Monatsarchiv für Dezember 2007

Sendepause

21. Dezember 2007 0 Kommentare

Foto: sxc.hu
Foto: sxc.hu
Der MindSharing Blog geht in die Weihnachtsferien. Wir bedanken uns bei unseren gewogenen Lesern und wünschen schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ab Anfang Januar geht es dann mit gewohnt spannenden, interessanten, horizonterweiternden, lesens- und liebenswerten Themen weiter.

Grüsse Ihr MindSharing Team

Agalmics!

20. Dezember 2007 2 Kommentare

Aufbruch in eine Open-Source Gesellschaft

Fragt man einen Ökonomen nach den Grundregeln des Marktes, ist die Knappheit von Ressourcen von ausschlaggebender Bedeutung – ist etwas rar, wird es teuer. Was ist aber, wenn durch Technologie wie Nanotech und Robotik kaum noch Ressourcen – materielle wie humane – bei der Fertigung von Produkten verbraucht werden? Noch sind solche Errungenschaften für das produzierende Gewerbe Zukunftsmusik. Aber die Weichen in eine solche Zukunft sind gestellt.

Der Zungenbrecher „Agalmic“ leitet sich von dem griechischen Begriff „Agalma“ ab, was ein erfreuliches Geschenk bezeichnet. Schon 1999 verfasste Robert Levine ein, bis heute, viel und kontrovers diskutiertes Essay zu dem Thema. Animiert wurden seine Überlegungen von der „Open Source Initiative“, die mit kostenloser Software wie Linux oder Open Office, die kapitalistische Vormachtsstellung von Microsoft & Co in Schranken halten will. Die Ziele sind aber nicht selbstlos: Neben der freien Nutzung sind die User aufgefordert, die Software nach Belieben zu verbessern. Damit dies möglich ist, kann jeder Benutzer auf den Source Code – die grundlegende Programmierung der Software – zugreifen; bei Programmen kommerzieller Anbieter geht dieses nicht. So sorgen die zahlreichen Nutzer der Open-Source Software gleichzeitig für die kontinuierliche Verbesserung der Anwendungen, ohne dass Kosten für Angestellte, Büros oder eine Entwicklungsabteilung anfallen. So kann man beispielsweise Linux als das Produkt eines „agalmischen“, globalen, gemeinnützigen Unternehmens verstehen.

Es entstehen keine Entwicklungskosten und die ganze Gemeinschaft profitiert von einer kostenlosen, aber stetig aktualisierten Software.

Das Modell einer solchen Geschenk-Kultur ist nicht neu. So war es beispielsweise bei den „Kwakiutl“ – einem Indianerstamm aus Kanada Brauch, das Gastgeber ihre Gäste mit nützlichen Alltagsgegenständen versorgten: Man verschenkte das, was man selbst gut anfertigen konnte und erhielt im Gegenzug Waren und Produkte, bei dessen Besorgung oder Fertigung man sich selbst schwer tat – Geld brauchte man keines.

Ein solche Geschenkkultur gibt es auch in der digitalen Welt: Open-Source Software, wie Linux oder das kostenlose Open Office, werden freudig und umsonst an jeden verteilt. Ein Vorteil digitaler Güter – sie können beliebig oft reproduziert werden.

Für die meisten realen Güter gilt dies leider nicht – für eine Flasche Wein braucht es jede Menge Trauben. Und „Replikatoren“, die auf Knopfdruck beliebige Gegenstände kopieren, gehören ins Reich der Science Fiktion – die Frage ist nur, wie lange noch.

Foto: fabathome
Foto: fabathome
Der amerikanische Hersteller „Desktop Factory“ kündigt an, noch dieses Jahr einen 3D-Drucker für günstige 5000 US-Dollar auf den Markt zu bringen. 3D-Drucker sind Apparate, die anstatt Tinte Plastik-Pulver in den Patronen haben und anstelle von Texten dreidimensionale Objekte ausdrucken können. Wenn man sich in Zukunft also selbst einen Oskar, Nobelpreis oder Grammy verleihen will, drückt man einen Knopf und der Ausdruck beginnt: In der Druckerzelle (siehe Foto) entsteht Schicht für Schicht das gewünschte Objekt.

Die Preise der neuen Druckergeneration sollen rasch sinken: In vier Jahren plant man – so Bill Gross, CEO des Mutterunternehmens Idealab – Modelle für unter 1000 US-Dollar in den Handel zu bringen.

