Die Verantwortung für die Zukunft

26. November 2007, 08:00 Uhr RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback

Vom Wert der Werte

Ökologisches Bewusstsein liegt im Trend: spätestens seit der Ex-US-Vizepräsident Al Gore mit seinem Globalisierungs-Schocker „An Inconvenient Truth“ die Kinosäle der Multiplex-Kinos füllte, hat die Erkenntnis, dass die weltweit steigende Industrialisierung und deren Nebenerscheinungen dramatische Folgen haben kann, die Menschen erreicht. Auch andere Prominente beginnen sich für die Gesundheit von Mutter Erde stark zu machen und rufen damit auch bereits erkannte Probleme der Globalisierung, wie Kinderarbeit und Tierschutz, in die Erinnerung zurück. Um ein Zeichen gegen die negativen Seiten der Globalisierung zu setzen, beginnen Konsumenten sich der anonymen „Je billiger, desto besser“-Mentalität des Massenmarktes zu entsagen.

Bis vor ein paar Jahren interessierte sich kaum ein Mensch dafür, wo, von wem und mit welchen Auswirkungen auf die Umwelt ein Produkt gefertigt wurde. Dies ändert sich jetzt – die Konsumenten beginnen sich für ihre Kaufentscheidung verantwortlich zu fühlen.

Erste Anzeichen für diesen Umschwung lassen sich in der Lebensmittelbranche beobachten: Der Früchteexporteur „Dole“ bietet mit seinem Projekt „Dole Organic“ Information über Herkunft und Hintergrund seiner Früchtchen: auf Produkt-Aufklebern befindet sich ein fünfstelliger Code – gibt man diesen auf der Internetseite ein, lassen sich umfangreiche Informationen zu den einzelnen Lebensmitteln aufrufen. Selbst Fotos der Anbaugebiete, von Arbeitern und Farmen sind vorhanden – die anonyme Produktion wird so sichtbar und persönlich.

Was für Früchte funktioniert, klappt selbstverständlich auch mit anderen Produkten. Das Unternehmen „MyFreshEgg“ nutzt die Eierschale als Medium und druckt darauf sämtliche Informationen über dieses spezifische Ei: Vom Bauern bis zum Kühlregal, jeder Schritt wird gelistet.

Auch der Fastfood-Riese „McDonalds“ hat diesen Trend erkannt und betont in seinen neusten Werbekampagnen die einwandfreie und lokale Herkunft seiner Waren und gibt sich damit ein lokales Gesicht. Mit doppeltem Erfolg: Zum einen bietet er mit der Garantie, dass Fleisch, Salat und Burgerbrötchen für alle heimischen Filialen auch in Deutschland produziert werden – eine zumindest imaginierte Qualitätssicherheit – zum anderen verleiht sich der Konzern damit einen gemeinschaftlichen Sinn: kauft man einen Burger, unterstützt man die heimischen Bauern.

Foto: Promo
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In diesem Bewusstsein von der Gemeinschaft liegt auch der Erfolg des Bekleidungsherstellers „American Apparel“ begründet. Kein Produkt wird in China oder Indien kostengünstig zusammengenäht, sondern im vergleichsweise teuren Los Angeles. Gründer Dov Charney (siehe Foto) hat damit bewiesen, dass ein Unternehmen auch dann erfolgreich sein kann, wenn es auf die Produktion in Niedriglohnländern verzichtet. Mittlerweile beschäftig „American Apparel“ rund 5000 Mitarbeiter am amerikanischen Hauptsitz und betreibt 145 Filialen weltweit. Der Börsengang ist geplant.

Der Schuhhersteller „Timberland“ beweist seine globale Verantwortung mit einer Kampagne, die passenderweise „Our Footprint“ genannt wurde. Auf jedem Schuhkarton findet der interessierte Käufer die Daten zum Herstellungsort, Energieaufwand und ökologischen Auswirkungen des Produkts. Darüber hinaus verweist das Unternehmen auch auf seine soziale Verantwortung gegenüber seinen Angestellten und der Gemeinschaft. Nach dem Beipackzettel, können sich Timberland-Angestellte jährlich für 40 bezahlte Stunden freistellen lassen, um ehrenamtliche Aufgaben in der Gemeinde zu erfüllen – auch die Schuhmanufaktur hat die Bedeutung von Umweltbewusstsein und des Lokalen erkannt.

Kommentar:
Die Prominenz macht es vor: nur wer Verantwortlichkeit gegenüber Mensch, Tier und Natur beweist, ist gesellschaftsfähig. Je größer die Bemühungen um Planet Erde, desto größer der soziale Status. Diese „Zukunftsverantwortung“ konzentriert sich auf drei Bereiche: Umweltverträglichkeit, Bedeutung und Bewahrung lokaler Faktoren sowie sozialer Verträglichkeit. Aber nicht nur Einzelpersonen sollten beginnen, sich um das Wohl auf Erden zu bemühen, denn umweltbewusste und faire Produktion werden in Zukunft zum wichtigen Qualitätssiegel und somit von ausschlaggebender Bedeutung für jede Kaufentscheidung.

Links:
americanapparel.net
www.aninconvenienttruth.co.uk
www.climatecrisis.net
www.dole.com
www.doleorganic.com
www.timberland.com
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