Reputations-Management
31. Oktober 2007, 16:16 Uhr RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback“Denn je öfter das Ganze wiederholt wird, desto realer wirkt es in den Augen der Zuschauer. So vermischt sich der virtuelle Ruf mit dem realen. Das kann enorme Nachteile bringen.”
- Reputation 2.0
Haben Sie jemals nach Ihrem eigenen Namen gegoogelt – und waren überrascht über die Ergebnisse? Es liegt im Allgemeinen im Interesse einer Website möglichst viel Inhalt von Google oder anderen Suchmaschinen indizieren zu lassen. Natürlich kann dabei nicht zwischen privaten oder geschäftlichen Inhalten unterschieden werden, gerade das vielzitierte Web 2.0 sorgt für eine Schwemme von Informationen aus den Bereichen Hobby, Freundeskreis und Familie.
Oftmals wird beim Posten von Blog- oder Foren-Einträgen nicht die Langlebigkeit beachtet: das Web hat ein sehr langes Gedächtnis. Als Teenager eingestellte Inhalte können später bei der Jobsuche unangenehm auffallen, wenn potentielle Arbeitgeber das Profil der Kandidaten im Web überprüfen.
Die Transparenz des Webs kann für die (evtl. ungewollte) Selbstdarstellung zum Problem werden. Im Extremfall gehen eigene Inhalte zwischen Verleumdungen und Kritik unter, wie im Fall von Sue Scheff, die ein Opfer von „Cyber-Abuse“ wurde. Diese Szenarien haben ein neues Geschäftsmodell hervorgebracht: Reputations-Management.
Anbieter, wie ReputationDefender, versprechen vollmundig, Online-Profile bereinigen und damit verbessern zu können. Dies setzt aber die Zusammenarbeit mit den Webseiten voraus, auf denen die problematischen Inhalte zu finden sind und ist daher fraglich. Die rechtliche Grundlage für ein solches Vorgehen über Dritte ist zweifelhaft, die Begründung für eine Löschung von Inhalten nach Jahren eher dürftig.
Vielversprechender erscheint die Idee eines zentralisierten Profils, welches die Möglichkeit bietet, andere Inhalte zu kommentieren und relativieren – also einer Personensuche. Es stellt eine Art Meta-Profil dar, unter dem sämtliche Online-Aktivitäten einer Person priorisiert und wenn nötig erklärt werden können. Auch hier existieren bereits zahlreiche Anbieter, wie z.B. myOnId, yasni, spock und wink.
Allerdings ändern auch sie nichts an dem grundlegenden Problem: das Web ist grundsätzlich öffentlich und eine Privatsphäre nicht (mehr) vorhanden. Die Tipps zur Reputations-Pflege lesen sich wie der Alptraum eines jeden Datenschützers: Überwachung des eigenen Namens, Selbstdisziplin, für positive Inhalte sorgen.
Die Verwendung von Aliasen und die Vermeidung persönlicher Beiträge hilft hierbei wenig, denn auch ein Null-Ergebnis bei Google wird einen Arbeitgeber nicht begeistern – wer „kauft“ denn schon die Katze im Sack? Obwohl es für den Arbeitsmarkt keinerlei Rolle spielt, welchen Hobbys ein Arbeitnehmer nachgeht, werden seine digitalen Fußspuren zukünftig zweifellos seine Chancen beeinflussen – positiv wie negativ.
Kommentar:
Die Vorstellung eines Monitoring des eigenen Namens lässt mich schaudern. Wenn nur noch Arbeitnehmer mit blütenreiner Online-Weste gesucht werden, wird es mit dem aktuellen Web2.0-Exhibitionismus schnell vorbei sein. Die Erstellung eines möglichst positiven Profils über Drittanbieter entspricht natürlich genauso wenig der ganzen Wahrheit und macht alle Beteiligten zum Opfer. Diese schöne neue Internetwelt mit ihren Such- und damit Überwachungsmöglichkeiten kann eines auch in Zukunft nicht ersetzen: den gesunden Menschenverstand.

Am 31. Oktober 2007 um 17:32 Uhr
[…] Suchmaschinen. Und je mehr im Netz über jemanden zu lesen ist, desto mehr entsteht daraus ein glaubhaftes Bild, das mit der Realität wenig gemein haben muss. Womöglich ist es nur ein Ausschnitt seiner […]
Am 31. Oktober 2007 um 17:34 Uhr
Inzwischen gibt es zu dem US-Dienst ReputationDefender noch ein deutsches Pendant: DeinGuterRuf.de, offizieller Start aber erst am 1. Dezember.
Am 2. Dezember 2007 um 08:07 Uhr
[…] Links: Reputations-Management […]