Noch können die Drucker nur einfache Objekte aus einem Material erzeugen und werden eher genutzt, um Produkt-Designs oder architektonische Entwürfe zu testen, aber Forscher, wie Neil Gershenfeld, Gründer des „Center for Bits and Atoms“ am MIT, ist sich sicher, dass sich dies bald ändert. Bereits jetzt arbeitet nicht nur das MIT an so genannten „Fabbers“. Dies sind 3D-Drucker, die, durch mehre Ausgangsmaterialien in den Patronen, komplexe Gegenstände ausdrucken können. „Wir nähern uns dem Vermögen an, eine Maschine zu bauen, die jede erdenkliche Maschine fabrizieren kann“, so Gershenfeld. Einem seiner Forschungsteams ist es bereits gelungen, eine Art Halbleiterpartikel-Tinte für den Fabber zu entwickeln. Damit wird es möglich den „ausgedruckten“ Objekten elektronische Schaltkreise hinzuzufügen. Zwar lassen sich noch keine komplexen Computerprozessoren printen – die Auflösung ist noch zu gering – aber die Innovation findet schon konkreten Nutzen.

In Ländern der dritten Welt kann es sehr schwierig sein, Werkzeuge, Ersatzteile oder gar elektronische Komponenten aufzutreiben. Hier schaffen die von Neil Gershenfeld konzipierten „Fab Labs“ bereits heute schon Abhilfe. Die 25.000 US-Dollar teure Fabber-Maschinerie ist eine komplexe, aber mobile Produktionseinheit: In Indien benötigte man dringend Sensoren, die den Fettgehalt von Milch messen können – er gibt Aufschluss über das Verfallsdatum und Verkaufspreis – aber solche Messgeräte waren in ganz Indien nicht aufzutreiben. Heute produziert ein „Fab Lab“ in dem Dorf Pabal die benötigte Elektronik. Die benötigten Baupläne kamen übers Internet, man musste sie lediglich ausdrucken. Die Mini-Fabriken kommen auch in Ghana zum Einsatz, hier versorgen sie die Bevölkerung mit Ackergerätschaften und Autoteilen. Und auch im hohen Norden von Norwegen nutzen Nomaden die Technologie, sie drucken in Eigenregie Funkchips und andere Komponenten zur Überwachung ihre Rentier-Herden.

Aber es gibt eine Auflage für die Verwendung der „Fab Lab“ – die zum Fabber zugehörige Software, sowie verwendete Baupläne sind dem agalmischen Open Source Ideal verpflichtet.

Kommentar:
Ob wir jemals eine gute Flasche Châteauneuf-du-Pape ausdrucken können bleibt fraglich. Sicher ist aber das billige 3D-Drucker oder die noch fähigeren Fabber gewaltiges Potenzial zur Veränderung in der Produktion von Gütern bergen. Wenn Millionen von Menschen diese kreativen Möglichkeiten nutzen können, beginnt eine Open Source-Revolution der Alltagsgegenstände. Milliarden Objekte, von Aschenbechern bis hin zu Zettelkästen, wären als ausdruckbare Downloads frei erhältlich – die agalmische Community würde dafür sorgen. Auch die medizinische Forschung ist bereits am Drucker interessiert. Ihr Traum: Spenderorgane aus dem Drucker – anstatt mit Plastik werden die Druckpatronen mit menschlichen Zellen gefüllt – auch die Knappheit von benötigten Transplantaten wäre damit beendet. Science Fiction? Vielleicht. Aber ist es nicht oft die Wissenschaft, die aus Fiktion Realität werden last?

Links:
cba.mit.edu
www.bpb.de
www.desktopfactory.com
www.fabathome.org_1
www.fabathome.org_2
www.gnu.org
www.idealab.com
www.linux.de
www.opensource.org
www.openverse.com

Ozeanischer Lifestyle

19. Dezember 2007 3 Kommentare

Das Meer, die Menschen und die Zukunft des Wohnens

Foto: Promo: theworld.ae
Foto: Promo: theworld.ae
Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktoum, Kronprinz von Dubai und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, hat ein spektakuläres Bauprojekt gestartet: Vier Kilometer vor der Küste von Dubai soll, durch aufgeschütteten Sand, eine künstliche Inselgruppe im Abbild einer Weltkarte entstehen (siehe Foto). „The World“, so der Name des Megaprojektes, soll später aus 300 Inseln bestehen und eine Fläche von 9 x 6 Kilometern umfassen. Die Investitionen von rund 7,6 Milliarden US-Dollar trägt der Staat. Schon jetzt ist das Kaufinteresse für die einzelnen Inseln, die sich nur per Boot oder Helikopter erreichen lassen, trotz veranschlagten Kaufpreisen von mehreren Millionen Euro, enorm. Ein Besitzer kann sich schon heute über seine eigene kostenlose Insel freuen – Michael Schuhmacher erhielt von Scheich Maktoum zum Abschied seiner Rennkarierre eine der Inseln als Geschenk. Jetzt denken Michael und Corinna darüber nach, wie sie ihren luxuriösen Sandhaufen nutzen sollen und überlegen, eine Kartbahn auf der Insel zu errichten. Zeit zum Nachdenken haben sie noch – das Eiland wird erst in zwei Jahren fertig. Mit diesem exklusiven Geschenk macht der Scheich aber auch gleich klar, welche Bewohner er sich für sein Luxus-Archipel wünscht. Das Inselparadies soll einmal von rund 150.000 Menschen bevölkert werden. Zieht man Dienstleister, Beamte der eigenen Polizei und Küstenwache und das Personal der gemeinschaftlichen Einrichtungen wie Boutiquen, Supermärkten, Postämtern und deren Lieferanten ab, wird klar, dass als Residenten nur die oberen Zehntausend von diesem tropischen Dienstleistung-Inselkette angesprochen werden.

