Von Gourmets und gutem Gewissen
29. Februar 2008 0 KommentareEine kulinarische Entwicklungshilfe macht in Vietnam Schule
Mit der Entwicklungshilfe ist es so eine Sache. Oftmals werden große Mengen an Geld gesammelt und in Hilfs-Projekte investiert, die anfangs erfolgversprechend scheinen - später zeigen sich dann aber die Schattenseiten: Kleiderspenden zerstören die einheimische Bekleidungsproduktion, gesponserte Nahrungsmittel führen dazu, das Bauer und Fischer ihre Arbeit quittieren und technische Einrichtungen verfallen, sobald die westliche Betreuung abgezogen ist.

In Vietnam zeigt eine besonders gelungene und leckere Art der Entwicklungshilfe, wie es richtig gemacht werden kann. Ein Beispiel ist das „SOZO“: Das kleine Café in dem Backpacker-Viertel von Ho Chi Minh-Stadt - dem früheren Saigon - ist bekannt für seinen köstlichen Apple Pie, den Bagels, Cookies und Muffins. Die meisten Kunden wissen gar nicht, das sie mit einem Besuch in dem stylischen Bistro nicht nur sich, sondern auch den Straßenkindern von Vietnam Gutes tun - die Belegschaft der Lokalität besteht aus früheren heimatlosen Kindern, die erst hier das Gastronomiegewerbe erlernt haben.
Die private Initiative begann im Jahre 2004 mit dem Engagement zweier Deutscher. Sie kauften einen einfachen Karrenwagen auf dem sie, mit Hilfe von Straßenkindern gebackenen, Cookies an die wachsende Zahl von Touristen verkauften. Auch wenn die Rezepte ursprünglich aus Deutschland mitgebracht wurden, die amerikanischen Kekse wurden ein voller Erfolg.
Schnell sprach sich die Backkunst herum und es wurde genug Geld eingenommen um ein eigenes Café anmieten zu können. Mittlerweile arbeitet eine ganze Anzahl von Festangestellten in dem Café, das nun zu einem wahren Center der kulinarischen Entwicklungshilfe angewachsen ist. Hier lernen jetzt eine Vielzahl von vietnamesischen Kindern die Grundlagen des Backens und der Betriebswirtschaft sowie die englische Sprache. So wurden beispielsweise ein „English Corner“ eingerichtet, in dem sich zweimal wöchentlich vietnamesische Studenten mit Ausländer treffen, um ihre Sprachfähigkeit zu verbessern. Schon werden die Räumlichkeiten des „SOZO“ zu eng und man überlegt, weiter Räume anzumieten. Auch internationale Künstler sind dem Charme des Cafés erlegen – der amerikanische Künstler Hiep Nguyen, der durch seine Technik des „Circle Painting“ berühmt wurde, arbeitet seit langem mit dem SOZO zusammen und unterstützt das Projekt beispielsweise durch Verkauf von Bildern.
Das „Koto“ in Vietnams Hauptstadt Hanoi hat eine ähnliche Geschichte: Auf seine Frage an Straßenkinder, was sie sich in Zukunft wünschen würden erhielt der spätere Gründer des „Kotos“, Jimmy Pham, im Jahre 1996 eine einfache Antwort. „Wir brauchen eine Ausbildung, damit wir später einen Job haben.“
Diese klare Ansage nahm sich Jimmy Pham zu Herzen und gründete einen kleinen Sandwich-Shop, der ebenfalls auf die dickeren Geldbörsen der Touristen zielte. Ein voller Erfolg, aus dem kleinen Laden wurde in wenigen Jahren, eines des erfolgreichsten Restaurants der Stadt, dessen Küchenkreationen und perfekter Service den Vergleich mit internationalen Spitzenrestaurants nicht fürchten muss. So manche der hier servierten asiatisch-westlichen cross-over Gerichte haben schon bei Gastronomie-Kritiker blanke Begeisterung hervorgerufen.
Der Erfolg schafft Gutes: Mittlerweile arbeiten in dem Restaurant 26 ehemalige Straßenkinder in Festanstellung, alle sechs Monate werden 25 Straßenkinder im Alter von 16 bis 22 Jahre, in dem hauseigenen Ausbildungscenter, welches mit Schul- und Schlafräumen ausgestattet ist, für die Gastronomiebranche nach australischen Standards ausgebildet.
Es sind heißbegehrte Schulplätze, schließlich beträgt die Erfolgsrate 100 Prozent - alle Absolventen fanden nach absolviertem Abschluss eine Stelle und konnten das Leben auf der Straße aufgeben.
Kommentar:
Das Essen für einen guten Grund sollte Schule machen. Schließlich lässt sich die Idee leicht adaptieren und bringt im Gegensatz zu vielen anderen sozialen Projekten guten Umsatz und Gewinn. So könnte die soziale Geschäftsidee in jedem Land mit Touristenpotential für volle Restaurants und weniger Armut sorgen. Aber auch in Deutschland könnten viele soziale Einrichtungen, die mit einer eigenen Gastronomie aufwarten können, von den Beispielen lernen und sich kundenorientierter verhalten. Denn mit einem zufriedenen Magen spendet es sich gerne.
Links:
www.circlepainting.com
www.streetvoices.com.au
www.sozocentre.com
www.friends-international.org
www.visithoian.com










