf die Bedürfnisse von Singles – samt Fitness-, Wellness und Nightlife– abgestimmt ist, wäre sicherlich enorm.

Links:
www.nau.com
www.sustainableindustries.com
trendy.nikkeibp.co.jp