„The World“ ist nur ein Beispiel, wie das zukünftige Leben auf dem Meer aussehen könnte. Die schwedische Firma OCCT – Oceanic-Creations Composite Technology ging aus der schwedischen Marine hervor und hat sich auf die Konstruktion von schwimmenden Behausungen spezialisiert. Gerade arbeiten ihre Planer an einem schwimmenden Bürogebäude, das, an Küsten oder Flussufern vertaut, Arbeit und Naturerlebnis vereinen soll. Ein weiteres Projekt ist das „Maya Hotel“ – eine futuristisch anmutende, exklusive, schwimmende Bettenburg, die gegenüber ihren Festlands-Schwestern aus Beton und Stahl geringe Unterhaltkosten verursacht und auch noch jede Menge Energie einspart.

Kommentar:
Es scheint, dass es menschlich ist, sich neuen Wohnraum zu erschließen (siehe „Mobile Housing“, Future Research No. 05). Mit neuen Erkenntnissen in Materialkunde und Konstruktionsweisen lassen sich neue Lebensräume erschließen. Noch braucht es wagemutige und finanzkräftige Visionäre wie Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktoum, die als Vorreiter fungieren. Er zeigt, dass sich auch Megaprojekte realisieren lassen. Noch sind die Preise astronomisch, kommt es aber zur Massennutzung, werden die Preise fallen. Und sollten sich die Prognosen der Klimaforscher bewahrheiten, dürfte die Nachfrage nach Experten und Technologien für den ozeanischen Lebensraum bald drastisch steigen.

Links:
www.oceanic-creations.com
www.theworld.ae
www.theworld.dubai-city.de
Sweet-Home-Container
Mobile Housing

Kuscheliger Umweltschutz

17. Dezember 2007 0 Kommentare

Öko-Pelze – eine schlaue Art von Luxus

Die Kampagnen waren erfolgreich – spätestens seit sich Supermodels wie Christy Turlington, Cindy Crawford, Naomi Campbell und Nadja Auermann für die Fotostrecken „Pelz hat mit Schönheit nichts zu tun“ und „Lieber nackt als Pelze tragen“ hüllenlos ablichten ließen, wurden Pelze zum Ladenhüter. Wer Handschuhe, Decken oder Mäntel aus Tierfell besaß, musste so manchen Rüffel aus dem Freundeskreis ertragen.

Foto: Promo
Foto: Promo
Schon bald könnte sich allerdings ein ähnliches Aufgebot an Prominenz in Bewegung setzten, um so manchen Pelz wieder populär zu machen – einige pelzige Arten haben sich derartig vermehrt, dass selbst Tierfreunde und Umweltschützer froh sind, wenn es den Tieren an den Kragen geht. In Neuseeland nagen sich mittlerweile rund 70 Millionen Oposums durch die letzten Urwälder und bedrohen Pflanzen und Tiere. Die Bestände des neuseeländischen „Pohutukawa“ – des Feuerbaums – gingen um 80 Prozent zurück. Darüber hinaus machen sich die Beuteltiere auch über Vogelnester her und sogar der Kiwivogel, das Wappentier Neuseelands, steht vor der Ausrottung. Mittlerweile hat selbst Greenpeace zu der Dezimierung der „Kettensägen im Pelz“ aufgerufen.

In Australien ist es ein anderer Räuber, der Mensch und Tier zu schaffen macht: der Rotfuchs. 1872 wurde er auf dem Kontinent ausgesetzt und vermehrte sich seitdem prächtig. Heute macht man ihn für den Rückgang von 40 anderen Tierarten – die alle auf seinem Speiseplan stehen – verantwortlich. Aber auch in Europa gibt es pelzige Plagegeister. Die Bisamratte hat hier keine natürlichen Feinde – der Nager wurde aus Nordamerika importiert. 1930 gelang dem flinken Vierbeiner der Massenausbruch aus einer französischen Farm. Entlang von Flussläufen machte er sich dann auf, ganz Europa zu besiedeln. Bisamratten unterhöhlen Ufer und fressen die letzten Bestände an Süßwassermuscheln. Allein in Niedersachsen werden jedes Jahr bis zu 200 000 Tiere gefangen, um die größten Schäden zu vermeiden.

Doch das Problem können die Regierungen nicht alleine meistern. Zwar sind die Behörden mittlerweile dazu übergegangen, Jagdprämien auf die diversen Schädlinge auszusetzen, dennoch lohnt sich das Geschäft kaum –die Bedrohung wächst weiter. Ein Irrsinn, so die Meinung einiger Firmen, denn das Fell der Tiere ist einiges wert. So ist es völlig unnötig, dass heutzutage Steuergelder für die Tötung der Tiere ausgegeben werden und die Kadaver anschließend in der Tierkörperbeseitigung landen, denn man vergeudet kost- und nutzbare Ressourcen. In der Schweiz werden jährlich rund 38.000 Fuchsfelle ungenutzt dem Feuer übergeben. Eine riesige Verschwendung, es mangelt nur am Verständnis der Bevölkerungen für diese Art von öko-freundlichen Pelzen. Gerade beginnen einige Hersteller, wie Lorighoven, Ecowool und Rotfuchs, Pelz als ökologisch sinn- und wertvolles Naturprodukt neu zu entdecken. Und schon bald dürfen Supermodels und andere Menschen ihre Körper mit gutem Gewissem mit Pelz bedecken.

Kommentar:
Machen wir uns nichts vor, das Problem ist hausgemacht: Als erstes wurden Tierarten zur Zucht in Länder gebracht, in denen sie nichts zu suchen hatten – dort wurden sie unter alles anderem, als den Bedingungen einer artgerechten Haltung zu Pelzen verarbeitet. Aufgrund von menschlichen Versagens entkamen sie aus den Käfigen in die nicht-heimische Freiheit, vermehrten sich – ganz zum Schaden der heimischen Flora und Fauna. Dann sorgten die Kunstfaser und Tierschutzkampagnen dafür, dass selbst Kunden und Kürschner sich nicht mehr für die Tiere interessierten, so dass aus erneuter Verantwortungslosigkeit weitere Schäden für Mensch und Tier entstehen konnten. So wird es Zeit, dass man sich auch um die Folgeschäden bemüht. Um so besser, wenn man dabei noch Geld verdienen und schick aussehen kann.

Links:
www.ecowool.com
www.peta.de
www.loringhoven.de
www.rotfuchs.ch
Virtuelle Tierversuche

Gekonntes Adaptieren

16. Dezember 2007 3 Kommentare

Der Trend des Me-too Effektes hält an. Das Phänomen ist leicht erklärt: Im digitalen Zeitalter lassen sich viele Internet-Geschäftsideen mit einem Minimum an Aufwand leicht kopieren. So machten es einst auch die Samwer-Brüder. Bereits 1999 bastelten sie mit der Auktionsplattform „Alando.de“ das amerikanische Ebay nach. Es war eine lohnende Kopie. Bereist sechs Monate später bekamen sie Besuch von einem Ebay-Angestellten, der ihnen die Seite für 43 Millionen US-Dollar abkaufte. Und der Trend hält an, die YouTube-Idee wurde in Deutschland zu Clipfish, aus Flickr Photocase, aus dem Miniblog Twitter wurden die deutschen Frazr und Wamadu.
Aber auch deutsche Ideen werden gerne adaptiert, bei Direktzurkanzlerin.de können politisch Interessierte Fragen an Angela Merkel formulieren. Die drei spannendsten Fragen werden dann im Kanzleramt beantwortet. Nachahmer gibt es mittlerweile in Amerika, bei straight2thecandidates.com können ebenfalls eine Anzahl von Politikern und Politikerinnen zu ihrem Wahlkampf befragt werden.

Kommentar:
Im Netz verbreiten sich Ideen so schnell wie nie: Findigen und willigen Entrepreneuren steht heutzutage ein breites Feld von Geschäftsmöglichkeiten zur Verfügung. Die zukunftsträchtigsten Trends aus aller Welt stellen wir regelmäßig im Future Report vor. Warum also warten und anderen das Geschäft überlassen? Auf zum fröhlichen Klonen!

Das Geheimnis der grünen Box

14. Dezember 2007 1 Kommentar

Aus Abgasen wird Sprit

Eine fast unglaubliche Geschichte: während Universitäten und Entwicklungsabteilungen zahlreicher Konzerne Millionen ausgeben, um der Schadstoff-Emission Herr zu werden, scheinen drei Angler aus Wales das Problem gelöst zu haben. Die drei Freunde entwickelten einen kleinen Kasten, den sie „Greenbox“ tauften. Angebracht und verbunden mit dem Auspuff, werden zwischen 85 bis 95 Prozent aller ausgestoßenen Treibhausgase – inklusive des Kohlenstoffdioxids und des Stickoxids – aufgefangen und konserviert. Das einzige, was die Box verlässt, ist Wasser.

Foto: haspo-transportgeraete.de
Foto: haspo-transportgeraete.de
Die Erfindung dieser Schadstoff-Angel war – wie bei so vielen bahnbrechenden Innovationen – rein zufällig. Eigentlich arbeiteten der Chemiker Derek Palmer und seine zwei Kollegen, die Ingenieure Ian Houston und John Jones, an einer Methode, mit Hilfe von Kohlenstoffdioxid das Wachstum von Algen zu beschleunigen, um damit wiederum die Fischzucht zu verbessern. Während ihrer Arbeiten an diesem Projekt entwickelten sie die Verfahren zum Filtern und Konservieren von Abgasen. Nach eigenen Angaben sind sie jetzt schon in der Lage, eine Greenbox zu konstruieren, die die Schadstoffe einer vollen Tankfüllung aufnehmen kann. So hätte man in Zukunft an der Tankstelle dann zwei Aufgaben zu erledigen: Den leeren Tank zu füllen und die volle Schadstoffbox zu entleeren.

Doch der Clou der drei findigen Briten liegt nicht allein in der Konservierung der Abgase, auch zum Abbau der Schadstoffe haben sie ein geniales Verfahren parat – sie verwandeln sie in Benzin! Durch eine chemische Reaktion wird aus den Schadstoffen brauchbares Futter für Algen. Und diese können dann leicht in Bio-Diesel verwandelt werden – ein gelungener Kreislauf.

Die Greenbox eignet sich aber nicht nur für Automobile, so die Erfinder. Sie planen in ihrem frisch gegründeten Unternehmen „Maes Anturio Limited“ auch Versionen für Gebäude bis hin zur Schwerindustrie zu entwickeln.

Die Technik in der Greenbox ist indes streng geheim – nicht einmal die Frauen der grünen Bastler haben einen Einblick bekommen. Nach jeder Vorführung und jedem Test wird die Technologie in drei Teile zerlegt, wobei jeder der Erfinder einen Teil des Puzzels mit nach Hause nimmt.

Die Ergebnisse der Vorführungen ihrer Technologie haben beeindruckt: Toyota, General Motors und einige andere Firmen, die ungenannt bleiben wollen, haben bereits Verhandlungen aufgenommen. Auch die britische Regierung hat sich eingeschaltet und bot ihre Hilfe bei der weiteren Entwicklung der Technologie an. Denn die Staatsmacht will sichergehen, dass die Technologie und ihre Produktion im Königreich verbleiben.

Kommentar:
Die grüne Revolution beginnt! Es brauchte Jahrzehnte bis die Menschen die Gefahren des Raubbaus an der Natur erkannt haben. Es ist wieder erst die Not, die erfinderisch macht und die Investitionsbereitschaft weckt. Erfindungen, wie die Greenbox oder der Lightning GT (siehe „Schnell wie der Blitz“, Future Research No. 07), demonstrieren, dass man auf die Vorteile und Leistungen nicht verzichten muss, um die Umwelt zu schützen. Alles was es braucht, ist kluge Innovation.

Links:
Wasserstoff - Energieträger der Zukunft?

Macht es wie die Bienen

13. Dezember 2007 0 Kommentare

Foto: Maren Beßler, pixelio.de
Foto: Maren Beßler, pixelio.de
Die Schwarmintelligenz der Bienen gilt an dem Georgia Institute of Technology als großes Vorbild. Ohne zentrale Kommandostelle sorgen die Drohnen für den stetigen Nachschub an Honig für Volk und Königin. Alle Bienen sind ständig im Einsatz, nie liegt eine auf den faulen Flügen − ein Beispiel für äußerste Effizienz.
Diese Leistungsfähigkeit resultiert aus dem Kommunikationssystem der Bienen, dem Bienentanz, mit dem sich die Bienen untereinander ständig über alles neue, wie den nächstliegenden Honigvorkommen auf dem Laufenden halten. Die amerikanischen Forscher erhoffen sich durch die Adaption die Leistung von Servern erheblich zu verbessern. So haben ein Bienenstock und ein Netz aus Servern einiges gemeinsam: Beide müssen sich auf stetig wechselnde Bedingungen einrichten. Bei den Bienen ist es das wechselnde Wetter, die verschiedenen Ernteflächen und -vorkommen für den Honig, bei Servern sind es die unterschiedlichen Nutzer- und Leistungsanfragen. Oftmals übernimmt ein einzelner Server auch nur eine Aufgabe. Das bedeutet, das bei wenigen Anfragen der Server im Leerlauf arbeitet, während er bei steigenden Anfragen schnell überlastet ist. Würde ein Netzwerk aus Servern, Aufgaben und Anfragen ähnlich kommunizieren und aufteilen wie die Bienen, ließe sich die Leistung von Serverfarmen um 4 bis 25 Prozent steigern, so der Bericht auf Physorg.com.

Kommentar:
Besser im Schwarm als allein: Von dem relativ neuen Forschungsfeld der Biomimetik − der Art und Weise, wie sich biologische Prinzipien auf Design und Technik übertragen lassen − lassen sich in Zukunft auf sämtlichen Gebieten, wie der Kommunikationstechnik, der Medizin und dem Ingenieurswesen spannende Ergebnisse erwarten.

Bildung aus der Muschel

12. Dezember 2007 0 Kommentare

Foto: Nils Frese, pixelio.de
Foto: Nils Frese, pixelio.de
In Japan ist das Handy beliebtester Begleiter, kein Wunder also, dass die Cyber Universität jetzt Vorlesungen auf dem Handy anbietet. Das Fernstudium für unterwegs liefert Unterrichtsmaterial a la Powerpoint auf das Display, während aus der Sprechmuschel oder Kopfhörer die Vorlesung ertönt. Zwar gab es auch Proteste gegen diese Art des Studierens, dennoch ist Uni-Direktor Sakuji Yoshimura sicher, dass diese Art des Unterricht nicht schlechter als der herkömmliche ist, schließlich kann auch niemand die Studierenden in einem Hörsaal zwingen zuzuhören.

Kommentar:
Die Cyber Universität gehört mehrheitlich dem japanischen Kommunikations-Riesen Softbank, der sonst Internetanschlüsse und Online-Spiele vertreibt. Darüber hinaus gehören dem Unternehmen die japanischen Yahoo-Seiten. Auch übernahm der Konzern gerade erst die gesamten Anteile von Vodafon in Japan. Jetzt fragen sich viele zurecht, ob dieser Konzern auch im Geschäft mit der Bildung große Anteile für sich gewinnen will.

Schnell wie der Blitz

11. Dezember 2007 1 Kommentar

Der englische Autobauer Lightning läutet das endgültige Ende der
Benzinmotoren ein.

Auch wenn schon seit Jahren über die Vorteile von Elektroautos diskutiert wird, so richtig populär wurden die leisen Autos nie. Zu langsam, zu leistungsschwach waren die Motoren, zu lange die Ladezeit der Batterieblöcke. Mit gleich zwei Innovationen will der britische Automobilhersteller Lightning das nun ändern und stellt stolz die nächste Generation von Elektroautos vor – den „Lightning GT“. Einen Muskelprotz, der es in sich hat: 700 PS beschleunigen die aus Kevlar und Kohlefasern gefertigte Karosse in vier Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die erste Besonderheit, die dies möglich macht, sind die vier Radnarbenmotoren, die direkt an den Rädern angebracht sind. Einen zentralen Motorblock sucht man vergebens, unter der Motorhaube befindet sich ein zusätzlicher Kofferraum.

Foto: Promo Lightning Cars
Foto: Promo Lightning Cars
Das zweite Highlight des Renners ist die Batterie – Schwachpunkt aller bisherigen Elektroautos und zugleich das größte Problem für einen Durchbruch der benzinfreien Automobile: zu lang war die Ladezeit und zu schnell ließ die Leistungskraft nach. Dagegen hören sich die Leistungen der im Lightning GT verwendeten Speicherzellen rekordverdächtig an. Die High-Tech Akkus laden an der Steckdose in knapp zehn Minuten und sollen mindestens zwölf Jahre halten – und noch nach 15.000 Ladevorgängen 85 Prozent der Leistung bringen. Multipliziert man dies mit der prognostizierten Reichweite von rund 400 km pro Ladung ließe sich circa 130-mal die Erde umrunden, bevor die Batterien den Geist aufgeben.

Die auf Nanotechnologie beruhende Technologie, die diese Akkus möglich macht, kommt von der erst sieben Jahren alten, amerikanischen Firma „Altairnano“. Das Unternehmen verblüffte mit Ergebnissen in der Material- und Nanotechnologie und arbeitet dank ihrer Erfolge eng mit alteingesessenen Unternehmen, wie dem Automobilhersteller General Motors und Phoenix, sowie dem Militär zusammen.

So hat diese Technik ihren Preis: der Lightning GT kostet rund 220.000 Euro. Kein Schnäppchen, aber man spart auch jede Menge Sprit: bei einem vergleichbaren, Super-saufenden Sportwagen und 20.000 gefahrenen Kilometern pro Jahr sind das rund 15.000 Euro.
Aber das ist erst der Anfang: schon erprobte man Akkus und Radnarbenmotoren erfolgreich in einem Mini – der Massenmarkt ruft.

Kommentar:
Die Daten des Lightning GTs überzeugen selbst eingefleischte Motorsport-Fans. Es bleibt nur eine Frage der Zeit, bis der erste Formel-Eins-Wagen seine Benzin-Brüder das Fürchten lehren wird. Es dauert halt eine Technologie zur Marktreife zu bringen. Schließlich darf man den jahrzehntelangen Vorsprung des Benzinmotors nicht außer Acht lassen. Sicherlich haben auch die Unsicherheiten und steigende Preise der fossilen Brennstoffe ihren Teil dazu beigetragen, die Forschungen nach Alternativen zu beschleunigen. Und sofern eines Tages unser Strom aus regenerativen Quellen fließt, rückt der Traum einer komplett abgasfreien Autowelt ein Stück näher.

Links:
www.altairnano.com
www.lightningcarcompany.com
www.manager-magazin.de
Rollende Landstraße - Dem Fahrer und der Umwelt zu Liebe

Die Maus Methusalem

10. Dezember 2007 0 Kommentare

Foto: Dieter Hauk, pixelio.de
Foto: Dieter Hauk, pixelio.de
Amerikanischen Forschern der Universität Stanford in Kalifornien ist es gelungen, die Haut von Mäusen zu verjüngen. Dazu schalteten sie ein Gen durch genetische Manipulation ab und erstellten eine Salbe, die, auf die Haut aufgetragen, im Wechselspiel mit dem blockierten Gen den Alterungsprozess rückgängig machte. „Damit sei bewiesen, dass Altern die Folge eines ständig aktiven genetischen Programms ist, das zur Verbesserung der Gesundheit ausgeschaltet werden kann.“, so Howard Chang, Leiter des Forscherteams. Die vollständige Studie soll am 15. Dezember in der Fachzeitschrift „Genes and Development“ publiziert werden.

Kommentar:
In der Fachsprache spricht man bei den leidlichen Nebenerscheinungen eines hohen Alters nur noch von „altersbedingten“ Krankheiten. Und eine ganze Schar vom intelligenten Forschern mit großen Budgets macht sich jetzt auf diese zu bekämpfen. Kein Wunder, würden doch eine „Verjüngungscreme“ Milliarden einbringen.

Die Plastik-Revolution

9. Dezember 2007 0 Kommentare

Forscher entdecken die ungeahnte Vielseitigkeit von Kunststoffen

„Das Kunststoffzeitalter hat begonnen.“, so Manfred Rink, Vizepräsident des Bereiches New Business bei der Bayer MaterialScience AG in Leverkusen und untermauert seine Aussage mit den jüngsten Errungenschaften seiner Ingenieure und Forscher. Eine davon ist „Puresonic“ – einem Plastik, das, in dünnen Schichten, beispielsweise als Wandverkleidung angebracht, alle herkömmlichen Lautsprechersysteme in den Schatten stellt. Dank der Schalleigenschaften des Materials funktioniert der Schallkunststoff selbst wenn er unter Putz oder einer Marmorverkleidung angebracht ist. „Die Technologie eignet sich besonders für Lautsprecheranlagen in Flughäfen oder Bahnhöfen“, so Eckard Foltin, Leiter des Creative Center bei Bayer MaterialScience, aufgrund seines Schwingungsverhaltens. Durchsagen bleiben so auch im Hintergrundlärm klar verständlich.“ Aber Rink geht noch weiter: „Die Entwicklung geht hin zu ‚smart surfaces’, zu intelligenten Oberflächen aus Kunststoffen.“ Diese sollen, so Rink, einst nicht nur zum Klingen gebracht werden, sondern auch auf Signal zwischen „transparent“ und „undurchsichtig“ hin und her schalten können. So sollen Kühlschranktüren auf Knopfdruck den Blick auf die Vorräte freigeben. Ein cooler und strom- sparender Effekt.

Foto: MIT
Foto: MIT
Die Plastik-Visionen Rinks haben Hand und Fuß: 1977 entdeckten die Chemiker Alan Heeger, Alan McDiarmid und Hideki Shirakawa, dass durch bestimmte Kunststoffe sehr wohl Strom fließen kann und wurden dafür 2000 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Mittlerweile beginnt man diesen Effekt für Displays aus „organischen Leuchtdioden“ (OLED) zu nutzen. Wie in einem Sandwich werden spezielle Polymere als Schicht zwischen zwei Elektroden platziert. Stellt man den Strom an, beginnen Elektronen ins Polymer zu fließen um sich zu vereinigen. Treffen sie aufeinander, erzeugen sie einen Lichtblitz. Da dies millionenfach in der Sekunde passiert, gewinnt das menschliche Auge den Eindruck von einem konstanten Licht. Je nach Sorte des verwendeten Kunststoffes kann dabei der Lichtblitz die verschiedenen Farben des Lichtspektrums annehmen: von blau über gelb bis rot.

Beim Elektronikkonzern Philips hat man auf Basis dieser Technik bereits den Prototypen eines extrem flachen Bildschirms hergestellt. „Ich gehe davon aus, dass großflächige OLED-Fernseher bis Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen“, sagt Mark Overwijk, Leiter der der Abteilung Flachdisplays bei Philips. Der Vorteil solcher OLED-Monitore gegenüber herkömmlichen Flachbildschirmen ist immens: sie leuchten aus sich heraus und das Bild ist selbst aus schräger Ansicht noch klar zu erkennen.

„Bei dieser Plastikelektronik steht uns eine Revolution ins Haus“, ist sich auch Ulrich Schubert, Chemiker an der TU Eindhoven, sicher. Er und sein Team haben es fertig gebracht OLEDs mit einem herkömmlichen Tintenstrahldrucker herzustellen. Hierfür werden einfach Polymere mit einem Lösungsmittel gemixt und in eine Tintenpatrone gefüllt und dann auf eine Trägerfolie gedruckt. Schubert ist sicher, der Bildschirm der Zukunft kommt aus dem Drucker und wird selbst in Übergrößen bezahlbar. „Den können Sie sich auch einfach an die Wand hängen“, sagt Schubert. „Wenn Sie nicht fernsehen, nutzen Sie ihn eben als Bild oder Beleuchtung – er kann auch wie eine Jalousie eingerollt werden.“, so Schubert.
Beinahe noch fantastischer klingen die Forschungsergebnisse von Nancy Sottos, Professorin für Material- und Ingenieurwissenschaften an der University of Illinois in Urbana-Champaign (UIUC). Sie hat einen Kunststoff entwickelt, der sich selbst heilen kann – wer hat noch nicht davon geträumt, dass der selbstverschuldete Kratzer im Autolack über Nacht verschwindet?

Sottos Material macht es möglich. Das Material orientiert sich dabei an der menschlichen Haut: wenn deren äußere Schutzschicht verletzt wird, schickt die innere Schicht, die aus einem dichten Netzwerk aus kleinen Blutgefäßen besteht, Stoffe an die betroffene Stelle, um die Heilung einzuleiten. So funktioniert auch das UIUC-Polymer: gibt es einen Kratzer, treten aus Mikrokanälen kleine Mengen einer flüssigen Regenerierungssubstanz aus. Bis zu sieben Mal soll sich das Material so regenerieren lassen. Das Anwendungsgebiet scheint riesig: Über den Autobau bis hin zu Prothesen und Implantaten aus biokompatiblen Materialien – selbstheilende Materialien könnten viele Märkte und Technologien revolutionieren. Noch sind Sottos Materialen sehr teuer und werden zunächst nur in industriellen High-End-Bereichen wie der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen. Doch in naher Zukunft schon könnten die Preise fallen und diese Technologie auch für Massenprodukte erschwinglich werden.

Kommentar:
Eins ist sicher, in Zukunft werden wir nicht mit weniger, sondern mit mehr Plastik leben. Wie die Beispiele verdeutlicht haben, bieten Kunststoffe neben der Verwendung als Plastiktüte noch weitere faszinierende Möglichkeiten. Auch Umweltorganisationen erkennen an, dass Kunststoffe ökologische Vorteile haben können: Während ein Kilo Baumwolle vom Pflanzen bis zur Ernte 8.000 Liter Wasser benötigt, genügen für die Herstellung eines Kilos Polyacrylfasern 210 Liter. „Im Vergleich zu konventionell angebauter Baumwolle schneiden Synthetics in der Ökobilanz gar nicht so übel ab“, urteilte sogar das Greenpeace-Magazin.

Links:
www.engr.uiuc.edu
www.heise.de
www.greenpeace-magazin.de
www.princeton.edu
www.research.philips.com
Das Aus des Siliziums

Der digitale Zwilling

8. Dezember 2007 0 Kommentare

Einen spaßiger Blick in die Zukunft: noch steckt künstliche Intelligenz in den Kinderschuhe, aber schon jetzt träumt man von einem digitalen Sekretär, der für uns rund um die Uhr alle lästigen Aufgaben im Netz erledigt. Noch sind solche Systeme Wunschdenken, aber Dank dem Angebot von „MyCyberTwin“ lässt sich spaßiger Blick in die Zukunft erhaschen. Bei „MyCyberTwin“ können die User einen persönlichen Chat-Bot kreieren, der sich in die eigene Homepage einbauen lässt und als Stellvertreter dient, wenn man mal nicht persönlich am Rechner sitzt.

Foto: Lichtenstein Media
Foto: Lichtenstein Media
Damit der digitale Zwilling dem Original ähnelt, muss er allerdings erstmal die Schulbank drücken: 79 persönliche Fragen zu der eigenen Meinung über Politik, Sex, Religion & Co. müssen beantwortet werden, damit die Illusion der Verwandtschaft entsteht. Um ihn weiter zu personalisieren können dann zusätzlich weiter 1000 Fragen beantwortet werden.
Für die private Verwendung ist der Service beinahe kostenlos: Alle 28 Tage erhält der digitale Zwilling hundert Kredit-Punkte − bei jedem Chat, den ein Besucher mit dem digitalen Diener hat, wird einer davon verbraucht. Für alle weiteren Chats, die der Klon hält, fallen 20 US-Cents an Gebühren an.
Auch besteht die Möglichkeit den persönlichen Chat-Bot in die virtuelle Welt von Second-Life zu entlassen, wo er in Abwesenheit seines Herrn und Meisters die Gäste unterhalten kann. Dieser Dienst ist allerdings nicht kostenlos − für Privatpersonen fallen einmalig 25, für die kommerzielle Variante 250 US-Dollar an Bearbeitungsgebühren an.

Kommentar:
MyCyberTwin ist nicht mehr als eine personalisierte Variante des alten Chat Programms „Eliza“, dass bereits 1966 mit einer ähnlichen Programmierung einen Psychologen simulieren sollte. Dennoch ist die Begeisterung für „MyCyberTwin“ enorm. Bis jetzt sind 22.373 digitale Zwillinge online und auch ein paar Prominente, wie Paris Hilton oder auch Bart Simpson haben schon einen digitalen Vertreter. So scheint es sicher, dass eines Tages jeder Computernutzer einen virtuellen Gehilfen als Vertretung im Netz haben wird.

Links:
Virtuelle Tierversuche